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* * * * * 3 Stimmen

UtB: Ogress Quest VII - Life is a Bridge

Geschrieben von Deck-Art Cain, 23. Mai 2019 · 459 Aufrufe

Bridger Under the Bridge Fiktion Roman

[Die Geschichte setzt voraus, den ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Teil gelesen zu haben. Warnung: Im Folgenden kommt es zu einer verwirrenden Reise durch das Raum-Zeit-Kontinuum. Alles Humbug? Von wegen! Ölt den Fluxkompensator!]

 

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Titelbild der Episode VII: Die lange, einsame Straße des Lebens - wird Cain sie erfolgreich überqueren können? Oder endet er wie ein überfahrenes Stinktier? Findet es heraus ... in der neusten Episode von OGRESS QUEST!

 

Verschwommen baut sich eine vertraute Szenerie vor meinen zusammengekniffenen Augen auf. Nervige Chartmusik ist hörbar, Geruch von teurem After Shave steigt in die Nase, pimmelige Goblin-Karten ruhen in meiner Hand.
»Na ja, gut war das Spiel nicht wirklich, oder?«, meint ein dürrer Typ mit milchfarbener Visage, der mir gegenüber sitzt und an einer Dose nuckelt.
Hmm, was?
»Du solltest Mono Rot spielen«, fährt er fort. »Das Schwarz tut den Goblins nicht gut.«

Das ist doch Justins Küche! Der Abend vor vielen, vielen Monaten ...
»Ähm. Ich ...«
»Schau dir lieber ein paar richtige Guides an, im Netz gibts davon viele.« Wegen dem Gelaber schwallt mir der Geruch von seinem Hipster-Gesöff entgegen und ich höre, wie Justin gerade die Combo gegen seine wehrlose Frau zündet: »Und ich greife mit allen an, haha!«. Mark Forster dudelt im Hintergrund. Mein Herz schlägt wie wild und ich schaue zur Fensterscheibe, doch nirgendwo finde ich den robenbedeckten Kopf von Shitfinger. Dezente Panik kriecht in mir hoch.

»Wo ist Shitfinger?«
»Shitwas
»Shitfinger! Der Mann, der mich in UtB-Magic eingeweiht hat!«
Justin nippt an einem riesigen Weißbierglas und spuckt das Zeug vor Lachen fast auf seine gebannten Karten.
»Wir haben die Ogress beim Trollcup besiegt«, sage ich wie hypnotisiert und wische mit zitternder Hand Schweiß von der Stirn. »Sie wurde vertrieben ... doch dann überfiel die blaue Garde unser Lager!«
Die Ehefrau von Justin mustert mich angeekelt, ganz so, als wäre ich ein exotisches Stück Scheiße in einem Klosett aus Marmor.
»Wir wurden von Wald-Kobolden aufgenommen. Sie heißen Brown und Stink.«
»Alter, Cain. Was ist los mit dir? Was für Wald-Kobolde?«
Paranoid stürme ich zum Fenster und blinzel in den Nachthimmel. »Die schwarzen Helikopter waren hinter uns her. SIE WOLLTEN UNS EINFANGEN!«
»Hör mal, jetzt setz dich erst mal hin«, meint der Hausherr und mustert mich besorgt. »Rebecca holt dir eine Fritz-Kola und dann atmest du mal richtig durch. Ich wusste schon immer ... dieses ganze hochprozentige Craft-Bier aus Belgien sprengt irgendwann deine Hirnwindungen!«
»Wir flohen und schlossen uns in England einer revolutionären Magic-Bewegung an«, brabble ich weiter. »Der Zusammenschluss verschiedener Obdachlosen-Clans und Punk-Gangs. Ein Haufen wahnsinniger Bridger, die bereit waren, die Welt in ein neues Zeitalter zu führen
Rebecca tippt aufgeregt auf ihrem Smartphone herum, hält es ans Ohr und sagt: »Ja, guten Abend. Ein Psychopath befindet sich in unserem Haus - könnten Sie so schnell wie möglich kommen?«
»Doch dann ...«, wispere ich und starre an die Decke, wobei ich langsam zu Boden sinke und mich an den arschteuren Gardinen festkralle. »... dann rottete man unseren gesamte Bewegung aus
»Ja, und ich bin in Wahrheit Ash Ketchum«, erwidert das Milchgesicht amüsiert und putzt dabei die Hülle seiner Liliana of the Veil mit einem Feuchttuch.
»Ich bin der einzige Überlebende.«
»Du bist ein krankes Stück Scheiße«, entgegnet Rebecca und zerrt mich von ihren Gardinen weg. Ich reiße das seidene Zeug aus den Halterungen, stürze mit der Tusse zu Boden und wir verwickeln uns bei dem Gerangel im Stoff. Das Letzte, was ich sehe, ist Justin ... wie er eine Charles Darwin-Büste von einem Sockel nimmt und die schwere Skulptur mit beherztem Schwung auf meinen Schädel schlägt.

