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Upkeep - Trigger Delver. (20 Jahre, Part 2)

Geschrieben von The Beast, 22. Oktober 2019 · 2.093 Aufrufe

Willkommen zum zweiten Teil meiner über 20-jährigen Reise (Teil 1 gibt's hier)!

 

Ich war stehen geblieben mit meinem geplanten Einstieg in Competitive Magic, genauer gesagt in Legacy. Wir hatten wie erwähnt alle noch alten Kram aus unseren Anfängen herumliegen den wir zocken wollten und uns daher so wenig wie möglich einschränken lassen in dem, was wir spielen dürften, daher fiel die Wahl eben auf genau dieses Format.
So standen wir also da, wissend was wir spielen würden und doch nicht, denn Legacy war und ist ein recht breit gefächertes Format und als Neuling ist man natürlich schnell überfordert von der Vielfalt und zugleich eingeschüchtert von den Kartenpreisen. Brauerei kam für mich zunächst einmal nicht in Frage, weil man meiner Meinung und Erfahrung nach erst anfangen sollte eigene Ideen zu verwirklichen, wenn man den Rahmen für diese Ideen kennt a.k.a. das Format verstanden hat.

 

Also wurde das Internet durchwühlt nach den verschiedensten Decks, wobei das Ziel war, ein einigermaßen günstiges Deck zu finden (wir wussten ja noch nicht mal, ob wir dauerhaft beim Format bleiben würden, daher lieber erstmal klein anfangen) welches trotzdem ganz gute Ergebnisse liefern könnte und irgendwie dem eigenen Stil entspricht.
Dabei stieß ich immer und immer wieder auf ein Wort, welches seit Jahren schon mit Heftigkeit und Unfairness einherging, was mich nach meiner Mono-Black-Storm-Phase sowie Academy natürlich hellhörig werden ließ. Ein wohl jedem Magic-Spieler bekanntes Wort, von dem aber keiner von uns vorher tatsächlich wusste, wie genau das darauf basierende Deck eigentlich funktionierte: Dredge.

 

Der Penner fleddert Leichen...

 

Mein erstes Legacy-Deck war daher ganz stumpf ebenjenes Dredge (ohne LEDs, letzteres gar nicht mal allein wegen des Preises, die LEDs standen zu der Zeit bei ~ 30,- € pro Stück, was locker stemmbar gewesen wäre, sondern weil ich bei meiner Recherche mehrfach darauf stieß, dass LEDs ab G2 i.d.R. rausgehen und man G1 auch oft genug ohne sie gewinnt - ich war quasi überzeugt davon, sie nicht zu brauchen ohne sie jemals getestet zu haben, im Nachhinein sicherlich ein Fehler, weil LEDs in dem Haufen wie ein Kanister Kerosin auf ein Lagerfeuer wirken :ugly:).
Nicht zuletzt wählte ich Dredge, weil ich endlich mal die "Freigabe" meiner Spielgruppe hatte, kranken Scheiß am Kartentisch auspacken zu dürfen. Ich hatte einfach absoluten Bock auf das Deck, weil es alles vereinte, was ich früher gern gebraut habe: Es ist schnell, es "zieht" (viel zu) viele Karten, es spielt bescheuerte Mechaniken und obendrein kotzen viele Leute dagegen ab - ich ging also wieder zum Glasbläser meines Vertrauens und bestellte mir eine Kanone. Nicht außer Acht lassen darf man zudem den Fakt, dass Dredge nach Möglichkeit nicht groß mit dem Gegner interagieren möchte; das hat den Vorteil, dass man sich als Formatneuling primär mit dem eigenen Deck beschäftigen kann und weniger aufgrund falscher/schlechter Interaktionen Spiele aus der Hand gibt, weil man das gegnerische Deck nicht kennt.

 

Mir war von Start weg klar, dass Dredge für mich kein Deck auf Dauer sein würde, aber es würde mir ermöglichen, Legacy kennenzulernen, dabei meinen akuten Bock auf absurde Plays auszuleben und vorallem zu schauen, was die anderen so spielen und welches Deck ich mir mittelfristig zusammenbauen will. Ulli entschied sich aus ähnlich bockgeladenen Motiven heraus, Mono Black Pox spielen zu wollen - was in den Test-Games gegen mich eigentlich immer zu sehr amüsanten Situationen führte, jedenfalls für einen der Beteiligten:
"Smallpox!" - "Ok, ich opfere ein Land, welches ich eh nicht mehr brauche, dazu die Möbe, kriege dafür allerdings noch 2 Zombies aus meinen Brücken, discarde den Grave Troll und habe somit Threshold für mein Coliseum plus gratis den Dredger für 6 im Grave."
Spaß für alle! :lol:

 

So testeten wir (bzw. so vernichtete ich ihn ein ums andere Mal) und trauten uns schließlich auf unser erstes Legacy-Turnier im Herzen Lübecks; das war nicht sonderlich groß (knapp 20 Leute oder so), erfüllte aber voll und ganz seinen Zweck, einfach mal mit anderen Leuten spielen zu können und ein bisschen mehr vom Format zu sehen als unsere jeweiligen Decks. Verdienterweise gelangte ich am Ende direkt mal auf den zweiten Platz, was natürlich ausschließlich an meiner unzweifelhaften Expertise in Sachen Deck und Format lag.
Bei der Gelegenheit lernte ich auch Christoph und Daniel kennen, welche ebenfalls Formatfrischlinge waren und beide zu treuen Begleitern auf meiner bzw. unserer gemeinsamen Odyssee werden sollten. Ganz nebenbei lieferte ich mir mit Daniel auch direkt mal das erste "Duell zum Vergessen" meiner noch jungen Karriere; er spielte Painter und wir hatten beide überhaupt keinen Plan vom Deck des jeweils anderen und haben uns in Sachen dumme Misplays mehrfach gegenseitig überboten. Grind Stone ohne Painter gegen Dredge aktivieren ist ziemlich sicher kein Königs-Move, Therapy auf Combo-Piece bei liegendem Welder allerdings auch nicht. :hammer: Leider sind mir die weiteren Details entfallen; am Ende konnte ich jedenfalls knapp durch einen hardgecasteten Imp oder 'ne Möbe oder so gewinnen. Eine absolute Sternstunde der Noobs! :D

