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* * * * * 5 Stimmen

UtB: Ogress Quest I - ... And Justice for All

Geschrieben von Deck-Art Cain, 03. März 2019 · 314 Aufrufe

Bridger Under the Bridge Fiktion Roman

[Die folgende Geschichte setzt voraus, den legendären Beitrag von The Beast gelesen zu haben. Danke an dieser Stelle für seine unglaubliche Inspiration! Warnung: Es kommen dezent-ekelige und derbe Szenen vor - die Brücke ist kein Einhornhof!]

 

Eingefügtes Bild

 

Titelbild der Episode I: Cain steht im Park und schaut in den Sternenhimmel. Wird er der Prophezeiung gerecht werden können? Und wer ist der Geselle mit der reinen Haut? Findet es heraus ...

 

T1 Diregraf Ghoul, T2 Dark Ritual ... Undead Warchief humpelt aufs Spielfeld und mein Gegenspieler swingt für vier; im T3 dann für sieben; noch ein Dark Ritual und er rotzt seine Hand komplett leer. Ich floode und ziehe auch T4 kein Removal, schaue vorwurfsvoll auf meine zwei arschgeglätteten Goblin Bushwhacker und gebe auf. 3-1 für Justin. Mit gebannten Karten kein Wunder, du kleines Schwein, denke ich mir und schaue in sein Gesicht: Über einem 'Camp David'-Shirt mit hässlichen Schriftzügen thront ein triumphierendes Grinsen. Die perfekten weißen Beißer öffnen sich und ein »Ouch!« schallt an ihnen vorbei. Ich schlucke den Hass herunter und sage freundlich: »Da hatte ich keine Chance - gutes Spiel«; in meiner Imagination zerreißen Goblins sein Shirt und stechen fiese Dolche in die erigierten Nippelöffnungen. Wie kann ein so cheaper Win jemanden in diesem Ausmaß aufgeilen? Justin spielt diverse gebannte Karten und es interessiert ihn einen Scheißdreck, ob der Gegner damit ein Problem hat. Wir sitzen bei ihm Zuhause mit seiner Ehefrau und einem Bekannten am Küchentisch und ich frage mich mal wieder, was zur Hölle ich hier suche. Ich will Magic zocken, doch anscheinend teilen in meinem Umkreis nur Psychopathen dieses Hobby. Kurz sehne ich mich nach Magic Arena ... stiffes Banning, keine flotten Sprüche, keine hässlichen Hemden, die heimischen vier Wände ... und meine liebste Rollenspielmucke im Loop. Justin steht gut gelaunt auf, nimmt eine Fernbedienung in die Hand, drückt schwungvoll einen Knopf und irgendein Lied von Mark Forster ertönt. Ich will Magic zocken; Augen zu und durch. Die beiden anderen sind mit ihrem Bo1 fertig und ich frage einen Freak namens Samuel, ob wir nun spielen wollen. Er schenkt mir ein teuflisch wirkendes Nicken und platziert sich gegenüber, wobei er seine Playmat mitnimmt: Auf einem Bett räkelt sich eine extrem junge Anime"frau" im Hasenkostüm. »Fuck«, flüstere ich und versuche es erneut mit Rakdos Goblins - ein witziges Budget-Gebräu aus eigenem Gärtopf. Der Perverse nimmt eine grüne Deckbox, holt den Stapel raus und legt ihn auf eine der kleinen Brüste vom minderjährigen Playmat-Playmate. Bevor er mischt, nimmt er noch einen Schluck 'Captain Morgan' aus der Dose. Mein Blick wandert von seinem knochigen Gesicht zu dem Stapel vor ihm und mich grinst ein Tarmogoyf an. Er weiß, dass ich Budget spiele. Er weiß es sowas von. Was soll der Crap?
»Puh«, entfährt es mir.
»Ist was?«
»Was soll ich sagen ...«
»Ja?«
Ein Moment der Stille; dann sage ich ...
»Lass uns spielen.«

 

