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"Das ist quasi wie Schach und Skat zusammen"

Geschrieben von Vico, 07. Juli 2017 · 1.046 Aufrufe

Liebe Leser,

 

so kurz vor meinem Urlaub packt mich die eigene Kreativität noch mal und ich lasse ihr freien Lauf in meinem nächsten Blog-Eintrag.

 

Im letzten Eintrag habe ich unseren liebsten Zeitvertreib mal etwas näher beleuchtet und mich dabei an der Definition eines Hobbys entlang gehangelt.
Ein Teil der Definition war die Regelmäßigkeit und wenn wir von "dem liebsten Zeitvertreib sprechen", dann nur deshalb weil wir tatsächlich Zeit dafür aufbringen.

 

Wie reagiert denn unser privates Umfeld eigentlich auf unseren Zeitvertreib MTG ?

 

Hier kann man das private Umfeld unterteilen in die Liebsten (Familie, Partner, Kinder etc.) und die Bekanntschaften/Kollegen.

 

Ich gebe gerne mal ein wenig persönliche Note hinzu und nehme mich als Beispiel. Ich bin 32 Jahre alt, verheiratet, habe ein Kind und arbeite als Angestellter im Außendienst.
Mein Alltag ist geprägt von Verpflichtungen, meiner Routine und einem fordernden Aufgabengebiet bei der Arbeit.

 

Bis hierhin alles nicht ungewöhnlich würde ich behaupten. Dann kommt da dieser kleine Unterschied zu meinen Kollegen oder gleichaltrigen Freunden: Ich gehe Freitags, gerne auch mal Samstags und ab und zu auch mal Sonntags Karten spielen !
Immer noch nicht ungewöhnlich genug? OK! Ich gehe nicht nur Karten spielen, sondern ich spiele Magic the Gathering ein Sammelkartenspiel aus den 90ern, dass sich bis heute größter Beliebtheit erfreut.
Das klingt für Euch als Leser weiterhin nicht ungewöhnlich weil ihr einen Blog-Eintrag im MTG-Forum lest - Ihr Nerds ! :D

 

Ok die Situation ist soweit beschrieben. Ich habe ein Leben als Spießer geponderet und lebe es aus mit allen Vor- und Nachteilen.
Dann ist da aber dieses dunkle Geheimnis, dieser Makel, dieser Schandfleck auf der weißen Weste des Bürgertums !

 

"Meine Güte, lass den Nachbarn doch ruhig ein paar Sex-Sklaven im Keller halten, lass ihn für die NPD auf der Liste stehen, lass ihn Abends seine Frau verprügeln wenn er gefrustet ist.
Aber der Typ... dieser Vico... ja der... spielt Nerd-Spiele in seiner Freizeit !"

 

Das ist überspitzt dargestellt und ich glaube nicht, dass auch nur einer meiner Nachbarn weiß, was ich in meiner Freizeit tue.
Eben weil ich mit diesen versoffenen Dorf-Nazis nix am Hut haben will^^

 

 

Die Arbeitskollegen kommen dann schon mal auf die Fährte und fragen mich was ich am Wochenende mache ?

 

"Ich fahre nach Prag."
"Oh schön, saufen mit den Kumpels ?"
"Nee Sorry ich trinke nicht. Ich fahre auf ein Turnier und spiele Karten."

 

... PAUSE ...

 

... STILLE ...

 

... FRAGENDER BLICK ...

 

" Was für Karten denn ?"

 

Na, wer kennt die Situation ? :D
Jetzt erklär mal einem 50 Jährigen Spießer-Kollegen bitte was MTG für ein geiler Scheiß ist. Und zwar so geil, dass man dafür quadrillionen Euronen ausgibt und ein Wochenende nach Prag fährt.

