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Choose Your Own Standard: Bastelspaß & Nostalgie (MagicUniverse-Artikel)

Geschrieben von jjrotzo, in Decktech, Basics 19. September 2015 · 3.534 Aufrufe

Im letzten Jahr habe ich für Magicuniverse.de einen Einführungsartikel zum "Choose Your Own Standard" Format geschrieben. Jetzt wurde die Seite vollständig vom Netz genommen (ein paar Infos von Andreas Pischner dazu). Toter als tot, die Seite und der jahrelang gesammelte Content sind komplett weg. Deshalb mache ich meinen Artikel nochmal hier in meinem Blog verfügbar (teilweise aktualisiert) , damit die ganze Arbeit nicht umsonst gewesen ist.

 

Hallo liebe Magicuniverse MtG-Forum-Leser, ich heiße Jan und bin 28 Jahre alt. Zusammen mit einer Handvoll Legacy-Verrückter veranstalte ich unter dem Titel "Deck, Worscht unn Woi" einmal im Monat Legacy- und Modern-Turniere in Mainz. In letzter Zeit bin ich da aber mehr in der Orga und kaum noch an den Spieltischen zu finden. Allerdings versuche ich, so oft es geht, den lokalen FNM-Draft mitzunehmen.
Gepackt hat mich das Magicfieber vor etwa fünfzehn Jahren, als gerade der Merkadische Maskenball stattfand. Das war quasi mein persönlicher Millenium-Virus. Ich war jung und hab meine Kreaturen zum Blocken getappt. Rebellen waren der Hit und Avatar of Woe der größte Fiesling, den wir uns vorstellen konnten. Knapp vor dem Rhox, diesem unförmigen, unkaputtbaren, unblockbaren und vor allem unfairen Fettklops. Aber keine Angst, ich werde hier nicht den "Früher war alles besser"-Blues singen. Dafür machen die Küstenzauberer mit ihrem Spiel aktuell zu viel richtig. Nicht umsonst hängen mehr Süchtige als jemals zuvor ständig an der Karte. Trotzdem ruft die alte Pappe bei mir viele Erinnerungen hervor, wenn sie mich beim Blättern durch den Crapordner anlacht. Und das ist leider der einzige Ort, an dem wir uns heutzutage über den Weg laufen. Der ständige Output an neuem Material stellt zwangsläufig eine wachsende Menge älterer Karten in den Schatten und so hat sich im Laufe der Jahre bei mir eine immer größere Sammlung ehemaliger Weggefährten angehäuft, die mir zwar früher auch auf Turnieren gute Dienste geleistet haben, aber mittlerweile für Standard nicht mehr aktuell genug, für Legacy nicht stark genug und für Modern vielleicht gar nichts von beidem sind.

 

Karten suchen ein Zuhause

 

Aber wohin mit Wild Mongrel, Watchwolf und co, wenn König Tarmogoyf unangefochten regiert? Gibt es bei Magic außer der Verbannung in die Crapordner und Statistenrollen in Commanderhaufen noch einen anderen Platz für all die Zweit- und Drittplatzierten, quasi einen olympischen Gedanken? Ihr merkt schon, das muss auf irgendwas mit Casual hinauslaufen. Nun kann man unter dem Begriff ja alles oder nichts verstehen, ich habe da aber schon eine bestimmte Vorstellung, in welche Richtung es gehen soll. In den vergangenen 14 Jahren habe ich noch ein bisschen mehr über Magic gelernt, als nur meine Blocker nicht zu tappen. Und seitdem ich weiß, was Manakurve, Kartenvorteil und Damage Race bedeuten, habe ich einen anderen Blick auf das Spiel bekommen, als der kleine Junge mit den großen Augen, für den jede Karte neu und aufregend war und dessen einzige Strategie aus "Ich spiel schwarz mit allem, was ich hab" bestand. Und genau aus diesem Grund hätte ich nur noch sehr wenig Spaß beim "Anything goes"-Casual mit Haufendecks. Vielleicht können die Turnierspieler unter euch das nachvollziehen. Heute freue ich mich darüber, wenn ich irgendwo das optimale Play finde, und tüftele gerne, um das beste aus meinem Deck rauszuholen. Casual auf FNM-Niveau, das wär genau das Richtige für mich. Kein verbissenes Grinden, aber ein freundschaftlicher Wettbewerb.

 

Hey Moment, das geht ja jetzt. Wizards haben am Anfang des Jahres die Tore zum Friday Night Magic auch für Casualturniere aufgestoßen. Zusammen mit der Ankündigung haben sie außerdem eine Liste mit Casualformaten präsentiert, die dafür in Frage kommen könnten:

 

Eingefügtes Bild

 

Eins davon will ich euch heute vorstellen, weil es meiner Meinung nach besonders gut Innovation und Nostalgie miteinander verbindet: Build Your Own Standard, auch bekannt als Choose Your Own Standard.

 

Bevor wir zur Sache kommen, will ich euch kurz die Gelegenheit geben, selbst einzuschätzen, ob ihr zur Zielgruppe dieses Artikels gehört.

 

Choose Your Own Standard ist nichts für euch, wenn...
- für euch der Bau eines Decks nur die nervige Hürde vor dem Zocken ist,
- ihr euch nicht damit auseinandersetzen wollt, welche Karten es neben den üblichen Verdächtigen noch so gibt und wo zum Teufel die alle herkommen,
- ihr ein Freund klarer Verhältnisse seid und Randomness im Metagame nicht ausstehen könnt,
- ihr euch beim Deckbau nicht einschränken wollt.

 

Choose Your Own Standard ist genau das Richtige für euch, wenn...
- ihr Spaß an Casual mit kompetitivem Anstrich und mehr Freude am guten Spiel als an Multiplayer-Politik habt,
- euch die ganzen schönen alten und verschmähten neuen Karten zu schade sind, um sie in den Crapordnern verstauben zu lassen,
- ihr beim Spielen gegen andere immer wieder was Neues erleben wollt,
- ihr mit Begeisterung an Decklisten schraubt.

 

Sind die Fronten geklärt? Dann los!