I.I: MIDNIGHT MADNESS
Samuel zerstört mich 3-0 mit einem BG Rock-Feuerwerk und klappst seiner Playmat(e) auf den Hintern, was er mit einem lauten »Bääääm« kommentiert. Meine Earwig Squad schaffte es zwei Mal, seine Liliana of the Veil geschickt zu beseitigen, aber alles war vergebens. Ich schüttel ihm die Skeletor-Hand und gratuliere mit einem "Good Game". Lange kann ich meine Fassade nicht mehr aufrechterhalten und überlege, ob noch eine Partie drin ist. Ein Blick zu den Nachbarn offenbart, dass Justin gerade seine Ehefrau mit Splinter Twin schwindelig spielt; sie zockt wiederum irgendeinen senilen Haufen ohne jegliche Synergie. Gott, wie ich solche Casual-Kitchen-Table-Magic-Runden hasse.
»Na ja, gut war das Spiel nicht wirklich, oder?«, meint der perverse Skeletor.
Hmm, was?
»Du solltest Mono Rot spielen«, fährt er fort. »Das Schwarz tut den Goblins nicht gut.«
»Ähm. Ich ...«
»Schau dir lieber ein paar richtige Guides an, im Netz gibts davon viele«. Wegen dem Gelaber schwallt mir der Geruch von seinem Hipster-Gesöff entgegen und ich höre, wie Justin grad die Combo zündet: »Und ich greife mit allen an, haha!«. Mark Forster dudelt im Hintergrund. Mein Puls steigt. Und plötzlich sehe ich etwas ... da, im Augenwinkel; hinter der Fensterscheibe! Ein robenbedeckter Kopf starrt mich augenlos an und verschwindet rückwärts in die Dunkelheit. Mein Hass weicht Schock und Neugierde zugleich.
»Ich glaube, ihr seid alle tot«, sage ich laut, weswegen mich das Trüppchen verwirrt anschaut. Dann wünsche ich ihnen einen schönen Abend, packe schnell mein Zeug zusammen und verlasse diesen merkwürdigen Ort. Du bist selber Schuld - warum spielst du auch mit solchen Leuten?

 

Die Nachtluft tut gut und vertreibt die trüben Gedanken; selbst den Fenster-Stalker vergesse ich fast. Locker schlender ich die Straße des wohlbetuchten Wohngebietes hoch und denke mit Vorfreude an eine gemütliche Mitternacht-Partie Arena. Wer braucht schon RL-Magic?
»Cain, die Zeit der Virtualität ist vorbei«, dröhnt eine tiefe Stimme. Sie stammt von einer Gestalt, die sich auf dem Hügel vor dem Sternenzelt abzeichnet.
»Nun sind Taten gefragt - und zwar mehr denn je, mein junger Freund« - es ist der "augenlose" Robenträger. Der Stoff der imposanten Kleidung fliegt durch die Nacht und unter ihr kommt ein zeigender Stummel hervor. »Du ... du bist ... der Auserwählte«, verkündet ihr Besitzer.
Ich kneife die Augen zusammen, ignoriere beinahe die Aussage und schaue auf die Füße der Gestalt: Sie trägt Brote als Schuhe - ja, ganze Brotlaibe umfassen beide Treter.
»Wer zum Vexing Devil bist du?«, frage ich und halte mir die Nase zu, da ein beißender Gestank die Nachtluft schwängert. Es riecht nach ausgekotzten Käsebroten. Als hätten Straßenhunde ausgekotzte Käsebrote gefressen, sie ausgekackt und wieder gefressen ... um davon zu kotzen ... und dann .... ach, verdammt, egal! Wer ist dieser Wahnsinnige?
»Ich bin Shitfinger«, hallt es vom Hügel hinunter und die Gestalt kommt näher. Erst jetzt erkenne ich, dass die Robe aus dutzenden Elementen besteht, welche in schillernden Mustern das Mondlicht widerspiegeln. Es scheinen feine Plastikflächen zu sein ... und, ja ... es ... sind .... gesleevete Magic-Karten!
Er bemerkt meine Erkenntnis und wirkt ertappt. »Wegen dem Regen ... jepp ... da sind die Hüllen schon praktisch«, sagt er, wobei er weiterhin auf mich zukommt; begleitet vom dem gummihaften Quietschen seiner gebackenen Boots.
»Du, äh, du«, stottere ich, »Du spielst Magic
»Spielen?«, fragt Shitfinger mit Gelächter, was eher einem Gackern gleicht. »Ich lebe Magic«
»Ja, warum sollte man auch sonst ein Cape, äh, eine Robe aus, tja, aus Magic-Karten tragen?«, stammel ich erneut und sehe multiple Coils Of The Medusa herumwackeln. Irgendwo in einem Waldstück ruft ein Uhu.
»Es ist spät, mein Freund«, meint Shitfinger.
»Ja, Uhus und so ... der Nachthimmel, die Sterne!«
»So meine ich das nicht. Es ist spät.«
Ich schaue auf die Uhr. Eigentlich ist es erst halb Eins.
Mein Gegenüber macht eine ausschweifende Geste gen Himmel, wobei die Sleeves effektvoll rascheln. »Es ist spät, die ...«
»Erst halb Eins«, sage ich.
Shitfinger stockt und wirkt leicht gereizt. Voller Ernst geht er einen weiteren Sauerteig-Schritt auf mich zu. Das Äquivalent von wiedergekäuter Hundekackkotze erobert meinen Riechkolben.
»In nur wenigen Stunden kommt bei Arena die Sonntags-Booster-Quest!«, erwähne ich freudig und grinse ihn an.
Er sagt: »Es ist spät, im Sinne ...«
»Judith, the Scourge Diva wäre ...«
»RUHE!«
Die Kapuze der Robe wird ruckartig zurückgezogen und ich sehe Shitfingers Gesicht im Mondlicht schimmern: Zum größten Teil besteht es aus aschfarbenen Knochen. Ein nackter Kiefer wackelt Wörter hervor, die meine Seele lightningbolten und vom milden Frühlingswind umtost werden:
»Es ist spät, Cain - der Tod ist nahe
Das nenne ich einen echten Skeletor - da kann Samuel zur Hölle fahren.