 

VII.I: DIE GOLDENE EBENE
Der Traum endet, als ich mit voller Wucht auf einen gefliesten Boden knalle. Vor meiner Nase: Die Springerstiefel zweier Handlanger der blauen Garde.
»Wie viele Penner dieser Art wollen wir hier noch einlagern?«, sagt einer der Wichser und seufzt.
»Keine Ahnung. Der hier ist aber anscheinend etwas Besonderes.«
»Besonders dreckig ist er, ja.«
»Kein Kack. McQueen will ihn unversehrt zur Goldenen Ebene bringen. Also lass ihn ein wenig am Leben, Ok?«
Ein Tritt in meinen Magen und Säure schießt zum Mund hoch. Noch ein Treffer und ich schmecke abermals meinen eisenhaltigen Lebenssaft. »Was für eine jämmerliche Gestalt.«
»Schau, wie er sein beschissenes Deck umklammert.«
Meine verkrampften Krallen halten immer noch die Karten fest, die ich beim Finale gegen den Diplomaten ins Feld geführt habe. Einer der wuchtigen Stiefel stampft auf die Hand - Karten verbiegen und Knorpel knacken.
»Ich packe diesen Scumbag nicht an. Sag dem Praktikanten, er soll all diesen Penner-Krempel einkassieren und den Typen waschen. Er brauch auch neue Kleidung.«
... ein paar Schritte und schon schlägt die schwere Metalltür zu. Beeil dich, Cain ... verdammt nochmal ... versteck die Karte! ... der gummizellenartige Raum ist komplett leer. Aber wo? Wo soll ich sie reinstecken? Ich schaue langsam an meinem Körper runter und verziehe das Gesicht - was muss, das muss. Gehetzt suche ich im Deck nach Ogress Breasts, der ersten Magic Karte, die jemals existiert hat und fange an, die Pappe zu rollen. Flink die Hose runter ... und das Stäbchen wandert mit großen Schwierigkeiten in den rektalen Geheimgang. Ich habe wortwörtlich die Arschkarte.
»Verfluchte Scheiße«, flüstere ich und halte mir die vielen schmerzenden Bereiche, die mein Körper mittlerweile aufweist; die gebrochene Hand ist dabei das kleinere Übel. Dann geht die Tür erneut auf und ein pickelübersäter Lauch beschlagnahmt all meine Klamotten. Glück gehabt - ich hoffe nur, hier drin sind keine Überwachungskameras ...

 

All meine Habseligkeiten wurden verbrannt und ich trage jetzt einen Krankenhauskittel, bei dem der hintere Teil ausgespart wurde; weswegen ich hoffe, dass kein Stück der Karte zu sehen ist. McQueen steht neben mir in einem sterilen Aufzug und sein Bild hat sich komplett geändert: Gepflegte, zurückgegelte Haare, Sonnenbrille, Vollrasur, Anzug, Krawatte. Seine goldenen Beißer grinsen breit. »Ich wollte all deine Freunde nicht eliminieren«, sagt er und macht eine unschuldige Geste mit den Händen. »Aber was man nicht beherrschen kann .... das beseitigt man besser.«
Ich schaue nur vor meine Füße und sage kein Wort.
»Warte! Halt! Ich war es ja gar nicht!«, kichert er und hält mir eine amerikanische Zeitung aus Nevada unter die Nase. "Terroristen sprengen sich selbst in die Luft - Unfall auf der Tower Bridge!" lautet es auf dem Titelblatt. »Ein Unfall«, bekundet McQueen dramaturgisch und zündet sich eine Kippe an. »Ein wahrhaft trauriger Unfall! Das kommt davon, wenn linksradikales Gesindel mit Feuer spielt.«
Wir bleiben im Stockwerk "-12" stehen; der demaskierte Agent tippt eine Zahlenfolge ins Terminal ein und die Türen gleiten auf. Der Fahrstuhl wird von gleißendem Licht überflutet.
»Hier ist die Goldene Ebene. Geh schon, einsamer Affe!«
Wir betreten einen gewaltigen Flur, dessen Ränder mit Statuen von Mainstream-Magic-Legenden bestückt sind. Lebensgroße Versionen von Tarmogoyf, Dark Confidant oder Snapcaster Mage erstrahlen in goldenem Glanz. Am Ende des Ganges blendet uns ein Licht, was wie tausend Sonnen funkelt. Der ehemalige Diplomat schuppst mich nach vorne und nach einigen Schritten erkenne ich, dass das extreme Licht von einer Kreatur ausgeht, die auf einem Thron zu sitzen scheint.
»Nicht jeder hat das Privileg, ihn sehen zu dürfen«, sagt McQueen und pustet Qualm in mein Gesicht. »Heute ist dein Glückstag, Chimp.«
Umso näher wir kommen, desto deutlicher höre ich klassische Musik aus der Richtung des Throns kommen. Das Strahlen der Gestalt wird unerträglich und als wir endlich vor ihr stehen, kniet sich McQueen wie ein Würmchen hin und sagt ehrfurchtsvoll: »Euer Ehren. Swandalfs Primitivlinge wurden erfolgreich beseitigt. Letzten Endes blieb uns keine andere Möglichkeit - ich ...«
»Schweige, Wicht!«, donnert die leuchtende Gestalt, wobei die Stimme nichts Menschliches an sich hat; sie strotzt vor Kälte und wirkt eher mechanisch. McQueen glotzt verlegen auf die Bodenkacheln, welche aussehen, als wären sie aus reinem Gold. Hinter jedem hohen Tier wartet ein noch größeres Monster auf sein Fressen, denke ich mir und halte meine gebrochene Hand über die Augen, damit ich die riesige Gestalt besser erkennen kann.
»Ist der Zauberer wirklich ausgelöscht?«, donnert es erneut. Die Töne wirken wie eine mechanische Knochensäge und ein Schauer wandert über meinen ungewohnt sauberen Rücken. Der Effekt verstärkt sich, als die Augen sich an das Strahlen gewöhnen: Das Abziehbild eines Treasure Keepers formt sich nach und nach im Licht. In der Brust vibriert reines Gold und der triangelförmige Kopf starrt direkt in meine Seele, obwohl ich keine Augen in ihm erkennen kann. Der Pfeifenqualm, den Swandalf damals im Wald aus seinen Lungen quetschte, hatte uns die Wahrheit gezeigt. Hinter der Verschwörung ... hinter all der Zerstörung und der Pein ... steckt diese Entität.
»Ja, der Zauberer, sein Sohn, der Heerführer und hunderte Bridger. Alle wurden pulverisiert, mein Herr.«