 

Rules, Bloody Rules

 

Choose Your Own Standard (CYOS) kursiert im Internet auch unter Build Your Own Standard oder Make Your Own Standard, was den Charakter des Formats eigentlich besser beschreibt, aber unter Choose Your Own Standard findet man auch das Youtube-Video, in dem Mark Rosewater (der Chefdesigner von Magic) diese Variante kurz vorstellt und die Coverage zum bisher einzigen von Wizards veranstalteten CYOS-Turnier im Rahmen der Magic Invitationals 2007. Wie man am Namen bereits ablesen kann, stellt Choose Your Own Standard eine Abwandlung des normalen Standard-Formats dar, welches den meisten Magicuniverse MtG-Forum-Lesern mit Sicherheit ein Begriff ist. Im (normalen) Standard besteht der Pool, aus dem Decks gebaut werden dürfen, nur aus Karten , die in einem der beiden neuesten Blöcke und/oder dem aktuellen Basis Set aufgetauchtes sind. Da regelmäßig neue Editionen auf den Markt kommen, unterliegt Standard einer regelmäßigen Rotation. Bis zum Release von Battle for Zendikar gehören der Theros-Block (mit Theros selbst plus Born of the Gods und Journey into Nyx), der Tarkir-Block (mit Khans of Tarkir, Fate Reforged und Dragons of Tarkir) und Magic Origins zum Club. Wer Zwei und Zwei zusammenzählt, errät vielleicht schon, wie das "Choose Your Own" in den Titel kommt.
Statt sich auf die aktuellen Releases zu festzulegen, bastelt jeder Spieler einen eigenen Standardpool mit freier Auswahl aus derzeit 20 Blöcken und 13 möglichen Basis-Sets zusammen und baut daraus ein Deck. Dabei müssen sich nicht alle das Gleiche aussuchen. Es müssen auch nicht zwangsläufig zwei aufeinander folgende Blöcke gewählt werden, sondern man darf bunt mischen. So wird aus dem rotierenden Standard ein Eternalformat, in dem man Zugriff auf fast alle Karten erhält, aber niemand bekommt alle auf einmal. Im Gegensatz zu Legacy oder Modern muss ich mir daher nicht einfach nur für jede Aufgabe die beste Karte suchen, denn alle werde ich sowieso nicht unter einen Hut bekommen. Ich muss mich nach dem besten Gesamtpaket für meinen Plan umschauen und da kann beispielsweise Shock aus M14 mehr Sinn machen als Lightning Bolt aus M11, wenn ich dafür noch Young Pyromancer bekomme. So können sich am Ende auch zwei Monored Aggro gegenüber stehen, deren einzige Gemeinsamkeit die unvermeidlichen Mountains sind.
Noch ein paar Formalitäten zum Erstellen des eigenen Pools: Blöcke können nur als Ganzes ausgewählt werden und nicht jedes Set gehört zu einem Block. Die ersten Expansions von Arabian Nights bis Fallen Empires waren alle Stand-Alone-Editionen. Genauso sieht es mit der Einsteigerserie Portal und Supplementary Products wie Modern Masters, Commander und Conspiracy aus. Das gehört also alles nicht zum Kartenpool. Um den Ice Age-Block gibt es immer wieder Verwirrung, nachdem Coldsnap mit 10 Jahren Verspätung als "verschollenes" drittes Set erschienen ist. Offiziell zählen seitdem Ice Age, Alliances und eben Coldsnap dazu. Die Homelands wurden dafür vor die Tür gesetzt, aber jetzt mal ehrlich. Macht das irgendjemanden traurig? Die andere Frage, die öfter auftaucht: Lorwyn, Morningtide, Shadowmoor und Eventide bilden zusammen den einzigen Block, der vier statt drei Editionen enthält. Als Basis Set gelten sowohl die rein aus Reprints bestehenden durchnummerierten Editionen als auch die Magic 201x-Sets und Origins.

 

"Na dann nehm ich wohl Beta und zocke Moxe, Black Lot..."

 

Stop, hier muss ich gleich dazwischen grätschen. Genau wegen sowas beginnt die Auswahl des Basissets erst bei der 5th Edition. Wenn ihr einen Spielplatz für eure Power 9 sucht, googlet mal Oldschool bzw. Magic 93/94. Für die Normalsterblichen macht der Ausschluss der Urgesteine aber sowohl preislich als auch spielerisch Sinn. Und selbst mit den gerade beschriebenen Einschränkungen bleibt der Pool riesig.

 

Die vollständige Übersicht findet ihr hier...
Zwei beliebige Blöcke aus

 

Ice Age + Alliances + Coldsnap
Mirage + Visions + Weatherlight
Tempest + Stronghold + Exodus
Urza’s Saga + Urza’s Legacy + Urza’s Destiny
Mercadian Masques + Nemesis + Prophecy
Invasion + Planeshift + Apocalypse
Odyssey + Torment + Judgment
Onslaught + Legions + Scourge
Mirrodin + Darksteel + Fifth Dawn
Champions of Kamigawa + Betrayers of Kamigawa + Saviors of Kamigawa
Ravnica + Dissension + Guildpact
Time Spiral + Planar Chaos + Future Sight
Lorwyn + Morningtide + Shadowmoor + Eveningtide
Shards of Alara + Conflux + Alara Reborn
Zendikar + Worldwake + Rise of the Eldrazi
Scars of Mirrodin + Mirrodin Besieged + New Phyrexia
Innistrad + Dark Ascension + Avacyn Restored
Return to Ravnica + Gatecrash + Dragon's Maze
Theros + Born of the Gods + Journey into Nyx
Khans of Tarkir + Fate Reforged + Dragons of Tarkir
...

 

Dazu eine Grundedition aus

 

5th Edition
6th Edition
7th Edition
8th Edition
9th Edition
10th Edition
Magic 2010
Magic 2011
Magic 2012
Magic 2013
Magic 2014
Magic 2015
Magic Origins


Für die mittelfristige Zukunft von CYOS stellt sich die Frage, wie man nach dem Standard-Relaunch 2016 neue und alte Formatstruktur unter einen Hut bringen kann, sodass alles zusammen spielbar bleibt. Bisher hat noch niemand ein Patentrezept auf den Tisch gepackt. Vorstellbar wäre eine Regelung, nach der jeder Pool genau sieben Editionen umfassen darf. Diese kann man dann, wie man es möchte, durch Kombination von alten Dreier- und neuen Zweier-Blöcken und maximal einem Basisset zusammenstellen. Ihr merkt, das macht die Sache leider etwas kompliziert und hat auch keinen direkten Bezug zum normalen Standard mehr. Deshalb wäre es wohl geschickt, dieses neue Format dann unter einem eigenen, griffigen Titel zu verkaufen. Seven Up? Siebenschläfer-Magic? Ich bin nicht gut in sowas.