 

I.II: GEGEN DEN TREND / THE CHOSEN ONE
Shitfinger redete weiter auf mich ein: Ich sei der Auserwählte und das Schicksal dieser Stadt läge in meinen Magic-Händen. Keine Ahnung, warum ich mich darauf einließ, aber ich folgte ihm zu einer dunklen Stelle im naheliegenden Park. Vor einem Kreis aus alten Smartphones, Lifecountern, Tierknochen und Steinchen wartete bereits ein nacktes Ungetüm, welches komplett mit Haaren bedeckt schien.
»Das ist Koto« erklärt Shitfinger und nimmt neben ihm Platz; ich setze mich ihnen gegenüber und hole ein paar kleine Kümmerlinge aus der Tasche - die brauche ich jetzt zwingend.
»Perfekt«, kommentiert Shitfinger begeistert. »Und jetzt noch dein Deck.«
Ich reiche es ihm und als Koto das Case in der "Mountain"-Lands-Edition sieht, gibt er zischende Laute von sich. Kleine Spuckpartikel treffen meine Hand. Shitfinger balanciert die Box auf zwei verbundenen Stummeln und wirft sie dann energisch zu Boden, ganz so, als würde die Pest daran kleben. Koto reißt sich derweil ein Büschel Haare aus der Brust und zeigt damit aufgebracht auf die einzige Version meines Goblin Guide, die nun neben Hundekot im Gras liegt. Meine teuerste Karte - bin halt n' kleiner Casual.
»Manchmal muss man etwas aufopfern, um der Sache zu dienen«, sagt das Knochengesicht und nickt Koto zu. Dieser springt wie ein Urmensch zur Karte, hebt sie angeekelt auf und wirft sie zusammen mit zwei Chiefs, drei anderen Gobos und der leeren Box in den Kreis aus Schrott. Ehe ich mich versehe, zündet er das Ganze an und grunzt dabei zufrieden - komischerweise ist mir das komplett egal und ich ertappe mich dabei, wie Freude in mir aufkommt. Die Keule von einem der Goblin Chieftains fängt tatsächlich Feuer.
Shitfinger sagt: »Etwas Musik, Koto!«
Ich sitze regungslos da und kippe einen Kümmerling runter, schaue zu, wie der Neandertaler aus seinem Rückenwuchs einen zerfurchten Game Boy Advance herauszerrt! Er hämmert auf den Knöpfen herum und ein Lied ertönt. Wtf? Ist das der Return of the King Soundtrack?
»Nun höre gut zu und lausche meiner Geschichte«, sagt Shitfinger. Der DJ wirft Plastikmüll in das kleine Lagerfeuer und es knackt und zischt gemütlich; große blaue Wolken toxischer Partikel gleiten vor dem gewaltig aussehenden Vollmond entlang.
»Alles begann vor einem Jahr ...«