 

VII.II: ENDBOSS
»Und wer soll das sein?«, will der Keeper wissen und Wut kocht in ihm hoch. Das geschmolzene Gold in seiner Brust wirbelt in wilden Mustern.
»Ein Überbleibsel. Es ist Cain, er ...«
»Versiegel deine Lippen, Wicht.«
Der Keeper erhebt sich langsam und ein vielfaches Stöhnen erfüllt den Raum - erst jetzt sehe ich, dass sein "Thron" aus Menschen besteht! Mehrere Leute in gelben Roben reiben sich den Buckel und schauen uns hilfesuchend an. Der roboterhafte Sklaventreiber schreitet auf mich zu und Amulette baumeln um seinem Hals herum; es sind Real-Life-Versionen von Mox Jet, Mox Emerald, Mox Pearl und Mox Sapphire!
»Cain«, hallt es durch die tiefsten Furchen meines Innern. »Der Cain?«
McQueen nickt eifrig und schluckt eine imaginäre Bleikugel herunter. Ein Diener bemerkt, dass sein Meister aufgestanden ist und eilt mit einem Tablett herbei. Mir gefriert das Blut: Auf der Platte winden sich drei neugeborene Menschenbabys! Der Diener erkundigt sich, ob der Meister einen Mittags-Snack haben möchte. Dieser greift kommentarlos nach einem der Babys und schreitet weiter auf mich zu, wobei ich mich zusammenreißen muss, nicht in die nonexistente Hose zu scheißen - niemals dürfen sie von der Karte erfahren.
»Wegen dir hat meine Schwester ihre Stimme verloren«, sagt der Treasure Keeper und plötzlich leuchten zwei bedrohliche rote Punkte an der pyramidenförmigen Kopfkonstruktion auf. Seine Schwester?
»Ja«, betont McQueen mit Wonne. »Du hast die Ogress bei einem Kampf verletzt - und zwar mit den fiesesten Mitteln. Sie musste einen Schuh aus Brot verzehren, erinnerst du dich, Cain?«
Meiner Verdutzung weicht Trauer ... der zweite Stiefel wurde mir vor einigen Minuten entfernt. Shitfingers Cape ist verbrannt. Alles scheint sich nach und nach in Asche zu verwandeln.
»Unsere kleine Ogress war nie sonderlich nützlich«, sagt der Keeper emotionslos. Das Baby strampelt weinend in seiner roboterhaften Pranke. »Ein Ausnahmefall in unserer Familie. Als Maulwurf war sie allerdings immer zu gebrauchen - bis du und deine "Freunde" in die Quere kamen ...«
Bei den letzten Worten ist die knochensägenhafte Stimme besonders schrill und die roten Augen glühen ein Stück intensiver. »Du hast unser Geschäft geschädigt. Dafür wirst du leiden« ... unter seinem Kopf entsteht eine Öffnung, in der mehrere Messer rotieren und das Baby wird langsam in ihre Richtung gehoben. Er will es zerhexeln!
»Schluss mit den Spielchen«, sagt eine Person hinter uns. Ein Mann in blauem Smoking geht an mir vorbei und befreit den Neugeborenen aus der Metallzange des Keepers. »Verzeiht die Gebärden von Hass-Bro. Er weiß nicht, wo ihm der pyramidenförmige Kopf steht.«
»Brian!«, keucht McQueen entsetzt und seine Körperhaltung wird noch wurmiger. Auch das Auftreten von "Hass-Bro" ändert sich drastisch: Die Schultern des Keepers sinken, die Augen leuchten fortan gelb und das Goldene in seiner Brust wirkt fahl. Brian legt den Neugeborenen auf das Tablett zurück und Wutschweiß bedeckt seine gebräunte Visage.
»Bruder ...«, will der Keeper einlenken - doch ein Zischen von Brian reicht, um Hass-Bro zum Verstummen zu bringen. Hinter jedem hohen Tier wartet ein noch größeres Monster auf sein Fressen.
»Ihr seid dieser Bridger, nicht wahr?«, will Brian wissen. »Der Typ, der auf unserem Cousin Karten gespielt hat.«
Seitdem ich aufgewacht bin, habe ich kein Wort gesagt.
Brian fährt fort: »Er hat im Bankenviertel von London gearbeitet; ihr habt ihn entführt und als Tisch benutzt. Er hat sich eingeschissen.«
Ups.
»Dieser Chimp hat eure Familienehre mit Füßen getreten!«, versucht McQueen aufzustacheln, doch der Mann im blauen Smoking bringt ihn per Handflächen-Geste zum Schweigen.
»Er hat unsere Familie herausgefordert«, sagt er. »Ich liebe Herausforderungen
Er zollt mir dafür überraschenderweise seinen Respekt und entschuldigt sich für das unfaire Verhalten seines Bruders. Ich werde in einen Konferenzraum geleitet und Brian erzählt von der Geschichte seiner Dynastie; wie seine Familie seit Jahrhunderten Kartenspiele vertreibt und damit ein Vermögen macht. Er meint, Magic sei dafür prädestiniert, besonders viele Goldbarren anzuhäufen. Aus offensichtlichen Gründen: Nach einer Weile betreten wir eine Halle, in der Hunderte von Arbeitern an Druckermaschinen stehen und sie pressen bogenweise die wertvollsten Karten, die man sich vorstellen kann; sogar aus alten Editionen! Anstatt in Booster-Packungen zu wandern, werden die Einzelkarten in Büroräume geleitet. Auf den Monitoren sieht man die Oberfläche von Magickartenmarkt flackern und Angestellte sind fleißig damit beschäftigt, Exemplare wie Black Lotus, Time Walk und Tropical Island einzutüten und zu verticken!
»Es kommt anscheinend niemand auf die Idee ...«, sagt Brian mit einem diebischen Lächeln. »... dass unser Unternehmen selbst die Karten verkauft. Zu Inflationen kommt es kaum - ein wunderbares Geschäft.«