 

Wie alle anderen Formate mit vergleichbarem Umfang kommt auch CYOS leider nicht ohne Bannings aus. Weil DCI-Support oder eine vernetzte Community fehlen, existiert allerdings keine allgemein anerkannte, passende Liste dafür. Ich präsentiere euch deshalb die beiden Vorschläge, die ich aus dem Netz kenne, und gebe euch anschließend noch meine eigene Hausregelung als persönliche Empfehlung mit auf den Weg.
Die Richtlinie für das Invitational-Turnier verbot alle Karten, die entweder auf der Legacy- oder auf einer der Block Constructed Banned-Listen auftauchen. Welch absurde Auswüchse so ein zusammengeschustertes Frankenstein-Regelwerk zur Folge hat, sieht man, wenn auf der schwarzen Liste solche Granaten wie Thawing Glaciers und Intangible Virtue auftauchen, während beispielsweise Jace, the Mind Sculptor und Show and Tell into Emrakul, the Aeons Torn unbehelligt bleiben. Für eventuelle zukünftige Veranstaltungen hat Mark Rosewater deshalb vorgeschlagen, zusätzlich die Modern Bannings zu übernehmen. Damit schließen sich zwar ein paar kritische Lücken, vor allem Dark Depths wird aus dem Verkehr gezogen. Aber immer noch nicht alle, wie man an Show and Tell sieht, und auf der anderen Seite wird noch weiter übers Ziel hinausgeschossen: Nein Preordain, du darfst heute nicht draußen mit Brainstorm spielen! Das macht weder vom Balancing Sinn, noch passt es zum Spirit eines Formats, bei dem Vielfalt auf den Fahnen steht. In meiner Spielrunde sind wir uns deshalb einig, dass es eine maßgeschneiderte Lösung braucht, auch weil CYOS ganz spezifische Problemfälle hat, die sonst nirgendwo auftauchen. Insbesondere das Delver-Problem. Wir kommen gleich erst zum CYOS-Meta, aber egal wo ihr im Internet nach diesem Format sucht, es gibt immer irgendjemanden, der sich irgendwann schon mal damit beschäftigt hat, und direkt die Sinnlosigkeit des Unterfangens auf folgende Gleichung herunterbricht:

 

UW Delver (Ice Age + Innistrad + M12) = Format solved

 

Und so ganz falsch ist das nicht. Man kombiniert Hardcore-Kontrolle (Counterspell, Mana Leak, Swords to Plowshares, Force of Will) mit einer Aggrohorde, die Potential für Modern hätte (Delver of Secrets, Geist of Saint Traft) und garniert mit den besten Cantrips, Snapcaster Mage und Temporal Mastery. So bekommt man unter den obigen Rahmenbedingungen das mit Abstand stärkste Deck. Ist CYOS deshalb verloren? Nein, es braucht nur eine passende Lösung: Knackpunkt ist vor allem der Geist, der gegnerisches Removal komplett ignoriert, selbst geblockt noch vier Schaden durchdrückt und den Miracle Time Walk zu einem mächtigen Damagebooster aufrüstet. Ein Exorzismus am Geist stutzt auch dieses Deck auf normales Maß (ohne es komplett zu killen) und das Format steht wieder weit offen für alle möglichen Archetypen.

 

Mit ähnlichen Überlegungen und Testspielen sind wir zu folgender Hausregelung gekommen.

 

Banned-Liste:
Amulet of Quoz (Ice[/card] Age)
Animate Dead (5th Edition)
Cranial Plating (Fifth Dawn)
Dark Depths (Coldsnap)
Demonic Consultation (Ice Age)
Earthcraft (Tempest)
Flash (Mirage, 6th Edition)
Geist of Saint Traft (Innistrad)
Mana Vault (5th Edition)
Memory Jar (Urza's Legacy)
Mind's Desire (Scourge)
Necropotence (Ice Age, 5th Edition)
Oath of Druids (Exodus)
Show and Tell (Urza's Saga)
Skullclamp (Darksteel)
Time Spiral (Urza's Saga)
Tinker (Urza's Legacy)
Tolarian Academy (Urza's Saga)
Vampiric Tutor (Visions, 6th Edition)
Windfall (Urza's Saga)
Yawgmoth's Bargain (Urza's Destiny)

 

Diese Liste soll nur als Anhaltspunkt dienen und könnte, konservativ betrachtet, durchaus noch ein wenig länger ausfallen. Wenn ihr der Meinung seid, dass etwas fehlt oder nicht drauf gehört, sprecht euch mit euren Mitspielern ab. Wir sind ja schließlich zum Spaß hier.
Falls ihr Survival of the Fittest vermisst, es ist immer noch eine sehr starke Karte, aber bei weitem nicht so schlimm wie im Legacy. Außerdem macht sie eine gute Figur im Schaufenster und zeigt, dass CYOS nicht einfach der Light-Abklatsch von irgendwas anderem ist. Hier sind Karten möglich, die in keinem sanktionierten Format funktionieren.
Auf der anderen Seite wundert ihr euch vielleicht, was Animate Dead auf dieser Liste verloren hat, obwohl andere Sprüche vom gleichen Kaliber mit Abwesenheit glänzen. Zwar sind Reanimate oder Exhume im Vakuum mindestens genauso kraftvoll, aber für CYOS muss man zusätzlich berücksichtigen, wo eine Karte herkommt. Die besten Werkzeuge für Grabräuber liefert Odyssey. Entomb, Careful Study, Cabal Therapy und co. machen diesen Block quasi zum Must-Have. Fehlt noch die schnelle Wiederbelebungsmaßnahme und eine schöne Leiche, aber kein anderer Block hat beides im Angebot. Ich kann mich entweder für Tempest enscheiden und mein Reanimate auf eine halbwegs faire Verdant Force spielen. Oder ich begnüge mich mit dem gemütlichen Zombify und krall mir die richtig dicken Sahneschnitten (Iona, Gin-Gitaxias, Griselbrand, ...). Den einzige Weg, sie schon im zweiten Zug auf den Tisch zu klatschen, wäre Animate Dead aus der 5th Edition.

 

Auf der Metaebene

 