 

Ich lernte aber auch direkt die Schattenseiten des Decks kennen wie die Hilflosigkeit, wenn der Gegner dann doch mal den Overload an Hate hat. Auch die geringe Interaktivität mit dem Gegner wird schnell zum Bumerang, weil man so zwar gerne mal gewinnt indem man den Gegner maximal überfährt, dafür aber das Format nicht wirklich gut kennenlernen kann. Dredge wurde noch ein paar mal bemüht, es sollte aber dennoch so bald wie möglich ein neues "richtiges" Deck her...

 

Mein Fazit zu dem Deck: Ich bin der Meinung, jeder ambitionierte Spieler sollte dieses Deck mal gespielt haben. Ich habe mich vor meinem Einstieg ins Legacy für einen recht guten Spieler gehalten sowie sehr regelkundig. Dredge hat mir gezeigt, wie falsch ich in beiden Punkten gelegen habe. Das Deck fordert für gutes Spiel fulminante Kenntnisse in Sachen Trigger, Replacement Effects und Stack und man kann unheimlich viel verbauern. Man muss wirklich sehr sauber spielen und kommunizieren (insbesondere auf REL: Competitive); man muss seine Trigger richtig stacken, muss gegen Hate gute Lines finden, muss seinen Grave (und im Legacy zusätzlich auch noch die Graveorder!) auf dem Schirm haben; man wird aus allen alten Mustern gerissen (Untap -> Draw) und lernt, bedeutend aufmerksamer und fokussierter zu spielen.

 

Ich weiß um den schlechten Ruf des Decks, meiner Ansicht nach hat es ihn absolut zu Unrecht, es verlangt einem als Spieler gerade zu Beginn viel ab und wenn man mal die meisten G1-Massakrierungen außen vor lässt hat man sehr viele sehr interessante Spiele nach dem Boarden. Ich kann nur sagen, Dredge hat mich zu einem bedeutend besseren Spieler gemacht.

 

Schwarz-Rot-Grün, die ungewollte erste Liebe

 

Zurück zum neuen Deck: Dieses neue Deck sollte nach ein wenig Recherche und Auseinandersetzen mit der Materie dann Canadian Threshold a.k.a. RUG Delver werden. Das Deck bestach mich durch seine gradlinige Strategie, die recht geringe Varianz, die sehr ausgewogenen Matchups, ... nur leider aber nicht durch den Preis. Obwohl ich durchaus bereit war, mich von allem überflüssigen Ballast wie z.B. je einem Playset aller Shocklands etc. zu befreien, war klar, dass ich Canadian Threshold nicht direkt aus einem Guss würde bezahlen können.

 

Ich brauchte also einen neuen Plan und so sondierte ich meinen Kartenpool sowie Schnittmengen mit dem Wunschdeck bei dem was noch fehlte. Mein Kartenpool beinhaltete ein paar Verdant Catacombs sowie 4 Deathrite Shaman, 4 Dark Confidant und jede Menge Kleinkram, unter anderem diverse Bloodbraid Elf. Tarmogoyf und Wasteland würde ich ohnehin im Playset brauchen und Karten wie Bayou, Badlands oder Taiga wären ja wohl sehr wertstabil, sodass sie eher als durchlaufende Posten gesehen wurden, entsprechend war der Entschluss schnell gereift, dass ich über (Punishing) Jund zu Canadian gelangen würde. Duals könnte mir erstmal jemand aus der Gruppe leihen und die Wastelands waren recht schnell eingetütet, jegliche Versuche einer Budget-Alternative zum Tarmogoyf hingegen trugen keine Früchte (Sheltering Ancient ist halt einfach nicht sooo geil) - also begann ich, Goyfs zu jagen.

 

Angefixt durch das bedeutend coolere damals noch brandneue Artwork kaufte ich in einem Anflug von akutem Bock in einer Mittagspause ein Display Modern Masters für glatte 200,- € (der Store wollte ursprünglich 220,- € haben und ich war unschlüssig und sagte dann eher im Scherz "Für 200,- glatt nehme ich's mit", woraufhin der Verkäufer den Deckel drauf machte und mich damit Schachmatt setzte, Wort zu halten), bereute diesen Spontankauf allerdings bereits nach Feierabend auf dem Heimweg, weil es trotz des guten Preises natürlich ein Gambling blieb und die 200,- € auch einfach mal verbrannt sein könnten, wenn ich reihenweise Rude Awakening und Molten Disaster aufmachen würde...
Zuhause dann ein wenig nervös die Booster aufgemacht und mega lucky bereits nach nicht mal Hälfte des Displays über 100,- an Value geöffnet, als ich dann den erhofften Goyf rauszog (Goyf war zu der Zeit auf grob 100,- € pro Stück). Guter Deal also bereits zur ersten Halbzeit; das weitere Display knüpfte nahtlos an die ersten 50% an und so deckten die Verkäufe des Inhalts recht schnell 2 weitere Goyfs alleine ab und durch die Umwälzung meines sonstigen Bestandes war Projekt Jund in Anbetracht des doch recht stolzen Preises ziemlich schnell eingesleeved, die passenden Duals gab's dann auch noch oben drauf um nicht ständig auf Leihgaben angewiesen zu sein.