 

Mein neuer Mentor erzählt mir von Under-the-Bridge-Magic, einem bahnbrechenden "Format", bei dem das Spiel auf das Nötigste und Beste reduziert wird. Ich kenne das Ganze aus dem berühmten Forum-Beitrag und hielt es immer für eine erfundene Story; für eine herrliche Utopie, der ich nur zu gerne Glauben schenke würde. Es ist wahr, durchfährt es mich und ich lausche aufgeregt den Worten der fahlen Fratze. Ich hätte sofort merken müssen, dass hier Bridger am Werk sind.
»Mit der Zeit kamen neue Leute hinzu und UtB wurde trendy. Spieler liefen in Hosen mit Damage-Look herum, du weißt schon, diese beknackten Jeans, welche schon beim Kauf riesige Löcher aufweisen. Sie verschmutzten und zerknickten ihre Karten absichtlich, um Eindruck zu schinden; spielten aber dennoch Staples. Manche legten beim Spiel ihr Smartphone auf den Hund und es ertönte Chartmucke. Ich, Koto und einige andere Guys mussten hart kämpfen, um diese Armee der Hipsternis zu besiegen«
Shitfinger schweigt plötzlich und hebt demonstrativ beide Stummel vor sein "Gesicht".
»Thie Ogräss! THIE OGRÄSS!«, jault Koto seine ersten Worte in dieser Nacht und rauft sich den 3000-Tage-Bart. Ein Obdachloser ruft aus einem Gebüsch, er solle die Fresse halten.
»Die ... was?«, will ich wissen.
»Die Ogress, Cain«, sagt Shitfinger bitter. »Die Ogress.«
Es sei ein stämmiges Mädchen, sagt er. Nicht im Speckmantel kam sie daher ... nein ... sie wäre ein imposanter Muskelberg, den sich niemand traute, zu "besteigen". Beim Appealen wollte keiner eine Frau schlagen, und wenn jemand es tat, kassierte er von der Ogress blaue Ballonhände und zerquetschte Eier. Unter dem Fell von Kotos Intimbereich sehe ich zwei geschwollene rote Minimelonen hervorlugen - sie sehen aus wie ein Paar Goblintyrann-Glatzen. Aua.
Wie ich merke, berieselt uns nun der 'Title' vom LotR RotK-Game. Shitfingers Gesicht verzerrt sich zu einer bemitleidenswerten Grimasse; die Stummel dabei immer noch gehoben.
»Sie hat meine verfickten Finger gefressen.«
Das war (und ist) nicht das Schlimmste, meint er. »Ich liebe einen saftigen Appeal, aber die Gründe ... sie sind zu gravierend. Sie ... sie spielt ... unter der Brücke ... in ihrem Deck ... drei Versionen von ...«
Koto weiß, was kommt und hält sich wie ein Äffchen die Ohren zu. Seine Visage ist schmerzverzerrt.
»Teferi, Hero of Dominaria.«
Und als ob das nicht noch genug wäre, kotzt Shitfinger folgende Worte heraus:
»Mit Grünsplash für ein Playset Fog
Teferi, Hero of Dominaria. Mit Grünsplash für ein Playset Fog. Unter der Brücke. UNTER DER BRÜCKE!?
Ich stehe auf, pisse die ganzen umgewandelten Kümmerlinge auf den Rest meiner verschmorten Deckbox und blicke zum Mond hinauf. Wenn Kitchen-Table-Magic sucked, ist das kein Untergang. Wenn die Arschlochfraktion der Casuals mir auf den Wecker geht, auch nicht ... aber wenn UtB-Magic wirklich in dieser Stadt existiert, dann muss ich helfen, es zu retten.
»Helfen?«, höhnt Shitfinger als ob er Telepathie beherrscht. »Du bist unsere einzige Hoffnung. Du musst die Diktatur der Ogress beenden, mein Freund. Sie ließ letztens bei einem Match sogar Mumble-Rap von ihrem Smartphone abspielen ... ich weiß nicht, wie ...«
»Ist schon gut, Meister«, unterbreche ich ihn mit sanfter Stimme und lege meine Hand auf sein cooles Cape. »Es ist schon gut ...«
Tränen laufen sein halbtotes Gesicht hinunter (was verdammt weh tun muss).
Er sagt: »Ich meine ... Mumble-Rap und Magic? Was zur Hölle ...«
»Ist Ok.«
Ich umarme ihn voller Mitgefühl und betone erneut: »Es ist Ok ...«
Es kitzelt in der Nase und ich vernehme das verführerische Aroma eines frischen Käseauflaufs. Ja ... Gorgonzola und ... und Stückchen von ... Brot? Die Boots meines neuen Mentors sind - wie ich nun sehe - am Lagerfeuer knusprig braun geworden. Kurz, nur ganz kurz, zweifle ich an meiner Mission. Koto wischt sich mit meiner alten Smoldering Marsh-Karte den Dschungel unter den Armen sauber und ich weiß: Hier bin ich doch genau richtig. Ich fische meinen angebrannten Hulking Goblin aus der lauwarmen Kohle, wische meine Pisse von ihm ab und stecke ihn in die Hosentasche.