Wir haben uns lange und ausführlich mit der Theorie beschäftigt, kommen wir nun zum praktischen Teil. Wie sieht CYOS aus? Ein Format mit so vielen Optionen und dazu noch so unbekannt kann natürlich nicht mit einem definierten Metagame aufwarten. Denkbar sind grundsätzlich Modifikationen von allen erfolgreichen historischen und aktuellen Standard Decks von Prosbloom bis Devotion, die nicht an der Banned-Liste scheitern. Welche davon auch geeignet sind, steht allerdings nochmal auf einem anderen Blatt. Voraussetzung ist ein annehmbarer Powerlevel, was zum Beispiel viele reine Kreaturendecks aus der Prä-Powercreep-Ära ausschließt, und das Potential dem ganzen Spektrum von Magic entgegentreten zu können, was spezielle Metadecks wie einen rein auf Artefaktzerstörung getrimmten Anti-Affinity-Hatehaufen disqualifiziert.
Eine zweite erfolgsversprechende Herangehensweise bildet das Abspecken von aktuellen und ehemaligen Legacy-, Modern- oder (die Älteren erinnern sich vielleicht) Extended-Decks, die sich in eine Zwei-Block-Kombi gießen lassen. Dabei eignen sich insbesondere Decks, die auf einem bestimmten Blockthema beruhen und deshalb besonders viele passende Karten auf einem Fleck versammeln, z.B. Infect aus Scars of Mirrodin oder Meervölker aus Lorwyn. Ebenfalls leicht machen es einem Combos, die nur auf zwei Karten beruhen und mit ein wenig Support drumherum schon zufrieden sind wie Splinter Twin + Pestermite.
Der dritte Ansatz ist die Suche nach versteckten Perlen aus gemischten Block-Arrangements, die im sanktionierten Turniermagic so noch nie den Durchbruch erlebt haben. Dabei findet man zwar in der Regel nicht die stärksten Strategien, aber bekommt auf jeden Fall originelle Ergebnisse. In Frage kommen meistens Pärchen mit sehr großem Altersunterschied, die den Eignungstest für Legacy nicht bestanden haben. Eventuell reicht der Powerlevel ja trotzdem. Obskure Combos wie Frenetic Efreet plus Chance Encounter, die Synergie von Chasm Skulker und Brainstorm oder das Zusammenspiel von Temur Ascendancy und Saproling Burst fallen mir da spontan ein.

 

Im Aggrobereich muss man mit allen möglichen Varianten der Evergreens Monored Aggro (als Burn oder als Swarm Aggro, mit oder ohne Land Destruction) und White Weenie (meistens mit Evasion und/oder Protection, Fokus auf Tribal, Equipment oder Tokens) rechnen. Zoo von der All-In-Landfall-Variante bis hin zu Big Zoo mit Baneslayer Angel ist ebenfalls möglich. Höchstwahrscheinlich wird man auch diversen Lords und Ladies samt Stammesgefolge begegnen (oft aber nicht zwangsläufig auf Basis von Lorwyn). Je nach verwendeten Bannings kommt dazu noch Affinity. Generell sollte man sich dazu fragen: Brauche ich den reichlich vorhandenen Hate gegen Monorot? Wie stehen meine Chancen gegen frühe Kreaturenschwärme? Wie kommt meine Strategie mit Mana Denial zurecht, das einige Aggrolisten auffahren? Wenn mein Deck gegen Armageddon jedes Mal zusammen schiebt, ist es entweder zu langsam oder zu gierig.
Der Controlsektor wird dominiert von Blau und seinen Komplizen (in Form von Draw-Go oder Tapout-Control, mit Delver, Faeries, Planeswalker-Tagteams, Sphinx's Revelation oder einem Combo-Kill). Da gibt es unzählige Optionen. Man profitiert davon, mit den vielen starken Permission-Sprüchen fast alles schon auf dem Stack zu handlen, bevor sich auf dem Spielfeld ganz unterschiedliche Probleme entwickeln könnten. Boardkontrolle mit Discard in Jund oder Abzan-Farben (oder Monoschwarz) ist ebenfalls kein ungewöhnlicher Anblick, oft werden solche Decks von einer starken Engine angetrieben, z. B. Planeswalkern, Birthing Pod, Life from the Loam oder Astral Slide.
Bei den Combos glänzt von den Prominenten bisher allein das klassische Stormdeck mit Abwesenheit. Aus der Ecke ist nur Dragonstorm mit von der Partie. Quasi alles, was man sonst noch aus Legacy und Modern kennt (und nicht per Banning vor die Tür gesetzt wurde) existiert auch in irgendeiner Form als spielbares CYOS-Deck, darunter Painter's Servant + Grindstone, Reanimator, Cascade Hypergenesis, Recurring Survival und Dredge, um ein paar von den auffälligsten zu nennen. Die allermeisten Combos laufen über den Friedhof oder benutzen aktivierte Fähigkeiten von Permanents. An diesen Stellen kann man sie dann auch ohne Counter angreifen. Graveyardhate und Pithing Needle/Phyrexian Revoker sind in sehr vielen Editionen verfügbar. Discard, Counter und Landdestruction ebenfalls. Als Combospieler braucht es zumindest Postboard entweder Gegenhate oder, wenn sich das nicht bewerkstelligen lässt, einen Plan B. Totenbeschwörer sollten sich zum Beispiel auf jeden Fall überlegen, wie sie unter Rest in Peace noch gewinnen wollen.
Was lässt sich trotz Wundertüte allgemein über das Meta festhalten? Das Tempo des Formats verlangt von reinen Aggro- und Combodecks einen durchschnittlichen Turn 4 bis 5-Kill gegen den Goldfisch, um mithalten zu können. Spoiler können einem in den verschiedensten Formen begegnen, vom fliegenden Spaghettimonster Emrakul, the Aeons Torn bis zum Stasis-Hardlock. Deshalb sind universelle Antworten gegen alle Arten von Permanents von Vorteil, z.B. Oblivion Ring. Spätestens nach dem Boarden sollte man auch mit Friedhofsspielereien umgehen können. Bei der Wahl der Waffen lohnt es die Augen offen zu halten. Von Modern und Legacy ist man gewohnt, auf alle Fragen eine Standardantwort zu bekommen, die jeder kennt. Removal? Swords! Burn? Bolt! Graveyard Hate? Crypt! Mit einer "Thiago oder nix!"-Einstellung verpasst man beim Deckbau die Alternativen. Auch Thran Foundry oder Coffin Purge fahren einem Nekromanten ziemlich effektiv in die Parade und würden jederzeit Platz in meinem Sideboard finden, bevor ich ohne Graveyardhate ins Duell gehe. Solide Lösungen, am besten mit vielfältiger Andwendbarkeit (Rakdos Charm <3 ), sind für die meisten Probleme vollkommen ausreichend. Es muss nicht immer der größte Spezialist sein, dafür hat man in der Regel auch zu wenig freie Slots.
Trotz aller Gegenmaßnahmen schwingt das Pendel bei Matchup-Prozenten im CYOS gelegentlich etwas weiter aus, als man es vom heutigen Standard kennt. In manchen Begegnungen hat man einfach wortwörtlich schlechte Karten. Cascade Hypergenesis ist so ein typisches Stein-Schere-Papier-Deck, welches ungestört schnell und heftig ausrasten kann, aber gegen Counter sofort die Waffen streckt. Deshalb erzähle ich hier auch was von Sidebords, obwohl wir uns in Casual-Gefilden befinden. Ohne Sideboard hält der Spaß nämlich nur solange, wie sich alle einig sind, nur mit "fairen" Decks oder passenden Paarungen anzutreten.

 

Unter der Lupe

 

Auch wenn ich bei dieser Kartenflut nicht die gesamte Bandbreite an Decks im Detail rüber bringen kann, möchte ich euch zum Probieren ein paar Kostproben der verschiedenen Geschmacksrichtungen geben.