 

"Ja Du pass auf: Das ist quasi wie Schach und Skat zusammen !
Ein Sammelkartenspiel mit strategischen Elementen. Man spielt gegeneinander mit seinem Deck und will den Gegner besiegen.
Es gibt 15.000 unterschiedliche Karten mit unterschiedlichen Effekten, ein eigenes Regelwerk und auf offiziellen Turnieren sogar Schiedsrichter. Einige der Karten sind richtig Geld wert.
Die teuerste Karte ist der schwarze Lotus. Der wurde in den 90ern gedruckt und ist extrem selten. Kostet so um die 15.000$."

 

... PAUSE ...

 

... STILLE ...

 

... FRAGENDER BLICK ...

 

 

Ein bisschen Interaktion gefällig ?
Hier die möglichen Reaktionen des Kollegen:

 

a) "Ahhh, Du spielst YuGiOh?"

 

b) "Was ist Deine teuerste Karte?"

 

c) "Kann man da auch was gewinnen?"

 

d) Was sagt Deine Frau dazu?"

 

e) "Verarschst Du mich gerade?"

 

Egal wie er antwortet, dass geht meistens nicht in die Köpfe rein.
Das Grundverständnis unserer Mitmenschen von einem Kartenspiel ist in den meisten Fällen limitiert und geht kaum über Skat, Doppelkopf, Poker oder Black-Jack hinaus. Das ist soweit ja auch kein Problem.

 

Das Problem ist viel mehr, dass die erste Assoziation des Kollegen sein eigener Sohn ist, der mit 12 Jahren sein Taschengeld für legendäre YuGi-Karten rausgedonnert hat und dann mit 15 irgendwann gemerkt hat, dass es viel spaßiger ist an Mädchen "rumzuspielen", als den goldenen Götterfürsten zu beschwören :D

 

Nun gut, dann haben wir jetzt den Nerd-Stempel aufgedrückt bekommen. Intuitiv verfalle ich ohne weitere Rückfrage in diesen Momenten in einen verteidigenden Rede-Schwall:

 

"Ja nee, das ist wie YuGiOh für Erwachsene und schon extrem kompliziert, alleine die Regeln! Außerdem ist es ja kostspielig und der An- und Verkauf von Karten ist ein bisschen mit dem Aktien-Markt zu vergleichen.
Auf den Turnieren sind natürlich auch jüngere Spieler, aber eben auch Gleichaltrige und Frauen sind sogar auch da :lol: ... und ... und .... und.... außerdem ist es ja auch besser so seine Zeit zu verbringen, als irgendnen Blödsinn anzustellen!"

 

... PAUSE ...

 

... STILLE ...

 

... FRAGENDER BLICK ...

 

Man kann es an dieser Stelle drehen und wenden wie man will. Wenn der Kollege nicht selbst eine nerdige Ader hat, wird man den Stempel nicht mehr los.

 

Diese Story ist genau so passiert und ich finde es ehrlich gesagt amüsant.
Der Kollege ruft mich mittlerweile Freitags nur noch vormittags an, weil er weiß das ich Abends MTG zocke und wenn er sein dienstliches Anliegen mit mir geklärt hat, faselt er immer irgendwas von einem schwarzen Lotus und lacht sich dabei halb schlapp :D

 

Ist mir das peinlich ?
Nein. Ich habe im ersten Blogeintrag bereits über meine Auffassung zu meinem Hobby und den Einfluss auf mein Selbstbild geschrieben. Ich kann jeden Außenstehenden verstehen, der dieses Thema MTG einfach nicht greifen kann.
Den Nerd-Stempel trage ich mit einer kräftigen Schippe Humor und der Gewissheit ein Spießer mit einem dunklen Geheimnis zu sein :)

 

Im nächsten Eintrag dann die Leiden meiner Familie mit dem Zocker-Papa !
Bis dahin gehe ich erstmal in den wohlverdienten Spießer-Urlau.

 

Bis dann und

 

LG Vico :)






"Oh schön, saufen mit den Kumpels ?"
Ich sag dann einfach immer

"jo"

​P.S.: Nimm Pecs mit für Sliwowitz-Action im best Western best dern.