 

Ich bin fortan ein Bridger. Meine ehemalige Spielrunde, diese Gesellschaft und die gesamte Welt sind nun vollkommen wertlos. So wie es ohnehin schon immer war.

 

I.III: IM REICH DER OGERFRAU
Wir pennten wenige Stunden am sporadischen Rastplatz und wurden dann von Schulkindern mit Stöcken vertrieben. »Eh Zeit für einen Kaffee mit Schuss« plauderte Shitfinger locker als wir Richtung Obdachlosenhilfe stiefelten. Gestärkt ging es dann weiter zur Brücke, die ganz in der Nähe war. In unserer kurzen Nacht hatte sich ein spontanes Gewitter entladen und nun hingen schwere Nebelschwaden in der Luft.
»Wie kommst du darauf, dass ich der Auserwählte bin, Meister?«, frage ich, während sich vor uns eine gewaltige Autobahnbrücke aus dem Nebel schält; ebenso zeichnen sich rundum dutzende kleine Tunnel ab, die eigentlich Fußgänger passieren lassen sollen. In ihnen hängen die ersten Bridger rum und hantieren mit Karten. Geil!
»Du besitzt das Mal«, meint Shitfinger mit tiefer Stimme.
Welches Mal? Er zeigt auf meinen Hals und ich befühle den dicklichen braunen Hautfleck unter dem Kiefer. »Das soll ein Mal sein?«
»Exakt, Cain. Es hat die Form von Slippery Bogle
Gedankenverloren fummel ich an dem dicken Brocken rum und kann es nicht fassen: Hier sind echte Bridger! Einen so schlechten Eindruck macht das "Camp" gar nicht: Mitten im Nebel sitzt irre-grinsend eine Frau und wippt heftig mit dem Oberkörper vor und zurück; in der Hand einen zerissenen Dwarven Lieutenant, den sie mit Hilfe einer Weinbergschnecke versucht, zu kleben. In einem der Tunnel spielen zwei gegärbte Typen auf einem ausgestopften Schnabeltier und lachen dabei zahnlos. Wir passieren eine ganze Gruppe von bunten Bridgern, die kurz davor war, heftigst zu appealen - irgendein Streit wegen der 2. Fähigkeit von Chandra, Pyrogenius - und schon liegt sich der Haufen wieder gackernd in den Armen. Gott, fließt da viel Alkohol! Wie auf Kommando wirft mir Koto einen Flachmann rüber und ich nehme einen kräftigen Schluck.
»Wir stoßen langsam zur Problemzone vor«, warnt Shitfinger. »Mach dich bereit.«
»Das bin isch«, sage ich und fummel ein langes Schamhaar zwischen den Schneidezähnen hervor. Es fahren nur wenig Autos über die Straße, deswegen kann ich es laut und deutlich hören: Mumble-Rap vibriert in der Ferne. Ein fülliger Kerl rennt auf uns zu und keucht. Sein gesamter Körper ist umringt mit perfekt angepassten Pizzakartons, welche durch die Nässe langsam zerfallen und sein linke Auge ist von einer schimmeligen Salami bedeckt. Nices Monokel. Zwischen seinen zitternden Fingern hält er Karten mit Pizza-Sleeves vom Magickartenmarkt.
»Pizzamann!«, erkennt Shitfinger eindrucksvoll und beäugt die Sleeves. Der wandelnde Karton steckt die Dinger ertappt in einen seiner (Papp)-Schlitze und wird rot.
»Vergiss es«, sagt mein Meister scharf. »Hast du etwas zu berichten?«