 

Nostalgic Dreams

 

Wie in der Einleitung bereits angedeutet, bietet CYOS die Möglichkeit, Werke alter Meister wieder aufleben zu lassen. Als erstes möchte ich euch die Chimera zeigen. Dieses Deck, das auch unter dem Namen Clusterbomb bekannt ist, hat in fast identischer Form im Jahr 2000 Nicolas Labarre zu einem Top8 Finish bei den Worlds verholfen. Das damalige Standardformat enthielt den Urza-Zyklus, den Masken-Block und die 6th Edition und hatte bereits einige Schläge mit dem Bannhammer abbekommen (Für mehr Details sucht im Netz nach Combo Winter). Im einem Feld, das vom Kampf von rasanter Manabeschleunigung (Grim Monolith, Gaea’s Cradle, usw.) gegen hartes Mana Denial (Rishadan Port, Plow Under, Tangle Wire, etc) geprägt war, spielte die Chimera damals nur eine Randerscheinung neben Replenish, Accelerated Mono Blue Control, grüner und rot-grüner Landdestruction, Monogreen und Monored Aggro, sowie dem letztendlichen Weltmeister Tinker (Pilot ein gewisser Jon Finkel).
Die Strategie: Mit Enlightened Tutor und Academy Rector sucht man sich die Drei-Karten-Combo Saproling Cluster, Fecundity und Ashnod’s Altar zusammen, cyclet erst die Bibliothek und dann immer wieder Serra's Avatar durch, generiert dabei große Mengen von Mana und mühlt bzw. brennt den Gegner am Ende zu Tode. Alles klar soweit?

 

 

Falls euch bei diesem Anblick die Fragezeichen um den Kopf tanzen, dann seid ihr in guter Gesellschaft. Der Rogue-Faktor war auch schon bei den Worlds 2000 dem Erfolg des Decks sehr zuträglich. Wenn ihr auf ein Aufeinandertreffen vorbereitet sein wollt, denkt dran, dass Fecundity als Motor dieses Deck am Laufen hält. Auch ohne versammelte Combo lassen sich damit über Saproling Burst und die Manatiere viele Karten ziehen. Schaltet ihr den Antrieb aus, müsst ihr es nur noch mit den Fußgängern aufnehmen. Obwohl die Liste wie ein umständlicher Haufen rüberkommt, erweist es sich in Aktion dank der vielen Tutoren als erstaunlich zuverlässig und in meinen Augen auch als elegant. Für mich ein typisches Relikt aus der ersten Halbzeit von Magic, sowas werdet ihr heute in keinem sanktionierten Format mehr finden. Das ist auch einer der Gründe, warum ich es euch hier präsentiere, aber nicht der einzige. Es entstammt einer harten Schule, in der es fast mit allen Magic-möglichen Gemeinheiten konfrontiert wurde und hat sich dort bewährt.
Als Combodeck muss man sich erstmal nicht so viele Gedanken um die Gegner machen, solange sie einen nicht daran hindert, den eigenen Plan durchzuziehen. Meistens wird einem nach dem Sideboarden dann doch Interaktion aufgezwungen. Dank Enlightened Tutor-Toolbox kann man aber auf alle möglichen Bedrohungen flexibel reagieren. Vor allem braucht es Gegenhate gegen typische CYOS-Sideboardkarten, die einem das Genick brechen würden. Seal of Cleansing gegen Pithing Needle und Leyline of the Void. Defense Grid gegen Counter. Nützliche, aber weniger wichtige Werkzeuge als One-Offs. Am schwersten wird es gegen Draw-Go-Kontrolle. Wir sind auf die eigene Mainphase beschränkt um unsere Sprüche ins Ziel zu bringen, da kann der Gegner einfach abwarten und einen nach dem anderen abschießen. Die beste Chance hat man da mit einem guten Bluff um entweder das Grid zu resolven oder von einem Beatdownplan abzulenken.

 

Bitte mal lächeln

 

Wie Draw-Go-Control im CYOS aussehen kann, auch dafür habe ich ein passendes historisches Vorbild gefunden. Das hat aber noch ein bisschen mehr zu bieten als nur Counter, Counter, Counter. 2002 errang der Brasilianer Carlos Romao mit einem blauschwarzen Psychatogdeck die Weltmeisterkrone, das neben Magics grinsendem Mitarbeiter des Jahres 2001 - 2006 mit Fact or Fiction auch den langjährigen Spitzenreiter im Kartenziehen am Start hatte. Standard setzte sich aus Invasion, Odyssey und der 7th Edition zusammen.
Die Strategie besteht darin, so lange die Kontrolle über das Spiel zu behalten, bis sich genügend Futter auf der Hand und im Friedhof gesammelt hat, damit Dr. Teeth für 20 oder mehr Schaden zubeißt. Wahlweise lässt man dafür zuerst mittels Upheaval das gesamte Board verschwinden, damit der Atog mit Mana aus dem Pool aufs leere Feld geslamt werden kann. Nightscape Familiar erfüllt eine doppelte Aufgabe als Stopschild und Beschleuniger, insbesondere für Cunning Wish into irgendwas.

 

 

Was qualifiziert unser Grinsegesicht für Choose Your Own Standard? In seinem Heimat-Standard war Psychatog glasklar das Deck to Beat. Damit kann man ihm schon mal einen vernünftigen Powerlevel unterstellen. Mit vielen Countern, solidem Removal und einem umfangreichen Cunning Wish-Werkzeugkasten im Sideboard hat es gute Chancen, im großen Haifischbecken zu überleben. Zur Beute des Atogs zählen bevorzugt Combos, Midrange und andere Controldecks, die es schwer haben, mit soviel Card Draw mitzuhalten. Gegen Fast Aggro sollte man hingegen lieber den Kopf einziehen und versuchen, sich irgendwie mit einem blauen Auge ins Lategame zu retten. Die Abwehr eines Rushs gehört nämlich nicht zu den Stärken dieses Decks. Damit musste man sich im damaligen Standard kaum auseinandersetzen. Die gezeigte Liste begegnet diesem Problem mit 4 Force Spike im Main und 3 Ghastly Demise im Sideboard.
Für den Extra-Kik glänzt das Deck übrigens mit sehr humanen Anschaffungskosten.