 

VII.III: CONCORDANT CROSSROADS
»Eure Penner- und Punkgelage konnten unsere Umsätze nachweislich um 1% minimieren«, meint Brian und grinst dabei arrogant. Auch er besitzt goldene Beißer. »Wie man sieht, hat uns das kaum geschadet. Die Aktionen den Bridgern gegenüber waren maßlos übertrieben. Hass-Bro agiert gerne impulsiv. Außerdem ist er ein reiner Kontroll-Freak.«
Wir befinden uns mittlerweile wieder im goldenen Thronsaal und der Keeper sitzt eingeschnappt an einem Altar und spielt Affinity gegen sich selbst. Seine Playmat sieht aus wie gegerbte Menschenhaut und die Foil-Karten, die er nach und nach darauf platziert, reflektieren den goldenen Schein seines luxuriösen Körpers. Verdutzt mustere ich seine Sleeves.
»Die Hüllen bestehen aus Fell«, erläutert sein Bruder und schüttelt angewidert den Kopf. »Er hat die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratten bei lebendigem Leibe gehäutet. Es waren die letzten Exemplare dieser Welt.«
Es entsteht ein kurzes, andächtiges Schweigen.
»Ich werde unserem Vater von den Dingen berichten, die Hass-Bro Euch angetan hat. Absurditäten dieser Art kommen in Zukunft nicht mehr vor.«
Eine lausige Entschädigung für all das Böse, was mir und den anderen widerfahren ist ...
»Trotzdem gilt es, eine Rechnung zu begleichen«, sagt Brian plötzlich und seine relativ freundliche Mimik entgleist. Wie der Teufel persönlich steht er vor mir und reibt sich das perfekte Kinn. »Glaubt Ihr tatsächlich, ich lasse Euch ohne Weiteres frei?«
Ich gebe immer noch keinen Ton von mir.
»Wie gesagt: Ich liebe Herausforderungen. Und Ihr?«
Kein Wort.
»Mir ist zu Ohren gekommen, dass Ihr für die Weltmeisterschaft der Bridger qualifiziert seid, da McQueen euer Match beim Trashcan Tournament unterbrochen hat. Ihr seid der offizielle Sieger.«
Schweigen.
Der Geschäftsmann macht einen Deal: »Falls Ihr beim Worldfuck ebenso siegreich seid, ziehen wir die blaue Garde von Eurer geliebten Heimatbrücke ab und ihr könnt Magic zocken, bis euch der Schimmel über die Augen wächst.«
Der Keeper schaut uns grimmig über die Schulter hinweg an.
»Ihr bekommt dieses nette Halsband angezogen«, sagt Brian und zeigt mir eine metallene Konstruktion. »Wenn Ihr das Turnier nicht gewinnt, löse ich per Knopfdruck einen Gift-Mechanismus aus und Ihr werdet elendig sterben.«
Was soll dieser ganze Mindfuck? Das ist wie in einem schlechten Roman!
McQueen schleicht heimlich näher und fragt vorsichtig, ob ich wirklich "einfach so" freigelassen werden soll. Brian verpasst dem Hünen eine so saftige Schelle, dass er gegen den Tisch des Keepers prallt und ihn umwirft. Ein Steel Overseer rutscht zerknickt über den goldenen Boden und ein Mox Opal aus der Kaladesh-Inventions-Edition liegt zerquetscht unter dem umgeworfenen Altar. Huiuiui ... das wird McQueen garantiert nicht überleben.
»"Einfach so" meinst du, elender Narr?«, ereifert sich Brian und fügt bitterernst hinzu: »Den Worldfuck gewinnt man nicht "einfach so" ... daher lasse ich Cain auch nicht "einfach so" frei. Bei diesem Turnier spielen die abgewichstesten Penner der Welt gegeneinander; die übelsten Magic-Spieler des Planeten
Ich höre, wie die Messer am Kopf des Keepers anfangen, zu rotieren. Sein Bruder fährt fort: »Ihr seid übrigens schon in Amerika; genauer gesagt: Unter dem Groom Lake.«
Völlig gleichgültig starre ich an die Decke und kratze meinen Hintern, der von einem Windzug erfasst wird.
»Wir lassen Euch jetzt frei. Das Turnier beginnt in 24 Stunden - zu Fuß benötigt man von hier aus knapp 200 Stunden zur Golden Gate Bridge. Viel Glück, Cain.«
... und sein diabolisches Lachen vermischt sich mit den Todesschreien des Diplomaten.