»Die Ogress! Sie ... sie ... schau es dir an!«
Wir rennen regelrecht los und Shitfinger schafft mit seinen Brotstumpen ein enormes Tempo, weswegen ich auf dem Weg nur teilweise etwas wahrnehmen kann: Da spielen Leute auf ausrangierten Bettfrühstückstischen und Hockern! Pfui! Ich glaube auch zu erkennen, dass zwei Hipster in Pre-Damage-Jeans sich mit künstlich zerschmirgelten Tier-1-Pauper-Decks duellieren - der wahre Horror! Pizzamann bleibt unter der Brücke stehen und bricht fast zusammen. »Da vorn!«
Autotune-Gesang über harte Drogen und pralle Hintern schallt uns entgegen; ich schaue in die Richtung der "Musik" und da schwebt ein dickleibiger Bridger mit Vollbart durch die Luft! Zwei stramme Fleischstämme hieven ihn nach oben und lassen ihn langsam niedergleiten, nur um ihn dann wieder emporzustemmen. Wir rennen weiter und stoppen schockiert vor der Ogress. Sie liegt auf dem Boden und benutzt einen Bridger als Langhantel. Pizzamann und Koto heben den armen Knaben hoch und countern den Pumpspell. Der Mechakoloss aus Muskeln schnellt nach oben und ich erblicke die Ogress in ihrer vollen Pracht; zwei Köpfe größer als ich und Kacke - sie ist richtig hübsch! Lange, schwarze Haare, ein bis zum Maximum trainierter Körper. Und ich rieche ihr Make-Up bis hierhin: Zigarettenasche und zerbröselte Wasserfarbe. Unter einer Mtg-Leggins mit lauter Manasymbolen strotzen stramme Schenkel und sie trägt eines dieser hippen Magic-Shirts auf denen "Nope" steht, wobei das O ein blaues Manalogo ist.
»Was soll das, ihr Pisser?«, fragt die Ogress und greift sich ein langes Objekt. Es ist die hochwertige Replica eines Teferi-Stabes. Verfluchte Cosplayer.
»Jetzt«, flüstert Shitfinger mir zu und erinnert mich an den gemeinsamen Plan, welchen wir heute Mittag festgelegt hatten. Na dann, mal los ...
»Darf ich vorstelln?«, sage ich arrogant, bücke mich zu dem Kartenhaufen, der neben einer Matratze liegt und picke ein besonderes Exemplar. »Ich bin Deck-Art Cäin«.
Ein Fog flippt der Ogerfrau knallhart in die Fresse. Sowas gehört sich nicht unter Bridgern, sowatt gehört vorm Penny geregelt und daher betone ich:
»Upps. Das war nich gewollt.«
Blut entweicht der Amazonenstirn und vermischt sich mit Asche und Wasserfarbe.
»Ich schiebe dir diesen Stab in den Arsch«, meint sie trocken. Ich schaue den spitzen, knochenförmigen Auswuchs am Ende des Teils an und verstärke reflexartig die Tätigkeit meines Schließmuskels. Der Flachmann von Koto ruht immer noch in meiner Hand und ich exe den Crap. Shitfinger legt väterlich einen Stummel auf meine Schulter und das Odeur alten Eiters betäubt mich zusätzlich.
»Lass zum Penny«, verkünde ich locker und stampfe auf ihr Smartphone. Eine unerträgliche Autotune-Stimme wabbelt seine letzten Frequenzen und verstummt ... hoffentlich für immer.