 

Ich lernte das Deck spielen und vorallem lernte ich das Deck lieben; es erzwang sehr viel Interaktion, es hatte viele Möglichkeiten, mit verschiedenen Strategien umzugehen und belohnte gute Plays. Ich spielte diverse kleinere Turniere damit, anfangs natürlich nach dem glorreichen Start zuvor mit Dredge ein wenig ernüchtert von den Ergebnissen, weil ich ja gezwungen war, zu interagieren und entsprechend in jedes noch so offene Messer meiner Gegner hinein rannte, was sich eben auch in den Resultaten wiederspiegelte. Hinfallen, aufstehen, weitermachen, wieder hinfallen... aber es ging voran, die Ergebnisse wurden schrittweise besser, auch wenn immer mal wieder ein Rückschlag erfolgte, die Spielfehler wurden weniger und mein Umgang mit dem Deck wurde immer besser, sodass ich mich auf das erste größere Turnier seit meiner Jugend wagte und in Flensburg beim allerersten Eternal Clash immerhin einen respektablen 12. Platz von 60 Teilnehmern einheimsen konnte und als Trostpreis ein T-Shirt gewann, während die Top 11 Kartenpreise bekamen (warum auch immer Top 11 :rolleyes: ). Auch hier traf ich zum Schluss wieder auf Daniel, welcher gewann und mich so aus den "echten" Preisen kegelte. :rage:

 

Es war gerade die Treasure Cruise / Dig Through Time Ära und er spielte UR Delver mit Cruise, welches einer der Gründe war, warum Jund immer schlechter wurde: Man konnte Aggro- und Tempo-Decks nicht mehr ausgrinden weil diese einfach 4 Ancestral Recall-Effekte spielten und somit Nachschub hatten nachdem die Hand runtergebrannt war. Combo-Decks wurden ebenfalls stabiler und somit besser und vorallem gab es immer mehr davon während die guten MUs wie D'n'T immer seltener wurden. Ich versuchte erst noch, Jund anzupassen; ich mochte und mag das Deck echt gerne, aber ich besann mich nach weiteren Fehlschlägen schließlich wieder darauf, dass es von Anfang an als Übergangsdeck geplant gewesen ist und ich hatte zwischenzeitlich ein wenig Geld angespart, um den angedachten Weg weiterzugehen.

 

Der blaue Weg

 

Ich hatte also die Wastelands, Goyfs und den ganzen Kleinkram beisammen, fehlten noch je 3 Tropicals und Volcanics, passende Fetches sowie die Forces. Duals alleine brächten mich nicht voran, Forces, Flusterstorms und Fetches hingegen waren im unmittelbaren Budget und eröffneten mir tolle blaue Übergangsdecks wie... Spiral Tide!
Meine Fresse war das Deck zu spielen ein Albtraum! :D Ich war nach 3 Matches mit dem Haufen bereits durch mit der Schicht wie nach einem Eimer Sangria in der Sonne. Aber ich konnte mir den Core eben gerade so leisten und währenddessen anfangen, den Jund-Pool zu Geld zu machen für die blauen Duals.

 

Außerdem zerschredderte das Deck nicht nur mein eigenes Hirn, wie ich in einer Test-Session mit Christoph herausfand, der gerade dabei war, Storm zu lernen: Er wollte die Küste klären für seinen Combo-Turn, also spielte er Cabal Therapy auf mich, weil er wusste, dass ich noch mindestens eine Force auf der Hand hatte. Ich reagierte geistesgegenwärtig und mega souverän mit Swan Song. Er gab ab und anschließend ging ich in meinem Turn in die Combo und er starb den Decktod und präsentierte mir den Kill auf seiner Hand, brauchte aber zwingend Discard gegen meine ihm bekannte Force. Dann guckten wir auf den Schwan-Token, anschließend auf die Therapy in seinem Grave und wieder auf den Schwan.
Anstatt die Therapy auf Force durchzulassen und den Song als Backup gegen seine Combo zu keepen, counterte ich also seinen Discard und schenkte ihm dabei den Vogel a.k.a. alles für den zweiten Versuch. Und anstatt die 2 geschenkten Storm-Trigger anzunehmen und mir den Vogel in Form einer Flashback-Therapy an den Kopf zu werfen und anschließend umzucomboen ließ Christoph mir lieber den Vortritt. Profis am Werk! :D

 

Obwohl ich an sich schon Spaß mit High Tide hatte, erlebte das Deck nur ein einziges Turnier, bevor ich durch aggressives Verkaufen meiner Jund-Karten (2 Chains of Mephistopheles, Playset Grove of the Burnwillows zu deren Glanzzeiten und je 2 Bayous und Badlands gingen vergleichsweise günstig über den Tresen) schnell 3 Volcanic Island + X zusammenhatte und so kurz davor stand, mit selbst UR Delver zu debütieren. Praktischerweise hatte ich es kaum fertig und noch nicht ein mal im Einsatz, als auch schon Treasure Cruise den verdienten Bann kassierte. 8[
Aber ich war nun nah dran und so stemmte ich Anfang 2015 die fehlenden 1,5 Tropicals auch noch und konnte so eines Nachmittags endlich Canadian Threshold mein Eigen nennen. Nach über einem Jahr die letzte Karte für das lang ersehnte Deck einsleeven... fühlte sich verdammt gut an! ;)

 

Die endgültige Ankunft im Format

 