 

Something Old, Something New, Something Borrowed, Something Blue

 

Die Rolle von blauer Kontrolle kann man im CYOS aber auch ganz anders interpretieren: Mit weiß als Zweitfarbe, um Aggro den Tag zu versauen. Ohne viel Abwarten darauf fokussiert, im eigenen Zug die Vier- bis Sechs-Mana-Bomben zu zünden und den Gegner unter deren Power zu begraben. Und obwohl man von diesen Engeln und Mass Removals keine Miracles erwarten kann, erinnert die Liste doch sehr an Legacy. Force of Will, Counterspell, Swords to Plowshares und Brainstorm werden praktischerweise alle von Ice Age geliefert. Zendikar und M11 bringen dafür die Planeswalker, Fatties und den Fetch Shuffle zum Brainstorm mit. Damit fährt dieses Deck, sowohl, was die individuelle Kartenqualität angeht, als auch beim Preisschild ins gelbe Trikot des Führenden.
(Wer sich beim Anblick der Liste fragt, was so viel kostspielige Pappe noch mit Casual zu tun hat, dem möchte ich zwei Dinge entgegen halten. Erstens habe ich einige Commander- und Highlanderfans schon mehr Euros in ihre Goodstuff-Haufen investieren sehen, da stört es auch niemanden. Aber vor allem wird kaum jemand einfach so bei Null anfangen CYOS zu spielen. Wenn ich mir teure Karten für Legacy und Modern angeschafft habe, warum soll ich sie dann nicht auch am Küchentisch benutzen?)

 

 

Wie der Name schon sagt, besteht dieses Deck aber nicht nur aus starken Einzelkämpfern, sondern enthält auch einige Synergien. Raufbold Gideon beschützt den Streber Jace so gut, dass die zwei den Spitznamen Superfriends verpasst bekommen haben. Wall of Omens erkauft Zeit gegen Aggro und verleitet den Gegner zum Overextenden, was Day of Judgment dann eiskalt bestraft. Wenn man eher mit manahungrigen Kontrahenten rechnet, kann man auch Spreading Seas darüber spielen, um die Wirkung der Tectonic Edges zu verstärken. Frost Titan rechtfertigt seinen Platz über Baneslayer Angel drei und vier über den Blaucount, der mit 17 knapp über der alten Faustregel von mindestens 16 blaue Karten für Force of Will liegt.
Hier wird einer der wenigen Schwachpunkte des Decks deutlich. Man hat zwar lauter gute Mitarbeiter, aber nur begrenzt Einfluss darauf, ob auch die zur Arbeit erscheinen, welche man gerade braucht. Eine Hand, die erst im vierten Zug den ersten Spruch castet, ist in diesem Format ein sicherer Mulligan. Brainstorm entfaltet mit nur 4 Misch- bzw. Scry-Effekten nicht sein volles Potential. Oft muss man unnötige Karten oben auf der Bibliothek liegen lassen. Gegen Landdestruction besteht die reelle Gefahr, die eigene Überlegenheit nicht aufs Feld bringen zu können. Diese Beschwerden fallen aber alle in die Kategorie "Jammern auf hohem Niveau". Die Superfriends schnüren ein rundes Paket aus einem starken eigenen Gameplan und einer vielseitigen Rundumverteidigung, die sehr schwer zu knacken ist. Eventuell sogar so schwer, dass man nochmal über ein Banning von Jace diskutieren könnte.

 

Monorot bringt den Tod

 

Aus dem blauweißen Bunker fahren wir auf die Überholspur und geben Vollgas. Zum grundsätzlichen Plan von Hauen und Brennen muss ich wohl nicht viele Worte verlieren. Allerdings hat dieser Vertreter der Roten Armee darüber hinaus ein paar Kniffe im Angebot, woraus sich auch die Entscheidung für den Pool aus Mirrodin, Time Spiral und 5th Edition ergibt.

 

Deck: Ankh Sligh (Mirrodin + Time Spiral + 5th)

 

Die ganze Beschleunigung sieht erstmal nach einer Menge Kartennachteil aus. Damit bringt aber nicht nur die Raiders auf Touren, sondern kitzelt auch das Maximum aus Ankh of Mishra heraus. Im ersten Zug gelegt, drückt der Ankh sechs bis zehn Schaden rein (Doppelschock gegen Fetchies nicht mitgerechnet). Magus of the Moon nimmt sich die gierigen Decks vor. Bei meiner ersten Begegnung mit dem Magus hat er kurzerhand First Turn die Gotthand meines 5Color-Goodstuffs mit Survival, Kitchen Finks, Cryptic Command zum Teufel gejagt. Gegen einfarbige Decks bringt er es leider nur auf das Powerlevel eines Gray Ogre. Besonders schlecht sieht es gegen White Wheenie aus, da kommt zur Nutzlosigkeit der eigenen Karten noch die Protection from Red beim Gegner dazu.

 

Technischer Hinweis: Wer sich an die offizielle Banned-Liste halten möchte, tauscht Great Furnace gegen Blinkmoth Nexus aus.

 

Prince Charming

 

Zum Schluss möchte ich euch noch an meinem aktuellen Projekt teilhaben lassen. Genauso wie die Legacy-Crowd habe ich mich nach dem Release von Khans of Tarkir auf Monastery Swiftspear und Treasure Cruise gestürzt und versucht damit eine blaurote Aggroliste zu bauen. Eigentlich ein Handicap, den neuesten Block zu benutzen, solange noch nicht alle Editionen davon erschienen sind. Aber in diesem Fall habe ich festgestellt, dass es auch mit Khans alleine geht, wenn man alle Jeskai-Farben mit an Bord holt. Die beiden Expansions könnten das ganze eventuell dann noch veredeln (Nachtrag: Kam da noch irgendwas? Habe es jetzt nicht mehr recherchiert.)
Unsere Marschroute ist 1. Anrennen, 2. Wegbrennen und 3. falls noch jemand zuckt, Nachladen. Wir benötigen also reichlich Burn, Cantrips und Fetchies als Futter für den Mönch und für den Cruise. Damit wir alles verlässlich casten können, brauchen wir außerdem eine verlässliche Manabase. Das stabilste Mana bekommt man, wenn man Fetchies mit Shockduals kombiniert. Allerdings beginnt man das Spiel dann auch eher bei 15 als auf 20 Leben. Das funktioniert nur, wenn man selbst immer die Rolle des Angreifers übernimmt. Dafür liefert Return to Ravnica Blistercoil Weird als Bravour-One-Drop fünf bist acht für den schnellen Start und Boros Charm für Vier-ins-Gesicht. Seeker of the Way holt verlorenes Leben zurück, sodass wir aggressiv fetchen können. Izzet Charm ist das Taschenmesser im Deck und sollte man mal nur Grütze ziehen, gräbt es nach dem rettenden Treasure Cruise. Das kriegt man in der Regel bis Turn vier oder fünf online. Die vielen Cantrips verhindern ebenfalls, dass der Treibstoff ausgeht und reduzieren die Zahl an benötigten Ländern. Bleibt noch die Frage nach dem Basisset. Ob M10 mit Ponder und Lightning Bolt oder M14 mit Shock und Young Pyromancer dem Deck mehr hilft, konnte ich noch nicht abschließend beantworten. Um euch keine halbe Liste zu präsentieren, habe ich mich jetzt willkürlich für M10 und mehr Reichweite entschieden.