Ich hab jetzt sogar schon 2 meiner Kollegen auch mit Magic infiziert, woohoo :D

Am WE wars mal wieder langweilig, und wenn der Chef sowieso nicht da ist.. ;)

    • Vico hat sich bedankt

"Oh schön, saufen mit den Kumpels ?"
Ich sag dann einfach immer

"jo"

 

Same Babo - Different Answer !  :ugly: 

Blog des Jahres, no competition :lol: (auch nicht der von mir verlegte Google-Blog)
    • Vico hat sich bedankt
Meiner Erfahrung nach lachen die Leute nur so lange über Magic bis sie es einmal selbst gezockt haben und merken was für geiler Scheiß es ist ;)
Mein Vater verurteilt mich heute noch für dieses Spiel.

Mein Vater verurteilt mich heute noch für dieses Spiel.

 

Family-Issues kommen nach 2 Wochen italienischer Sonne und Familien-Inspiration im zweiten Teil.  

 

#ritterschlagconfirmedwennderfuchsdenblogliest 

Ich erkläre es immer als Mischung aus Schach, Skat und Poker. Gerade die Pokerkomponente (Bluffen) darf man nciht unterschätzen.

    • Vico hat sich bedankt

"Wie eine Mischung aus Schach und Poker" ist meine Standardantwort seit 10 Jahren :D

Meine Mutti fragte mich schon so manches Mal, ob ich das nicht beruflich/professionell machen mag.

Musste ihr dann immer erstmal erklären, wie das so mit Legacy ist... 8[

Und generell...

Aber irgendwie super süß. :D

Sehr schöner Blogeintrag. Da hast Du wohl vielen Ü30er (inkl. mir) aus der Seele geschrieben.

    • Vico hat sich bedankt

Dafuq ! Ich bin ja doch schon 33 - Gerade bemerkt ^^

Jo, läuft bei mir ähnlich:

 

Er/Sie: Was machst am WE?

Ich: Ich fahr nach [Stadt]. (Hier endet das Gespräch in 30% der Fälle)

 

Er/Sie: Was machst? Saufen?

Ich: Das und Karten spielen. (Hier endet das Gespräch in 30% der Fälle)

 

Er/Sie: Poker oder was?

Ich: Ne, Mägic.

Er/Sie: Was das denn?

Ich: Sammelkartenspiel, sowas wie Yu-Gi-Oh oder Hearthstone, falls du das kennst. (Kennen viele, hier endet das Gespräch in 30% der Fälle)

 

Er/Sie: Was macht man denn da? Erklär mal!

Ich: Man hat Monster und Zauber und versucht seinen Gegenspieler mit denen zu knechten. Mit Drachen und Feuerbällen und so. Macht mega Bock.

 

Das reicht den Hartnäckigen als Erklärung dann auch, ich Versuche auch gar nicht erst in die Details einzugehen, weil das eh Niemand versteht, ohne Vorkenntnisse. Je mehr man in die Details eingeht, desto bekloppter schauen einen die Leute danach an. =D

Nunja, man muss Magic nicht zwingend mit Feen, Engeln und Einhörnern erklären. Müsste ich es Uneingeweihten darlegen, würde ich es als ein universelles Kartenspielsystem vorstellen, das gewissermaßen alle denkbaren Brett- und Kartenspiele in einem Regelsystem vereint und das auf der ganzen Welt verbreitet ist und von Millionen Spielern gespielt wird. Dabei hat jeder Spieler durch die freie Zusammenstellung von Sammelkarten die Auswahl, auf welche Weise er den Gegner besiegen möchte.

 

Das genügt, um das Wesen und den Reiz des Spiels zu veranschaulichen, ohne wie ein zurückgebliebener Trottel zu wirken und vielleicht sogar Interesse zu wecken.

    • Vico hat sich bedankt

Ich machte die Erfahrung, dass wenn man das wem erzählt, viele Interesse zeigen.

Dann muss man den ganzen Shit erklären und sich zum Schluss mit dem noch treffen zum Spielen.

Da verschweige ich lieber dass ich Magic spiele.