Seitdem spielte und spiele ich eigentlich durchgehend Delver in irgendeiner Farbkombi und Ausrichtung, am liebsten nach wie vor auf kanadische Weise. Ich will hier auch gar nicht weiter auf die Vorzüge und Feinheiten des Archetypes eingehen, glaube die letzten Passagen waren schon genug Deck-Tech für diesen Blog.
Ich konnte jedenfalls die erlangten Erkenntnisse mit Jund wunderbar auf mein Spiel mit Delver übertragen, weil ich inzwischen einen Großteil der gängigen Decks des Formats kannte und sie vorallem auch in den ersten Turns erkannte. Ich konnte somit sehr nah am Gameplan des Gegners agieren und dadurch eine gefühlt enorm hohe Interaktivität mit meinem Gegenüber schaffen. Diese ist zwar real sehr einseitig, weil meist nur ich auf die Plays des Gegners reagiere und besagter Gegner eigentlich nur dasitzt und hofft, dass sein Kram resolven darf bzw. er meine Counter wiederum countern kann - aber das ändert wenig daran, dass viele Karten gegeneinander abgetauscht werden und sich Spiele mit Delver oftmals ziemlich interaktiv und skillig anfühlen, auch wenn's manchmal nicht viel mehr ist als "Upkeep - Trigger Delver". ;)

 

Ich beging mein Turnierdebüt mit Canadian direkt in Flensburg beim nächsten Eternal Clash und es lieferte auch umgehend einen soliden Platz 10 von ~70 Spielern. Mein Win and In in der 6. Swiss-Runde fuhr ich gegen MUD (Artefakt-Prison für die, die es nicht kennen) an die Wand, aber allein umgehend so weit zu kommen überhaupt ein Win and In zu haben war schon mehr als der Erwartungswert. Außerdem durfte ich in der letzten Runde Swiss anschließend noch Rache an Daniel für den ersten Clash üben. :D
Allgemein begann ich hier so langsam meinen "Flensburger Fluch" zu realisieren, denn das X-2 mit unzureichenden Tie-Breakern sollte ein sehr beständiger Begleiter für viele meiner Clash-Teilnahmen werden; ich kratzte oftmals an den Top 8 doch habe sie bis heute in Flensburg nie erreichen können. Eines Tages wird es soweit sein... und ich werde diesen Tag gebührend mit einem Faxe aus der Literbüchse zelebrieren! :hammer:

 

Generell pendelten wir mal in kleinerer und mal in größerer Truppenstärke quer durch den Norden. Kiel, Lübeck, Flensburg, Hamburg hießen die regelmäßigen Stationen, von denen leider meine Heimat Lübeck als erstes quasi ausgestorben ist was das Angebot an Legacy anging und Kiel bald darauf folgte, dafür ist Hamburg regelrecht aufgeblüht (viele Ex-Kieler hat es dorthin gezogen) und der Clash in Flensburg ist nach wie vor ein grob vierteljährliches Highlight im norddeutschen Terminkalender.

 

Der Kartenpool wuchs nach und nach weiter und gezockt wurde wie erwähnt zumeist Delver in allen Formen und Farben. Team America (BUG), Patriot (UWR), Canadian (RUG), 4-Color (BURG) oder auch mal nur UR. Nach diversen guten bis sehr guten Runs mit "richtigen Decks" in den kleinen Events wurde dann auch in unserer Spielgruppe kollektiv zunehmend irgendwelcher Quatsch zusammengebraut wenn es mal wieder nach Kiel oder Hamburg zum Zocken ging.
Esper Mentor, 4-Colour PyroMentor, Tin Fins (wobei ich das Deck echt liebgewonnen habe :D), Tarmoburn (Burn mit {G} Splash für Goyfs) oder Burn mit Schmelzofen waren nur einige der umgesetzten Schnapsideen, die wir auf TC-Decks veröffentlicht sehen wollten. Meist ist's zum Glück beim frommen Wunsch geblieben...

 

Immer wenn es um die Wurst ging wurden wir jedoch schlagartig wieder ernst und ambitioniert und packten unsere vernünftigen Decks aus. Und nach ein wenig Austoben mit unterschiedlichen Brauereien sowie guten Records mit guten Decks packte mich irgendwann der Ehrgeiz: Wenn schlechte Decks schlechte Results liefern und gute Decks gute Results, was liefert denn dann das beste Deck? Richtig!

 

Das beste Deck hörte damals auf den Namen Miracles und nach den Duals für Canadian sowie USeas fühlte sich die Anschaffung vom Miracles-Pool ziemlich geschmeidig an. Ich hatte das Deck recht schnell beisammen und eingesleeved und nahm es jede Woche mit zur Testrunde... um dann doch lieber was anderes zu zocken. :lol:
Miracles war bei aller inhärenten Stärke spielerisch einfach überhaupt nicht mein Fall. Bisschen abwartend zocken ist ja ok, aber hier hatte ich das Gefühl, den Gegner oftmals zu Tode glotzen zu müssen. Also spielte ich super schlechte Lines, wenn ich das Deck mal spielte. T3 Mentor, Ahoi! T4 Jace slammen? Nichts leichter als das! Natürlich war nichts davon auch nur im Ansatz gut aber mein Delver-verseuchtes Hirn befahl mir weiterhin, den schnellen Threat zu legen und ab dann den Boardstate zu verwalten. Das beste Deck ist folgerichtig auch nur das beste Deck, wenn man bestmöglich bedient, was mir aber zutiefst widerstrebte, weil bestmögliche Bedienung in dem Fall rumsitzen und Schimmel ansetzen bedeutete.