 

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Ich schlurfe seit endlosen Momenten über die Groom Lake Road und die Sonne zerbrutzelt meine Haut. Eine waschechte Lavaball Trap. Der fernsteuerbare Metallring um meinen Hals glüht förmlich - ich werde wohl ein fesches Branding davontragen. Alle 30 Minuten fährt ein Militär-Jeep vorbei, meistens samt mysteriösem Anhänger, und mein gebratener Daumen interessiert die Fahrer einen Scheißdreck. In mir kommt die Gewissheit auf, dass ich in dieser trostlosen Wüste sterben werde und bedauernswerterweise ist mir dieser Umstand vollkommen egal. Ich habe alles verloren: Koto starb in meinen Armen; seine Freundin und Golem vor meinen Augen. Ich sah, wie Hunde lebendig auf einem Haufen verbrannt wurden und musste mitansehen, wie man meinen Meister brutal erhängt hat. Die makabre Krönung war der elende Massenmord auf der Turmbrücke, bei welchem hunderte Bridger ihr Leben lassen mussten. Seitdem bin ich innerlich tot; in jener Nacht starb etwas in mir.
Stunden später gehe ich hinter einem Kaktus in der Nähe einer Geisterstadt kacken und beinahe hatte ich es fast vergessen: Aus meiner bemitleidenswerten Kotpfütze lugt die Karte heraus. Ich wische sie an meinem Kittel ab, halte das Schmuckstück ins Mondlicht und werde melancholisch. Kurz, nur ganz kurz, ist da erneut Leben in mir. Doch schnell erlangen wieder Zorn und Verzweiflung die Oberhand und ich will gerade die erste Magic-Karte, die jemals existiert hat, in Teile reißen ... als eine bekannte Stimme von einem verlassenen Haus aus herüberruft:
»Hey, mein Freund!«

 

VII.IV: DEATH VALLEY / EBENEZER SCREWED
Auf der Terrasse einer alten Ranch sitzen zwei Typen auf Schaukelstühlen und der Linke winkt mir zu; er trägt eine auffällige Robe.
»Komm her!«
Wie hypnotisiert folge ich seinem Ruf und reibe mir verdutzt die Augen: Die beiden Typen leuchten regelrecht im Dunkeln und die blau-glimmenden Körper scheinen transparent zu sein!
»Du hast doch nicht die Dominatrix im perversen Duell besiegt ...«, meint der Robenträger erheitert. »... um die Karte nun zu zerreißen. Jetzt, wo die Weltmeisterschaft vor der Tür steht!«
Ich gehe die vermoderte Treppe hinauf auf die Terrasse und kann es kaum fassen - Shitfinger schaukelt gemütlich im Stuhl herum und hält zerpflückte Magic-Karten in den Händen! Sein Gesicht ist mit Fleisch und Haut bedeckt ... und trotz dieses ungewohnten Anblicks kann ich ihn glasklar identifizieren. Das ist er ... mein alter Mentor!
»Du "lebst" noch?!«
»Life is a Bridge«, antwortet Shitfinger freudig. »Das Leben ist nur eine dreckige Brücke, hin zu einer besseren Welt.«
Ihm gegenüber wippt ein Kerl in Lumpen vor und zurück, auch er hat Karten in der Hand. Sie zocken - hier, mitten in der gottverlassenen Wüste Nevadas. Auf einem großen Fass, welches zwischen den beiden platziert wurde, eskaliert gerade Boris Devilboon - er hat schon zwei Token generiert! Shitfinger lächelt zufrieden und zeigt mir eine seiner "neuen" Hände.
»Der Tod hat auch seine Vorteile«, sagt er und flickert die Karten herum wie ein Pro. Mir gruselt es leicht und in der Ferne jaulen passend dazu Kojoten. Zögernd fahre ich den Arm nach vorne und will meinen alten Kameraden anfassen - doch meine Hand fährt ganz klassisch durch seinen schemenhaften Körper.
»Esch isch keine Zeit für Kitzeleiennn«, sagt der andere Typ. Sein Blick sieht auffordernd aus, ganz so, als ob ich ihm etwas schuldig wäre.
»Common-Eye Joe hat recht«, meint Shitfinger und nickt bedeutungsschwanger. »Wir sind hier, um dich zu warnen!«
»Heute Nacht werden disch drei weitere Geischter heimsuchn«, erklärt Joe und fängt an, irgendeinen Alkohol aus dem Fass zu zapfen. Er reicht mir das müffelnde Zeug und als ich blinzele ... sind er und Shitfinger verschwunden. Schnell kippe ich den Alk runter und gönne mir danach weitere Einheiten. Das Kojotengeheule kommt immer näher; ich gehe lieber in das Haus und finde sogar ein intaktes Bett im 1. Geschoss. Was für ein merkwürdiger Tag, ich brauche dringend Schlaf ...

 

Mitten in der Nacht schrecke ich aus dem staubigen Bett hoch: Eine ohrenbetäubende E-Gitarre erschüttert die Ranch und direkt vor dem geöffneten Fenster schwebt ein fetter Geist im Nachthimmel. Er spielt das krasse 'Soilwork'-Solo aus dem Stück 'Needlefeast' nach. Und, ja, es ist Bronco - mein ehemaliger Schulkamerad!
»Bronco, Alter ... was ...«, will ich sagen, doch er hat es eilig und verzichtet auf Smalltalk: »Ich bin der Geist des vergangenen Magic! Uns bleibt nur wenig Zeit - das Turnier naht! Halt dich an meiner Klampfe fest!«
Er lässt den Korpus des Instruments nach unten hängen und ich greife zu. Sofort fangen wir an zu fliegen und in Windeseile zieht die öde Landschaft an uns vorbei. Dann geht es ganz schnell; die Kulisse ändert sich auf magische Weise: Wüste weicht Asphalt. Kakteen werden zu Hydranten. Berge zu Häusern. Der Mond zur Sonne. Und schon schweben wir über unserer alten Schule im Jahre 1996.