Ja das ist natürlich das Schlimmste was passieren kann! Magic spielen müssen^^

Ist in der Tat das Schlimmste was passieren kann:

 

KÜCHENTISCHMAGIC mit SCRUBS zocken zu müssen :D 

 

#competitive, all day erry day.

 

@Vico: Nicer Blog, bin zwar noch etwas jünger, allerdings kenne ich genau die von dir beschriebene Interaktion nur zu gut. Bei meinem Hauptjob als Chemiedoktorand wissen das einfach alle und können meist was damit anfangen, weil die meisten Kollegen selber ne Nerdader haben (X-Wing, Warhammer, D&D :D), da ist dann immer eher die erste Frage "zockt man das am PC?". Beim Nebenjob (Patentanwaltskanzlei) sieht das ganze dann schon etwas anders aus, da bin ich eher dazu übergeangen einfach nur zu sagen "mache Städtetrip mit Freunden" weil da weniger Verständnis fürs pappe drehen da ist.

 

Wollte einmal ner Kollegin das ganze erläutern, endete dann damit, dass sie erstmal gegoogled hat und sich über die insanen Preise für Displays gewundert hat. Auch der Vergleich Deck = Satz Golfschläger, also Sportgerät was man zum ausüben braucht war dann nicht wirklich eingängig.

 

tl:dr

 

Einfach nur bei den Leuten die es auch verstehen können weiter einsteigen, spart einem viel unnötiges Gerede ^^ 

Hey Apocalypso vielen Dank. Als Du das mit dem Golfschläger schriebst, musste ich irgendwie lachen ^^ Im ersten Blogeintrag bin ich noch über die Golfer hergezogen. Beruflich habe ich auch gelegentlich mit Anwälten zu tun. Und das ist einfach mal sowas von Klischee ! Der golfende Anwalt der im nagelneuen Volvo mit Golf-Bag seinem Hobby nachgeht und sich im "Golf-Club" dann San Pellegrino für 8€ gönnt :ugly:

Wäre nice wenn jeder Chef auch mal zugeben würde das er MTG zockt. :D

PS: Mein Arbeitskollegen finden das eher immer interessant wenn ich davon erzähle, egal ob Belgien, Prag oder Japan usw usw kann man sie schnell dafür begeistern.

Besonders wenn ich Ihnen Bilder zeige von den Hallen mit 5000 Spielern sind sie baff xD
Ich denke es gibt auch genug Menschen die es gerne ausprobieren würden, ihre Norm, Regeln, * das ist nicht normal in meinen Alter Schweinehund* aber nicht bei Seite legen können. 

    • Vico hat sich bedankt
nicer Blogeintrag! *****

Keiner meiner wirklich engen Freunde, die ich teilweise seit mehr als 20 Jahren kenne, hat jemals auch nur ein Spiel Magic mit mir gespielt und ich spiele seit dem Masken-Block...so ein Desinteresse, trotz erneuter Werbung (mittlerweile nicht mehr...) ist schon wirklich bemerkenswert! Da bin ich einfach als Sonderling der Pappkarten sammelt abgeschrieben und das ist so OK mit allen.

Seit etwa 8 Jahren gehe ich jeden (jeden!) Donnerstag Abend mit einem von meinem eigentlichen Freundeskreis völlig losgelösten neueren Freundeskreis Magic spielen. Das ist mittlerweile so etabliert, dass ich bei möglichen donnerstagabendlichen Abendplanungen auch einfach nicht mehr gefragt werde...

Auf der Arbeit (aktuell Wissenschaftlicher Mitarbeiter anna Uni) kennt das Spiel natürlich auch keiner der Kollegen, habe aber zum Anlocken von möglichen Gleichgesinnten (man erkennt die ja nicht einfach so...) direkt am ersten Tag nen Foil "Research Assistant" an meine Bürotür geklebt, was schon zu einigen unerwarteten und sonst ausgeschlossenen Begegnungen geführt hat! Kann ich nur empfehlen ;)
    • Vico hat sich bedankt
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