 

Entsprechend wurde Miracles ohne jemals Turnierluft in meiner Hand schnuppern zu dürfen wieder zu Geld gemacht und das Geld wiederum wurde zum neuesten heißen Scheiß gemacht: Colorless Eldrazi Stompy. Hirn aus, Smasher an. :ugly:
Das Deck war so geil wie es stumpf war. Ich hatte häufig Free-Wins durch 'ne frühe Chalice, ich hatte auch häufig krasse Topdecks, die ein knappes Game rumreißen konnten. Vor allen Dingen aber hatte ich dadurch, dass ich es selbst als Zweitdeck spielte, sehr gute Kenntnis darüber, wie das Deck zu schlagen war, wenn es mal nicht die Nuts zog. Letzteres sollte noch wichtig werden wenn ich Herbst des Jahres bei einem großen Event 3 mal in Reihe auf diesen Archetyp treffen würde...

 

Nach und nach gewannen wir alle immer mehr und verloren immer weniger in unseren bekannten Gefilden, also wurde es zur logischen Konsequenz, unser Jagdrevier auszuweiten und sich auch mal über die Landesgrenzen hinaus zu bewegen.
So zog ich mit Daniel und Christoph im Frühling 2016 in die Schlacht nach Prag zum Eternal Weekend. Ich zockte Grixis Delver, Christoph war inzwischen ausreichend sattelfest mit Storm und Daniel spielte Canadian. Allesamt waren wir aber eher medium vorbereitet und zockten einfach um des Zockens Willen die Decks, die wir zuletzt auch in der Hand hatten.
Ums kurz zu machen - Daniel kassierte komplett, ich kassierte nach gutem 2-0-Start ebenfalls heftig (unter anderem von Tomáš Már) und Christoph kam in der finalen Swiss-Runde nicht über ein unintentional Draw hinaus, was ebenfalls nicht ganz für die Teilnahme an der Top-8 reichte.

 

Allerdings war das ganze Drumherum total cool, wir hatten zwar einen üblen Ranzschuppen als Hotel erwischt, dieser hatte aber eine richtig geile Sportsbar angeschlossen. Die Sprachbarriere war allerdings recht hoch, da wir kein Tschechisch sprachen und das Personal bestenfalls gebrochenes Englisch, sodass wir weder Informationen bekamen was es alles zu essen gäbe noch welche Biere empfehlenswert waren.
Beide Probleme lösten sich aber ziemlich einfach indem der Wirt uns einfach sagte, was wir essen würden ("Come from Germany? Then you like Schnitzel and Potatoes!") und uns blind auf die umfangreiche Bierkarte zeigen ließ und so verbrachten wir dort bei leckerem Bier und gutem Essen für kleines Geld die Abende, fachsimpelten über Magic und schauten Fussball oder tranken selbstgebrannten Kirsch-Schnaps mit dem Wirt.
Trotz des Mangels an Erfolg war's also eine enorm witzige Fahrt mit den beiden und wir beschlossen, das Ganze beizeiten mit möglichst vollständiger Mannschaft zu wiederholen.

 

15 Minuten Ruhm (oder: Der Grinder der nicht grinden wollte)

 

Im Sommer 2016 war's dann soweit, dass wir unseren ersten Auslands-Coup als große Gruppe planten und uns ausgiebig auf den Bazaar of Moxen in Paris vorbereiteten. Mein Deck der Wahl war erneut Grixis Delver, zu der Zeit noch mit Deathrite Shaman sowie Gitaxian Probe, einfach weil es damals das objektiv gesehen beste Delver-Deck war und generell sehr solide im Meta stand. Eigentlich stand mir der Sinn wie immer wenn ich Grixis zusammen hatte recht schnell wieder nach Canadian, aber mit Blick auf BoM blieb ich eisern und spielte quasi mit Scheuklappen Grixis rauf und runter und wieder rauf.
Ich zockte über Wochen keine anderen Karten, immer nur Grixis, Grixis, Grixis. Ich hatte irgendwann "meine" perfekte Liste zusammen (ok, ich habe einfach Noah Walker's Liste von damals kopiert und lediglich 2 oder 3 Slots verändert), ich kannte fast alle Matchups, kannte meine MVPs in diesen, meine zu spielende Rolle. Wenn ich nicht selbst im LGS oder bei privaten Testrunden Grixis zockte, schaute ich mir im Netz verschiedene Streams und Videos von Grixis-Piloten an, las Berichte, Guides und Threads auf einschlägigen Seiten oder ging meine Board-Slots und -Moves durch. Magic war ein wenig vom Hobby zur Besessenheit geworden, jedenfalls was dieses Deck anging.

 

Der große Tag rückte immer näher und ich widmete mich immer weiter dem Grixis-Grind... um irgendwann mit der traurigen Tatsache konfrontiert zu werden, dass wir gar nicht nach Paris fahren würden. Mangel an Geld, Zeit, Urlaub und/oder Vorhandensein von wütenden Frauen mit Nudelhölzern machten unserer tapferen Schar einen Strich durch die Rechnung, sodass der Roadtrip nach Frankreich letztlich nicht stattfinden konnte.
Als neues Ziel zu neuer Zeit machten wir dann einen Monat später die Danish Legacy Masters in Kopenhagen aus. Sehr gut, noch ein Monat mehr zum Grixis grinden. -_- Das Deck fing tatsächlich schon ein wenig an, mich zu stressen. Es war stark, flexibel, einigermaßen abwechslungsreich und doch, wenn man seit Wochen und Monaten immer die gleichen Lines mit immer den gleichen Karten spielt, setzt eine gewisse Übersättigung ein, jedenfalls bei mir. Nichtsdestotrotz, ich blieb blau-rot-schwarz treu, einfach weil ich "drin" war im Tunnel.