 

VII.V: STRANGER THINGS
»Da sind wir«, sagt Bronco stolz und er meint es doppeldeutig. Auf dem Schulhof kauern zwei Außenseiter in einer Ecke herum, während alle anderen Seilchen springen, Tischtennis spielen oder erste pubertäre Annäherungsversuche starten. Wir landen direkt bei den Outsidern in der dunklen Ecke. Mein altes Ich liegt mit dem Bauch auf dem Asphalt und zappelt aufgeregt mit den Füßen herum; neben einer Kerze öffnet es frische Alliances-Booster.
»Hier, Bronco - guck mal, was für ein cooles Artwork!«, ruft der kleine Cain. Mini-Bronco nimmt Todesfunke zwischen die Stümmelfinger und verliert vor Staunen Burger-Happen aus dem Mund, die auf sein 'Metallica'-Shirt bröseln. »Woah, Laserstrahlen direkt ins dritte Auge, Alter! Meine arme Lim-Dûls Ehrengarde
Als nächstes wird Fieberstärke aus dem Booster gefischt und der kleine Cain jubelt: »Die kannst du haben! Dann werde deine Skelette noch stärker!«
Er wirft die Karte zu seinem Freund und sie ratscht über den Boden, wodurch die ersten Kratzer entstehen. Mini-Bronco leckt die Finger ab und hebt das Teil auf - mit 100%iger Sicherheit hinterlässt das hartnäckige Fettflecken auf der Pappe. Der Geist tritt neben mir und legt die durchsichtige Hand auf meine Schulter. Es riecht nach frisch gemähtem Rasen und vereinzelte Grillen zirpen erleichtert. Eine Straße weiter lockt ein Eiswagen die Kinder mit schrillen Klingeln herbei. Ein perfekter Tag in den 90ern.
»Das waren noch Zeiten, oder?«, fragt der Geist und ich sehe Tränen in seinen Augen funkeln. »Unschuldig, frei und unbekümmert. Ja, so waren wir.«
Ich muss mich zusammenreißen, nicht loszuheulen. Er ergänzt: »Keine Manakurven. Keine Combos. Keine Competition. Nur ein paar Jungs, die Magic lieben.«
Unsere alten Ichs springen hoch, knüllen die Karten in enge Hosentaschen und schwingen sich auf BMX-Räder, um den Eiswagen noch zu erwischen.
»Lass dir von niemanden dein inneres Kind töten, Cain«, sagt der Geist und ich gehe langsam zu der Kerze, vor der leere Boosterhüllen und einzelne Karten herumfliegen. »Stirbt dein inneres Kind ... so stirbst auch du.«
Was er damit wohl meint? Woher weiß er, wie verzweifelt ich bin?
»Lass dich nicht von der modernen Welt korrumpieren«, sagt er eindringlich. »Sei wieder etwas mehr wie der kleine Cain. Sei unbekümmert; frei von Hass und Angst.«
Ich bücke mich und hebe einen Varchilds Kreuzritter auf. Das waren noch epische Artworks mit Atmosphäre! Bilder, die zum Träumen verleiteten und die Fantasie anregten. High Fantasy der ersten Stunde. All das war echtes Magic: Keine Tische, keine Sleeves, kein Neid und Konkurrenzdenken, keine Netdecks (sondern reine Brews) und keine zu hohen Ansprüche an die Fähigkeiten der Karten. Dafür eine herzliche Freude am Spiel und Kickass-Artworks mit Flair. Meine Gedanken überschlagen sich förmlich und als ich auf die Stelle blicke, wo soeben noch der winzige Bronco seinen Burger mampfte, werde ich schwermütig. Wie ist mein alter Freund eigentlich ums Leben gekommen?

 