 

Deck: Prince Charming V1.0 (Return to Ravnica + Khans of Tarkir + M10)

 

Der große Praxistest steht noch aus, aber ich erwarte, dass man Kontrolle man mit guten Chancen einfach über den Haufen fährt oder in Runde zwei mit Kartenvorteil schlägt. Im Fast Aggro-Mirror ist man mit dem Burn gut bestückt und hat vermutlich auch den längeren Atem. Nur in die Defensive sollte man sich nie drängen lassen. Combo kann man eventuell racen oder auf Needle und Rest in Peace aus dem Sideboard zurückgreifen. Kitchen Finks into Siege Rhino ist wohl das Horrorszenario für dieses Deck.

 

Bevor wir in den Sonnenuntergang reiten

 

Ich habe versucht, euch einen Einblick in dieses weithin unbekannte Casualformat zu verschaffen und ein bisschen meine Begeisterung dafür mit euch zu teilen. Seit dem Auftauchen von Modern schlummert leider das vorher durchaus vorhandene Interesse an alternativen Spielideen, die die große Lücke zwischen Legacy und Standard überbrücken. Da aber auch Modern und Standard immer mehr auseinander driften, wird dieses Thema in Zukunft vermutlich wieder mehr Beachtung finden. Vielleicht hilft es ja, dass seit diesem Jahr mit CYOS (und anderen Casualvarianten) sanktionierte FNM-Turniere veranstaltet werden dürfen. Mich würde es freuen.

 

Mindestens genauso würde es mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung zu meinem ersten Artikel mitteilt. Was haltet ihr von CYOS? Würdet ihr gerne auch etwas über andere Casualformate lesen? Hinterlasst mir einfach einen Kommentar ;)






Noch nie von Magic Universe gehört. Interessant. Gibt's zu dem Thema noch mehr Infos?
Deinen Blogeintrag les ich mir gleich durch; wollte das nur schonmal loswerden. :>

Bin mir nicht ganz sicher, ob ich richtig verstehe, was du meinst. Mehr Infos zu Magicuniverse?

this is no wall of Text.

it's an fortress of Text!

 

ich kommentiere nochmal in zwei Tagen, wenn ich es durch habe ;)

Jauu, und vielen vielen Dank für diesen Artikel, den dieses Format kannte ich bisher noch garnicht! 

Für mich als Wiedereinsteiger ist der Modern Kartenpool einfach zu groß (und teuer) und diese alternative wäre für mich durchaus gut zu handhaben! So könnte ich mit Urzas Saga und Khans of Tarkir Block tatsächlich 2 Blöcke nutzen die ich sehr gut kenne und das Jahrzent dazwischen einfach mal ignorieren.

Das ganze ist ja gut und schön und ich würde das auch mal ausprobieren aber wenn es eh keiner zockt, macht es auch keinen Sinn es selber anzufangen. Das Format sollte einfach Modern ersetzen, dann wäre die Welt wohl eine bessere :)

 

PS. WTF Magicuniverse ist weg? oO Echt schade. 

Noch nie von Magic Universe gehört. Interessant. Gibt's zu dem Thema noch mehr Infos?
Deinen Blogeintrag les ich mir gleich durch; wollte das nur schonmal loswerden. :>

 

Bei Magic Universe gabs immer Draften mit Charlie! Dass du das nicht kennst Nicki! Unglaublich!

Ich meine, du hattest CYOS schonmal hier vorgestellt, aber es ist natürlich trotzdem nett von dir, dass du den dicken Artikel hier auch nochmal reinlädst.

Finde das Format super, es erfordert aber schon ziemlich viel Zeit, ein optimales Deck zu ertüfteln, da man eben alle relevanten Editionen gegeneinander abwägen muss.

 

Ein Aspekt, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich ihn gut oder schlecht finden soll ist, dass ein Deck das erstmal fertig ist nie wieder Veränderung erfahren wird. Natürlich gibt es ein paar Konkurenten auf diesem oder jenem Platz und mann muss vielleicht auf Tendenzen reagieren. Aber: Neu erscheinende Karten wird man wohl niemals in sein Deck integrieren können (mal abgesehen von dem Fall, dass eine eierlegende Wollmilchsauedition rauskommt).

Wenn man sich erstmal sicher ist mit seinen Choices, kann man das Deck in Stein meißeln, man kann es gefahrlos ausfoilen; aber man wird nie in den Genuss von frischem Wind kommen. Kannst du davon berichten? Bist du glücklich damit? Muss man dann einfach zig Decks parat haben?

 

Außerdem: Ich hätte den Blog in zwei Teile aufgeteilt und erstmal bis inklusive der Bannings erklärt, um was es geht. Und dann erst Meta und Beispiele hinterhergeworfen. Das ist echt arg viel. Wie lange hast du daran gesessen?

Das ganze ist ja gut und schön und ich würde das auch mal ausprobieren aber wenn es eh keiner zockt, macht es auch keinen Sinn es selber anzufangen. Das Format sollte einfach Modern ersetzen, dann wäre die Welt wohl eine bessere :)

 

Es fällt mir immer schwer zu verstehen, warum so viele Leute davon abgeschreckt sind, einfach mal was auszuprobieren. Zum CYOS-Zocken auf Casual oder FNM-Niveau braucht es kein großes Commitment. Einfach mal nen Kumpel zum Zocken schnappen oder ein 8 Mann-FNM anleihern. Alte Pet-Karten, die zu schade zum Wegwerfen waren und zu schlecht zum ernsthaften Zocken sind, hat doch fast jeder irgendwo rumfliegen. Und wenns keinen Spaß macht, so what. Dann wandert die Pappe halt wieder zurück in Ordner/Crapkiste/Turnierdeck.

 

Ich meine, du hattest CYOS schonmal hier vorgestellt, aber es ist natürlich trotzdem nett von dir, dass du den dicken Artikel hier auch nochmal reinlädst.

Finde das Format super, es erfordert aber schon ziemlich viel Zeit, ein optimales Deck zu ertüfteln, da man eben alle relevanten Editionen gegeneinander abwägen muss.

 

Ein Aspekt, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich ihn gut oder schlecht finden soll ist, dass ein Deck das erstmal fertig ist nie wieder Veränderung erfahren wird. Natürlich gibt es ein paar Konkurenten auf diesem oder jenem Platz und mann muss vielleicht auf Tendenzen reagieren. Aber: Neu erscheinende Karten wird man wohl niemals in sein Deck integrieren können (mal abgesehen von dem Fall, dass eine eierlegende Wollmilchsauedition rauskommt).