 

Während Kopenhagen näher rückte, hagelte es auch wieder nach und nach die Absagen der Crew, sodass am Ende nur noch Ulli und ich übrig waren. Ulli fing gerade seine eigene Homepage mit (unter anderem) Magic-Content an und wollte die Chance eines größeren Events auf jeden Fall nutzen, um ein wenig mit den Organisatoren über die Hintergründe einer solchen Veranstaltung zu quatschen und vielleicht auch mal hier und da einem bekannteren Gesicht unter den Spielern ein paar Fragen zu stellen. Vor diesem Hintergrund und der Überlegung, dass zu zweit nach Dänemark per Fähre trotz wesentlich geringerer Kilometerzahl irgendwie sogar teurer werden würde als eine Reise gen Osten (von den Preisen für Essen und Bier mal ganz abgesehen) einigten wir uns ca. eine Woche vor'm Event darauf, statt zur DLM lieber zur MKM Series nach Prag zu panzern, weil es eben kostengünstiger wäre und es dort mutmaßlich mehr Zeit und mehr Leute zum interviewen geben würde.

 

Die neuerliche Fahrt nach Prag war genau was man sich von einem Roadtrip mit einem der besten Freunde erhoffen würde - jede Menge Trashtalk bei ordentlich Rock'n'Roll, dazu eine Streckenführung durch Wälder und zerfallene Dörfer vorgegeben von einem Navi, dem der Saft auszugehen drohte; durch mehrfachen Wechsel der Sitzplätze war bei Ankunft dann auch keiner von uns bedeutend platter als der andere und so kamen wir passend zu den letzten Swiss-Runden des Modern Main Events an der Location an. Ulli interviewte dann auch ohne Umwege den gedroppten Julian Knab während ich ein 8-Man-Elimination-Trial direkt in der ersten Begegnung gegen Infect hammerhart verkackte. Danach brauchten wir beide erstmal ordentlich Bier und Schnitzel. :D

 

Am Sonntag zum Legacy waren 216 Spieler gemeldet, was mein bis dato größtes Legacy-Turnier darstellte. Den konkreten Turnierverlauf gibt's hier nachzulesen, nachfolgend die Kurzfassung:

  • 1. Runde Swiss: 2-1 Win vs. Dredge
  • 2. Runde Swiss: 2-1 Win vs. Grixis Delver
  • 3. Runde Swiss: 0-2 Loss vs. Grixis Delver
  • 4. Runde Swiss: 2-0 Win vs. Infect
  • 5. Runde Swiss: 2-1 Win vs. Eldrazi Stompy
  • 6. Runde Swiss: 2-0 Win vs. Eldrazi Stompy
  • 7. Runde Swiss: 2-1 Win vs. Eldrazi Stompy
  • 8. Runde Swiss: 2-0 Win vs. Miracles
  • 9. Runde Swiss: 0-0 ID vs. Lands
  • Viertelfinale: 0-2 Loss vs. Dredge
Das wichtige Wort dieser Auflistung ist Viertelfinale. Viertelfinale! VIERTEL! FINALE! Das Ausscheiden aus der Top-8 war völlig bedeutungslos, der 0-2 Loss vs. Dredge war völlig bedeutungslos, der gewonnene MKM-Gutschein war völlig bedeutungslos.
Was zählte waren die Top-8 an sich. Was zählte war der Sieg im Win & In in der 8. Runde Swiss ausgerechnet gegen die Maschine höchst selbst: Stefan fucking Schütz (nach dem inzwischen ja sogar ein Deck benannt ist :D). Was zählte war dieses Pic auf meinem MKM-Spielerprofil:

 

Eingefügtes Bild

 

Nüchtern betrachtet ist das alles eigentlich keine allzu große Sache gewesen; weder habe ich das Event gewonnen oder eine wirkliche Trophäe mit nach Hause genommen noch war es ein übertrieben großes und relevantes Event. Aber auch wenn es "nur" ein 200+ Mann Turnier gewesen ist und auch wenn ich direkt im Viertelfinale auf die Fresse bekommen habe, für mich war's ein absoluter Erfolg und durch die kommenden Wochen hat es sich tatsächlich auch ein wenig wie ein Sieg angefühlt.
Denn auf den nachfolgenden Turnieren in der Region kannte man plötzlich meinen Namen und mein Gesicht, Spieler die ich vorher nie getroffen habe wussten wer ich war, kamen zu mir und gratulierten und auch hier im Forum hatte ich auf einmal deutlich mehr private Nachrichten als sonst von mir unbekannten Usern, die Glückwünsche dalassen und im Gegenzug Tipps zu Grixis Delver mitnehmen wollten.

 

Das war die Sonnenseite. Die Schattenseite hingegen war, dass ich hinsichtlich Grixis Delver einfach ausgebrannt war. Ich hatte sowas von keinen Bock mehr auf das Deck, gleichzeitig aber das unsinnige Anspruchdenken an mich selbst, den Haufen jetzt weiter auf der Erfolgswelle reiten zu müssen - was dazu führte, dass ich ohne wirklichen Spaß an der Sache weiter Grixis zockte und dabei 'ne ziemlich kurze Lunte hatte wenn's dann nicht wie erhofft lief. Diese Kombination lief dann recht schnell auch darauf hinaus, dass ich keine weiteren guten Resultate einfahren konnte.
So dauerte es dann praktischerweise auch nicht allzu lang und ich legte Grixis endlich zur Seite, um mal wieder was anderes zu spielen und den Spaß an der Vielfalt von Magic neu zu entdecken. Am Ende war ich dennoch reicher um einen Erfolg und zwei wichtige Erkenntnisse:

  • Grinden funktioniert hervorragend!
  • Nicht jeder taugt zum Grind! :ugly:
Da weitere weithin sichtbare Erfolge ausblieben (man kann sagen was man will, aber in Sachen Präsentation ihrer jeweiligen Top-8-Spieler ist die Series echt top), verblasste mein kleines bisschen Community-Fame erwartungsgemäß auch relativ schnell wieder und bis auf die anhaltenden Bragging Rights, in meiner Spielgruppe noch immer der einzige mit eigener Cardmarket-Series-Profilseite zu sein sowie meiner Custom-Playmat (fetten Dank an Ulli nochmal) ist das Erreichen der Top-8 in Prag lediglich noch eine schöne persönliche Erinnerung an ein rundum gelungenes Turnier-Wochenende. Was mich auch überhaupt nicht stört. ;)

 

Ankunft in der Moderne

 

Ich wandte mich vom exzessiven Grind ab und kehrte schließlich wieder großteils in alte Verhaltensmuster zurück und zockte für maximalen Spaß auf kleinen Events irgendwelchen Kram der mir gerade in den Sinn oder die Hände fiel, verzichtete aber zumindest auf irgendwelche völlig absurden Brews. Olli's Spielecenter in Hamburg wurde beispielsweise nacheinander mit Dredge, OmniTell, Tin Fins, Reanimator und TES unsicher gemacht, und das auch gar nicht mal so unerfolgreich.
Dabei entdeckte ich immer mehr Spaß an Combo-Decks und gleichzeitig fand ich das Spiel mit Eldrazi Stompy zunehmend ernüchternd, sodass ich schließlich ein weiteres mal meinen Pool umgestellt habe und die Eldrazis weichen mussten um dafür als Combo-Deck der Wahl Elfen anzuschaffen... und obendrein Reanimator auszufoilen. B-)

 

Die folgenden größeren Events wie Cardmarket-Series-Turniere wurden anschließend jeweils mit Reanimator im Trial und irgendeiner Delver-Variante im Main Event bestritten. Dabei hat mir Reanimator auf beiden Stopps der Series 2017 in Deutschland das Bye gelöst und Delver jeweils ein X-3 Finish mit eher späten Losses im Main Event besorgt, sodass ich in Frankfurt wie in Hamburg unter die Top-40 gelangt bin. Speziell in Frankfurt wäre wohl auch noch mehr drin gewesen, aber ein heftiger Punt meinerseits gegen Storm in der achten Runde Swiss verhinderte dies eindrucksvoll. Bisschen Money gab's am Ende trotzdem. :ugly:
Insgesamt war ich aber mit meiner spielerischen Leistung ziemlich zufrieden, insbesondere dafür, dass ich dem harten Grind abgeschworen hatte. Natürlich wäre eine neuerliche Top-8 Platzierung bei einem namhaften Turnier geil gewesen, aber insgesamt bestätigten meine Results dennoch meinen Anspruch, vorne mitmischen zu können. Klar, mit mehr Grind ginge da sicher auch noch mehr, aber das Thema war für mich seit Grixis Delver einfach durch. Zumal ich auch kein Online-Spieler war und es auch nicht mehr werde, weil ich MTGO weder in Sachen Optik noch Bedienung mag und zudem das Gegenübersitzen und Trashtalken mit einem anderen Spieler für mich zu den Reizen des Spiels gehören.

 

Dann passierte allerdings etwas, was unsere Grundfesten ziemlich ins Wanken geraten ließ: Die Cardmarket-Series schaffte die klassischen Grand Trials ab! Das hieß also, statt wie bislang freitags und/oder samstags große Legacy-Trial mit 6 bis 7 Runden zocken zu können und sonntags ins Main Event zu starten hätten wir freitags und samstags auf einmal ziemlich viel Leerlauf bis die nachmittäglichen 4-Runden-Trials beginnen würden. Was natürlich die ganze Reise zum Zocken bedeutend weniger attraktiv werden ließ, es sei denn...

 

... man würde einfach ein weiteres Main Event am Samstag spielen können. Ich würde nicht so weit gehen, uns als richtige Modern-Spieler zu betiteln, aber Teile der Crew bauten sich zu genau solchen Anlässen ein paar Modern-Decks. Meine Modern-"Karriere" begann (und pausiert seitdem zumindest turniertechnisch) entsprechend bei der Series in Frankfurt 2018, wo ich mit Burn die ersten 5 Matches meines Modern-Daseins gewinnen konnte um anschließend die nächsten 5 Matches hart zu kassieren und somit ausgeglichen 5-5 aus dem Main Event zu gehen. :D
Was mir am Format auf Anhieb gefiel, war die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der alles vonstatten ging. Spells resolv(t)en einfach, wenn der Gegner kein Mana hatte, man muss(te) nicht befürchten mit einem Keep ohne Interaktion direkt T1 ausgelockt oder umgepanzert zu werden, man hat(te) generell weniger krasse Impact-Plays zu befürchten und die meisten Leute spiel(t)en gefühlt faires Magic mit Kreaturen und Removal. Außerdem, und das fand ich mit Abstand am spannendsten am Format: Aggro is a thing! Im Legacy gibt es kein funktionierendes Aggro-Deck, was ich unheimlich schade finde, weil ich den Aggro-Spielstil echt gern mag.