 

Eigentlich kam das alles viel zu schnell. Vor einigen Stunden saß ich noch am Küchentisch in der Wärme eines Hauses - nun stehe ich im kühlen Nebel, und Taubenkacke tropft von einer Autobahnbrücke auf meine Schulter. Mein bestes Deck liegt im Park verstreut, die Hälfte davon verbrannt. Ein Typ namens Shitfinger hat mich unter seine Fittiche genommen und mich dazu gebracht, einer irren Vision zu folgen: Ich führe Under-The-Bridge-Magic in dieser Stadt zu seinen schlammigen Wurzeln zurück. Ich fronte eine bekloppte Muskelbraut, die mir Teferis Knorrenstab rektal einführen möchte. Und wir haben einen Deal: Wenn ich den Appeal gewinne, gibt es beim kommenden Trollcup eine Klausel; verliert sie den Cup, muss sie für immer die Brücke verlassen. Was so schön und einfach klingt, wird ein harter Brocken und ich reibe mir jetzt schon sorgenvoll die Finger.

 

I.IV: BROT UND SPIELE
Pizzamann massiert mit seinen Kartonhänden meine Waden und plappert irgendetwas von seinem altered Soul Feast, bei dem ein talentierter Künstler einen Teigfladen auf den Teller gekritzelt hat. Whatever. Vielleicht will er mich nur ablenken. Der Verdacht bestätigt sich, als er spontan einen Witz erzählt: »Wie nennt man einen Hund, der nicht genug Länder zieht?« - ich sage nichts und er löst kichernd auf: »Screwby-Doo!«. Mir ist nicht zum Lachen zumute und er massiert enttäuscht weiter.
Wir sitzen auf dem Parkplatz vor dem Penny und in wenigen Minuten beginnt der Clash mit der Ogress. Die Sonne hat das Wasser komplett verdampfen lassen und bestrahlt nun die Szenerie - mein Meister steht wie eine anmutige Statue auf der Motorhaube eines alten Autos, das anscheinend niemand mehr besitzt. Seine Robe strahlt selbst wie Tausend Sonnen. Er hat die Stumpen auf die Hüfte gestemmt und harrt der Dinge. Ein Bridger, der extremst wie Cathartic Adept aussieht, nähert sich Shitfinger und verbeugt sich. Mein Meister wird nicht einfach so respektiert ... er lebt(e) Magic tatsächlich. Heute Mittag spielten wir eine knappe Partie mit wilden Haufen ... echte Scheißhaufen aus Pappe. Und er zauberte eine Partie auf den Hund, die ich niemals vergessen werde. In seinen Augen brannte wahre Leidenschaft, wenn er Common für Common von Koto auf das Feld legen ließ. Er war auf Hilfe angewiesen, denn er besaß keine Finger mehr. Offiziell war das bei Bridgern nicht erlaubt ... entweder du legst die Kacke selbst ins Klo, oder du verpisst dich. Shitfinger lebte sozusagen im Magic-Exil. Woanders wollte er nie wieder spielen - und unter der Brücke ging es nicht mehr. Mein Herz wird schwer bei diesen Gedanken - desto süßer soll die Rache sein.
Auf einmal entsteht großes Gemurmel auf dem Parkplatz: Shitfinger hebt langsam seinen Fuß an und der Adept-Typ zieht an dem Brotstiefel. Es plöppt. Durch die Aromaexplosion fliegt eine Oma samt Rollator um und steht nicht mehr auf; ein Bridger wird sich später um sie kümmern. Reichlich Underberg hat meine Sinne lahmgelegt, ansonsten wäre die folgende Zeremonie unmöglich durchzuführen. Es plöppt erneut. Die Ogress, welche am anderen Ende des Platzes wartet, kotzt Prosecco und irgend so Rich Kids mit Nerdbrillen ohne Sehstärke greifen ihr unter die dicken Bizepskugeln. Feierlich hält der Adept beide Stiefel in den Händen und sein Gesicht läuft blau an. Was für ein Irrer! Unsere Fraktion klatscht und johlt, während er andächtig auf mich zuhumpelt und sich niederkniet. Es riecht, als hätte man zehn Jahre das Analdrüsensekret seines Hundes gesammelt und vermodern lassen. Ich hebe meinen linken Fuß und der Adept schiebt vorsichtig Shitfingers Brotlaib darüber. Es fühlt sich an wie ein Schritt in den Himmel ... wohlig warm und ... klebrig ... als würde ich zurück in meine Mutter krabbeln. Die Rich Kids wedeln der Ogress mit Fogs frischen Wind zu. Der rechte Treter wandert dann ebenso ins Paradies, wobei auch mir schließlich Alkoholkotze die Röhre hochkriecht.