Wenn man sich erstmal sicher ist mit seinen Choices, kann man das Deck in Stein meißeln, man kann es gefahrlos ausfoilen; aber man wird nie in den Genuss von frischem Wind kommen. Kannst du davon berichten? Bist du glücklich damit? Muss man dann einfach zig Decks parat haben?

 

Außerdem: Ich hätte den Blog in zwei Teile aufgeteilt und erstmal bis inklusive der Bannings erklärt, um was es geht. Und dann erst Meta und Beispiele hinterhergeworfen. Das ist echt arg viel. Wie lange hast du daran gesessen?

 

Ein Split wäre für den Blog keine schlechte Idee gewesen, da geb ich dir recht. Hab ich nicht dran gedacht. Wie lang ich genau am Artikel gesessen habe, weiß ich nicht mehr. Das Schreiben hat schon mehrere Abende verschlungen. Aber es gab auch ne kleine Aufwandsentschädigung von Magicuniverse.

 

Was die Decks angeht, hast du einige gute Beobachtungen gemacht. CYOS ist ganz klar ein Petdeck-Format. Wenn mir ein Deck ans Herz gewachsen ist, muss ich es nicht mehr ändern (und kann es, wenn man überzeugt oder verrückt genug ist, auch einfoilen :D). Neue Karten in bestehende Decks einbauen heißt natürlich, einen ganzen Block oder das Basis Set austauschen. Wie wahrscheinlich das ist, hängt sehr stark von der einzelnen Liste ab. Madness oder Faeries z.B. sind im Kern Blockdecks (Odyssey bzw. Lorwyn), bei denen man die Beilage sehr gut wechseln kann, wenn was Leckereres auf den Tisch kommt. Manchmal hat man einen Slot auch nur für eine bestimmte Karte blockiert und dann kommt ein Reprint, eine Alternative oder sogar ein Upgrade, das neue Möglichkeiten eröffnet (wie bei meinem Bantageddon, in dem vor Tarkir Onslaught exklusiv die Fetchies lieferte). Abgesehen davon sind neue Releases aus CYOS-Sicht aber immer spannend, weil sich komplette neue Decks ergeben, Reprints alte Karten besser verfügbar machen und ich den Standardspielern jetzt für nen Apfel und ein Ei ihren Theros-Kram abkaufen kann ;)

 

Ob man sich mit einem gleichbleibenden Petdeck auf Dauer langweilt, kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen, weil ich noch nie in der Situation war. Wenn man in der gleichen Gruppe immer die gleichen Decks spielt, vielleicht. Wenn nur einer was Neues mitbringt, siehts schon anders aus, weil man ausprobieren kann wie sich die eigene Idee dagegen schlägt. Und da mir Deckbasteln mit am meisten Spaß macht, tüftele ich ständig an neuen Listen (meistens erstmal auf Cockatrice). Was spaßig aussieht, schaffe ich mir dann in Echt zum Spielen an. Der Plan geht nicht immer auf, einige Haufen habe ich auch wieder zerlegt. Merfolk Opposition wurde zu t€u€r für zu wenig Fun und ich hab die Fische lieber verkauft. Tooth and Nail war einfach stumpf. Trotzdem habe ich mittlerweile eine Sammlung von 15-20 spielfertigen Decks. Darunter einige goldrandige Weltmeisterdecks, die ich für kleines Geld gekauft und dann für CYOS aufgebohrt habe (btw da könnte ich mal drüber bloggen, die Teile haben eine extrem gute Unterhaltung/Kosten-Relation). Im Zweifelsfall kann ich also auch alleine genug Spielmaterial für einen unterhaltsamen Kneipen-Karten-Abend aus dem Rucksack zaubern. :)

Es fällt mir immer schwer zu verstehen, warum so viele Leute davon abgeschreckt sind, einfach mal was auszuprobieren. Zum CYOS-Zocken auf Casual oder FNM-Niveau braucht es kein großes Commitment. Einfach mal nen Kumpel zum Zocken schnappen oder ein 8 Mann-FNM anleihern. Alte Pet-Karten, die zu schade zum Wegwerfen waren und zu schlecht zum ernsthaften Zocken sind, hat doch fast jeder irgendwo rumfliegen. Und wenns keinen Spaß macht, so what. Dann wandert die Pappe halt wieder zurück in Ordner/Crapkiste/Turnierdeck.
 

 

 

Du verstehst mich falsch, ich probiere sehr wohl gerne neues aus, aber dazu müsste ich auch erst mal genug andere Leute überzeugen. 

Als ich damals mit Commander angefangen habe, gab es gar nichts in der Nähe. Jeder hat normales Highlander gezockt also musste ich mir zwei Freunde schnappen und mit denen die Commanderdecks kaufen. Recht schnell stellten wir fest, dass Multiplayer suckt also haben wir nur 1 on 1 Matches gemacht. Da es sonst niemanden in der Nähe gab, der Dual Commander spielte hatten wir 1 1/2 Jahre lang immer wieder die gleichen Matchups, jeder hatte ja sein Deck und irgendwann kennt man die Matchups auswendig. Selbst in diesem Singleton Format. Und jede Woche ein neues Deck zusammenbauen ist auch nicht drin. 

Irgendwann ödete uns das so sehr an, dass wir überlegten die Decks einfach aufzulösen bis plötzlich mehr Leute in der Umgebung anfingen, das Format zu spielen. Bei BYOS geht es erstens viel schneller, bis man die Decks auswendig kennt und zweitens dürfte es noch viel unwahrscheinlicher sein, andere zu finden die das Format zu zocken, da es auch nicht von WotC supportet wird. Natürlich könnte ich mir die Arbeit machen und mühevoll eine Handvoll Spieler überzeugen und eine kleine Community aufbauen, aber das ist es mir dann am Ende doch nicht wert. 


Also wenn mich jemand fragen sollte ob ich Bock auf das Format hätte und direkt eine Community mit bringt, würde ich gerne direkt einsteigen aber so sehe ich für mich den Sinn leider nicht.
 

Ich selber hätte sogar sicherlich 1-2 Decks für das Format komplett (Eigentlich Casualdecks die ich aber sicher entsprechend umbauen könnte, dass die ins Format passen) aber auch bei diesen Casualdecks finde ich einfach niemanden mit dem ich zocken kann, weshalb ich auch schon am überlegen bin es einfach aufzulösen, alleine schon wegen den ganzen Moneyfoils die drin sind. (Playset Twilight Mire unter anderem) Das steht in keinem Verhältnis zu dem Spaß den es mir alle 2 Monate mal bringt.

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