»Hey, Bronc'. Sag mal, wie bist du ...«, will ich fragen und drehe mich um - doch auch er ist wie vom Erdboden verschluckt. Ich werfe die Karte auf den Boden und schlender verwirrt über den Schulhof, bis jemand aus dem Haupteingang Lockrufe wispert: "Hierher!". "Psst, Cain!". "Hier, im Gebäude!". Ohne Einwände schreite ich durch die große Tür und stelle mit Verwunderung fest, dass ich das Zimmer von Stink und seiner Frau betreten habe. Es ist der Raum mit dem Bett, in welchem ich von dem fürsorglichen Kobold aufgepäppelt wurde. Neben dem Poster vom Trollcup steht Pizamann; völlig oldschool mit Kartonrüstung und Speckwampe. Sein linkes Auge ziert eine verwesende Salami-Scheibe.
»Schön dich wiederzusehen, Cain«, sagt er und seine Freude paart sich sichtlich mit Wehmut. »Ich bin der Geist des gegenwärtigen Magic.«
Mir fehlen die Worte und stockend wackel ich zum Poster rüber - es ist vollkommen zerrissen und auch der kleine Schreibtisch wurde zertrümmert.
»Peeman, was ist hier los?«, frage ich besorgt, doch er nickt nur Richtung Tür. Anstatt mich darüber zu freuen, dass Pizzamann noch existiert, übermannt mich nun die reinste Furcht: Was erwartet mich bloß in Stinks Küche?
»Schau nur, wie die Welt aussieht«, meint der Geist leicht vorwurfsvoll. »Falls sich nicht alsbald etwas ändert, wird sich ihr Zustand noch weiter verschlechtern.«
Wir gehen in die Küche. Stink und seine Frau stehen an einem Tisch und reden aufgebracht auf einen winzigen Racker ein. Sie haben ein Kind?
»Es ist erst einige Wochen alt«, erzählt Pizzamann und deutet auf einen Soldaten der blauen Garde, der sich lässig am Kamin anlehnt. Wie ein Aufseher begutachtet er mit strengem Blick die Kobold-Familie.
»Das sind die Superfriends, Timmy«, erklärt Stink und zeigt seinem Sohn ein protziges Bild von Chandra, Jace und Gideon, was offensichtlich digital hingeschlampt wurde. »Sie sind totaaaal stark und bekämpfen das Böse.«
»Du solltest immer einen Planeswalker im Deck haben«, ergänzt seine Frau streng und schaut dabei nervös zum Gardisten rüber. Dieser nickt bestätigend.
»Die Superfriends halten immer zusammen«, schwurbelt der Kobold-Vater herum. »Es kann nicht schaden, gleich mehrere dieser taffen Helden in dein Deck zu integrieren!«
»Das ... ist ... schrecklich ...«, stammel ich und habe es nötig, mich am Rahmen der Tür abzustützen. Ich muss träumen ... all dies ist nur ein fieser Alptraum!
Der Soldat räuspert sich und sagt befehlerisch: »Foils nicht vergessen.«
»Und hier, Timmy ...«, sagt Stinks Frau nervös und holt zitternd eine Deckbox hervor, die sie vorsichtig öffnet. »... siehst du ganz tolle Funkel-Karten - sie glitzern wie Einhornstaub - ist das nicht fancy?«
Ich erinnere mich an jenen wunderbaren Abend, an welchem wir gemeinsam bei Kräuterschnaps auf das Übelste über PWs abgelästert haben. Später wetzte Stink mit einer verrosteten Nagelpfeile die Folie von Avacyn, Angel of Hope ab, um das Scheißzeug als Deko-Glitter für Moorratten-Muffins zu benutzen. Die Erinnerungen zerfetzen, als das Kobold-Kind anfängt, laut zu schreien. Es schlägt die Foils aus der Hand seiner Mutter und fängt an Baby-Kotze auf dem Bild der Superfriends zu verteilen. Ich muss darüber lachen, doch Pizzamann ahnt, was nun folgt - seine prallen Schweinewangen sind wie versteinert und in seinen Geisteraugen spiegelt sich tiefe Traurigkeit wider. Der Soldat stürmt auf das Kind zu und ehe ich weiß, wie es weitergeht, stehe ich im Dunkeln.
»Hey! Hallo?«
Keine Antwort.
»Peeman! Hey!«
Nichts.
Die absurden Szenen aus Stinks Küche haben Entsetzen in mir ausgelöst; dazu gesellt sich nun eine nette Portion Panik.
»PEEMAN! HALLO???«
»Du musst diese Tyrannei stoppen, Cain«, ertönt die Stimme von Pizzamann ein letztes Mal in der Finsternis. »Es liegt in deiner Macht.«
Bevor ich etwas sagen kann, wird die Dunkelheit von grellem Licht abgelöst, weshalb ich meine Augen mit der Hand abschirme. Wehmütig hängen meine Gedanken dem kleinen Timmy hinterher - was wohl mit ihm passiert? Und wie sich seine Eltern bloß bei der ganze Sache fühlen?

 