»Seid ihr bereit?«, ruft ein Dude, den sie alle Ajani Goldmähne nennen, da er sich vor Ewigkeiten sein Gesicht zu einer Löwenfratze umoperieren lassen hat. Ihr wisst schon, so wie der Eidechsenmann aus dem Fernsehen. Er ruft energisch: »ÄPPEAL!!!«, wobei seine wilde Mähne herumflipped.
Die Ogress stampft voran und lässt die Fäuste knacken. Benommen merke ich, dass es schon los geht und probiere, in den Brotschuhen zu laufen. Konzentriere dich, Alter; jede falsche Bewegung kann fatal enden. Voller Vorfreude grinst die Amazone breit, öffnet dann den Mund und züngelt in der Luft herum. Im krassen Kontrast zu ihrer Schönheit sind die Zähne pechschwarz und mit Schimmelpilz durchwuchert; ich glaube, winzige Saprolinge hinter großen Lücken hervorlugen zu sehen. Plötzlich - wie mit Swiftfoot Boots - rast die Ogress los und verpasst mir einen derben Spear, wodurch wir beide auf den Asphalt krachen und sie auf mir liegt. Ich ersticke. HILFE, ICH ERSTICKE!
»KNIHSTOUS!«, kreischt Koto und merkwürdigerweise verstehe ich seine Sprache - ruckartig lasse ich das Knie hochschnellen und verpasse der Ogress einen Stoß gegen den Genitalbereich. Da schützt sie kein Muskel. Weit gefehlt ... meine Kniescheibe zerknackt an Granit. Schadenfroh nickt die Ogress und will mir in die Nase beißen. Blitzschnell rotze ich einen Gelben hoch und die gallertartige Masse landet im Maul des Monsters. Genau in diesem Moment hält ein weißer SUV neben uns und das Fahrerfenster geht runter.
»Cain?« will sich Justin versichern und kratzt sich ungläubig an den nach hinten gegelten Haaren.
Ich antworte: »Für disch immer noch Deggard-Cäin!« und rotze erneut einen Batzen Schleim in den erschrocken aufgerissenen Mund der Ogerfrau; halte ihr dann die Luke zu und zwinge sie zum Schlucken. Endlich gelingt eine Befreiung und während sie sich fleißig übergibt, reiße ich unter Tränen einen der Teigtreter ab. Sie will - während sie kotzt - mit zerschmolzenen Lifecountern in mein Gesicht werfen, aber mein Arm lässt diese schwungvoll und elegant abprallen. Fast wie beim Disallow-Artwork, denke ich stolz, und stürme auf meinen Gegner zu. Ehe die Ogress sich versieht, frisst sie den ultimativ stinkenden Brotstiefel von Shitfinger. Und zwar ganz.

 

Es muss ein Wunder sein - eine dunkle Wolke zieht vor der Sonne entlang und wirft einen gewaltigen Schatten auf die Szenerie. In der Wolke entsteht schlagartig eine winzige Lücke und wie ein Laserstrahl schießt Sonnenlicht über das Pennymarkt-Schild ... direkt auf das Mal meines Halses.

 

To be continued ...

 

[Teil 2 findet ihr hier: Ogress Quest II - The Return of the Ping]






Fuck ist das geil :D

Eine würdige Fortsetzung des ausgemachten Bullshits. Allein der Mark Forster-Rant ist die 5 Sterne wert!

Wenns verfilmt wird würde ich einen hundsgesichtigen Ochsenknecht-Jungen für die Besetzung einer namentlich nicht genannten Nebenrolle vorschlagen. Ogress' Fahrer oder so. Sonst: geiler Stoff!
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