 

So richtig tief ins Format einsteigen wollte ich dann aber doch nicht, weil ich schon für ein Format nicht ausreichend Zeit fand und dieses bisschen Zeit dann auch noch auf mehrere aufzuteilen erschien mir nicht sinnvoll, weshalb sich meine Deckwahl auch auf sowas wie Burn und Scapeshift beschränkt, was einerseits recht wenig Formatkenntnis braucht um gut zu liefern und andererseits in einer relativ sicheren Ecke sitzt was mögliche Bans angeht.
Somit ist Modern in erster Linie die "Ersatzdroge" der Wahl, falls Legacy gerade nicht stattfindet.

 

Legacy fand jedoch allermeist statt und nachdem wir mehrfach Deutschland und Tschechien unsicher gemacht hatten zeichnete sich der nächste Schritt so langsam ab: Nach Erfolgen auf den kleinen Events im LGS und stellenweisen Erfolgen auf den großen Events in irgendwelchen Sport- und Stadthallen war es an der Zeit für Erfolge in der großen Messehalle. Leider sind Legacy Grand Prix's recht scheue Tiere, gerade in Europa, aber im Frühsommer 2018 kam einer nach Birmingham und den wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Es kam wie leider so oft: Alle hatten Bock, aber je konkreter die Planung wurde, desto geringer wurde die Anzahl der Mitstreiter und schließlich machten sich Christoph und ich allein auf zum Flughafen.

 

Auch hierzu habe ich einen Bericht verfasst, daher an dieser Stelle wieder nur der Schnelldurchlauf. Ich habe am Donnerstag in den Trials und Side Events mit Reanimator ziemlich in die Schnauze bekommen. Anschließend gab's am Freitag im Main Event auch nur ein 4-4 und damit keinen Day 2 für mich, dafür konnte ich am Samstag im Side Event noch ausreichend Prize-Tix ergattern, um mir davon wenigstens noch ein Display Dominaria mit nach Hause nehmen zu können.
Spielerisch war mein erster GP also ziemlich mittelprächtig, aber die ganze Reise war dennoch eine Riesen-Gaudi aus gutem Bier*, gutem Essen*, einer urigen Unterkunft, richtig coolen Menschen (wir trafen vor Ort etliche bekannte Gesichter aus Hamburg etc. sowie natürlich haufenweise fremden Leuten, die aber auch größtenteils entspannte Dudes waren) und natürlich jeder Menge Magic - gekrönt vom historischen ersten HSV-Abstieg aus der Bundesliga, welchen Christian und ich mit je einem Sub in der Hand per Live-Ticker verfolgten und abfeierten (ich habe an sich nix gegen den Verein, mir ging aber dieses "unabsteigbarer Dino"-Gehabe seit Jahren gehörig auf die Klötze :lol: ).
Abends wurde dann noch indisch gegessen und Bier getrunken und am nächsten Tag ging's mit dem Flieger durch die Turbulenzen des Todes zumindest bis nach Frankfurt und ab dort dann per völlig überfülltem Zug wieder in Richtung Norden. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der GP würde vorerst das letzte größere Event für mich darstellen.

 

*Ja, auch das kann man in England bekommen. :D

 

Der Blick in die Zukunft

 

Seitdem ist's bedeutend weniger geworden mit dem Kartendrehen. Nicht aus Frustration oder Mangel an Bock, sondern aufgrund neuer familiärer Verpflichtungen als (erst werdender und inzwischen gewordener) Vater. :wub:
Hier und da mal ein Tagesausflug nach Hamburg ist momentan das höchste der Gefühle in Sachen Magic, was mich schon einerseits etwas wehmütig stimmt, weil ich auch nach über 20 Jahren immer noch tierischen Bock auf das Spiel habe, das mich so lange begleitet hat und mir so viele coole Tage / Abende / Wochenenden mit den besten Kumpels beschert hat.
Andererseits ist das jetzt eben die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen kann und will... und wer sagt, dass ich diese Zeit nicht in ein paar Jahren mit mehr Magic verbringen muss als mir lieb ist, wenn ich meinen Sohn ebenfalls (un)freiwillig infiziert habe? :D

 

Ich weiß nicht, wie viele Jahre dieses Spiel noch in einer Form existieren wird, die mich reizt - ich hoffe mal noch recht viele - aber ich verdanke ihm viele tolle Freunde, Erinnerungen und einfach eine gute Zeit. Es ist Teil mehr als meines halben Lebens und ich will bei allen Einmischungen des echten Lebens auch künftig wenigstens dann und wann mal eine kleine Auszeit nehmen um gemütlich mit netten Menschen am Tisch sitzen, Karten vor mir ausbreiten, vielleicht noch was kühles zu Trinken am Start haben und die magischen Worte zu sprechen:

 

"Upkeep - Trigger Delver."






Schöner nostalgischer Bericht. Vll sehen wir uns ja nächste Woche in Flensburg :)

Auch wenn ich kein Legacyspieler bin, find ich deine Einträge echt schön und bewegend. Leist sich gut und flüssig und man wird ein wenig wehmütig. Toll :D

Wait, du hast Stefan Schütz geschlagen als er sein Signature Deck (Miracles) zockte? Gz :D

Ich hab' ihm den Top geneedled und per Strudel runtergebrannt. Nicht gerade das, was ich als Skillgame bezeichnen würde, aber Win ist Win... :lol:

Topp Blog - werd ich fast sentimental, Prag 15/16/17 war schon Beste.

Einziges Manko: Etwas wenig Oldschool-Content :]

+ das von Hasran.

 

Prag 19 gesetzt.

5 Sterne für die 1-Liter-Faxe Dose :)

Also mit deinem Namen gibts eigentlich nur 1 Legacy-Deck das man spielen soll/kann/darf ja sogar muss. ;)

Schön geschrieben und Alles Gute zum Geburtstag!

 xcz . 

Bist ein wahres Biest!

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