VII.VI: REMEMBER THE FUTURE
Als ich die Hand herunternehme, stehe ich wieder in der Wüste, genau vor der alten Ranch! Sie ist ein ganzes Stück zerfallener als vorher, doch der wirkliche Hammer lauert hinter ihr: Riesige Wolkenkratzer ragen in die trübe Luft; lange Türme, die metallen glänzen und aus einem Science-Fiction entnommen zu sein scheinen. Am Anfang dieser "Stadt" gibt eine riesige levitierende Fläche glühende Neon-Buchstaben preis: HASS-BRO INDUSTRIES. Irgendetwas drängt mich dazu, loszurennen, und ich sprinte in die Richtung der verrückten Szenerie. Immer mehr Details sind sichtbar. Drohnen, die Waren umherfliegen. Aufdringliche Werbung. Menschen in gelben Gewändern, die wie Zombies Arbeiten verrichten und dabei von Mitgliedern der blauen Garde drangsaliert werden. Nach einer Weile bleibe ich keuchend stehen und just in dem Moment schießt eine Kreatur aus dem Wüstensand empor und schwebt effektvoll in der Luft.
»Was zum Teufel!?!?!«, schreie ich vor Schreck. Es ist die exakte Verwirklichung von Einsamer Wiedergänger! Der dritte Geist. Schade, ich hatte auf ein Wiedertreffen mit Swandalf gehofft. Der Wiedergänger gleitet allmählich zu Boden und der Gestank von totem Fleisch verpestet die Luft.
»Soll das die Nachwelt sein?«, frage ich beklemmt. »Bist du der Geist des zukünftigen Magic?«
Er nickt in Zeitlupe, wobei Teile seiner Kapuze zerbröseln.
»Was ... was ... was passiert in dieser Stadt?«
Der Geist versprüht noch intensiveren Geruch von Tod und Verderben. Ob das als Antwort gilt?
»Weißt du, woran mein alter Freund Bronco gestorben ist?«
Er sagt nichts, steht nur da.
»Und was passiert mit dem kleinen Timmy; wie geht es Stink und Brown?«
Kein Kommentar. Sein Haupt neigt sich ein wenig ... ganz so, als ob ihn etwas erdrückt. Das war's. Ich musste ihm die Fragen stellen, da sie auf meiner Seele brennen.
»Ok, Geist ... wie sieht es aus mit Magic? Spielt man es in der Zukunft?«
Träge hebt der Wiedergänger seinen Stab in die Höhe und weist damit auf ein Reklameschild. Plötzlich höre ich, was in einem der Werbeclips angepriesen wird: "Mind-Magic - kompatibel mit deinem Gehirnimplantat. Lade es direkt in deine Synapsen! Garantiert umweltschonend und klimafreundlich! Neulinge erhalten 10 virtuelle Brain-Booster des neuen Sets 'Return to Return to Return to Ravnica'!".
»Die Leute spielen Mtg in ihrem Kopf?«
Der Geist des zukünftigen Magic zuckt mit den Schultern und Staub rieselt von seinem Umhang. Es wirkt so, als könnte er das Ganze selbst nicht so ganz nachvollziehen oder gutheißen.
»Keine Karten und kein Beisammensein«, sage ich ungläubig. »Keine Saufgelage, kein Gestank und keine Hunde? ... das reicht mir, ich gehe!«
Beim Umdrehen packt mich etwas Unsichtbares und ich falle auf die Knie. Der Geist schwebt auf einmal über mir und visiert mit dem Stab meine Stirn an. Ein Blitz fetzt aus dem Teil und ich sehe die Todesszene von Bronco in meinem Innern aufflackern. Sie ist so schrecklich und traurig, dass ich mein Gesicht mit dem Arm bedecke; doch ich kann die mentale Übertragung nicht abbrechen ... nach einem zweiten Blitz sehe ich vor meinen geistigen Auge, wie das Kind von Stink und Brown von dem Soldaten der blauen Garde angeschrien wird und als er mit seinem Schlagstock ausholt, fliege ich mit dem Gesicht in den Sand und bin erlöst von den grausamen Visionen.
»DAS DARF ALLES NICHT WAHR SEIN!«, brülle ich und schaufel mit den Händen verzweifelt im Sand herum. Der Wiedergänger scheint immer größer zu werden und schwebt mit wachsender Bedrohlichkeit über mir. Grab weiter, wispern die Stimmen von tausenden verlorener Seelen.
»Ich soll weitergraben?«
Der Geist nickt und hinter ihm türmen sich Gewitterwolken auf; es fängt sogar an zu regnen. Wie ein Tier wetze ich den Grund beiseite und dann treffen meine Fingernägel auf etwas Hartes. Blitze Donnern über uns hinweg und nach einem weiteren Schaufler erkenne ich einen Schädel. Ich ziehe das Teil heraus und halte es hoch.
»Hier ist ein Skelett, Geist!«
»Das bist du«, kreischen unzählige Seelen und ich reiße vor Bestürzung die Augen weit auf.
Ich blinzel und mit einem Mal befinde ich mich wieder in der Gegenwart, gleich hinter der Ranch ... und an Stelle des Schädels thront Ogress Breasts in meinen Händen. War all das nur ein weiterer geisteskranker Traum? Wie ein Verneinen dieser Frage fällt das schmuddelige Cape des Wiedergängers auf mich hinab.

 

Ich war wieder "on the road". In dem alten Haus gab ich den 'Fallout: New Vegas' erprobten Ödlandplünderer und fand einige Anziehsachen und Dosenfutter. Das Geister-Cape lässt ein wenig mein altes Gimmick wiederaufleben und ich trotte wie ein Grim Reaper an der Straße entlang - als unverhofft ein Auto neben mir hält.
»Alter, ist das ein Prototyp, den du da durch die Wüste spazieren trägst?«
Ich blicke verwirrt auf die Karte in meiner Hand, dann schaue ich zu der Karre hinüber ... es ist ein verdammter DeLorean DM-12!
»Dude! Spielst du etwa Magic? Das kann nicht sein!«
Ich komme näher und lehne mich auf das heruntergekurbelte Fenster. »Was ist daran so abwegig?«, will ich wissen.
»Bin auch ein Zocker«, sagt der Typ kaugummikauend und flippt seine verfettete Ray-Ban-Sonnenbrille noch oben. »Nenn mich Cobra Kid - schön, dich kennenzulernen!«
Ich schüttel ihm die Pfote. »Bin bekannt als Deck-Art Cain«, sage ich und füge hinzu: »Aufgrund meiner körperlichen und geistigen Verfassung will ich aber fortan "The Crippler" genannt werden. Nicht, weil ich Leute verkrüppel ... sondern deswegen:« ... ich deute mit der verformten Hand in meine schiefe Visage.
»Füll meinen Arsch mit Eiscreme - Deck-Art Cain! Du hast das Trashcan Tournament gewonnen!«
Ich bin verblüfft. Das kann alles nicht real sein ... und um dem Ganzen die verkackte Krone aufzusetzen sagt er: »Ich bin auf dem Weg zum Worldfuck. Und ich glaube, du willst auch dorthin. Steig ein!«
Entgeistert gehe ich einen Schritt zurück und die Tür schwingt nach oben hin auf.
»Was ist?«, fragt er und nuckelt an dem Strohhalm eines Milchshakes. »Du siehst aus, als ob du einen Geist gesehen hättest.«
Ich werfe mich in das schönste Auto der Welt. Im Fußraum fliegen tausende Common-Karten herum und Cobra Kid lächelt wie der angesagte Quarterback eines High-School-Footballteams (nur mit schlechteren Zähnen). »Du hast recht, Dude. Dass sich hier zwei Bridger treffen, ist schon echt obscure.«
»Mich wundert gar nichts mehr«, sage ich zu ihm und zeige Richtung Sonnenaufgang. »Ab geht's zur Golden Gate Bridge, Kid.«
Er wirft ein Tape ins Kassettendeck, lässt die Reifen quietschen und wir brausen davon. Die Geister, die ich rief ... sie haben mir eines vermittelt: Under the Bridge Magic darf nicht korrumpiert werden und muss weiterleben ... Ich muss weiterleben ... ich darf nicht aufgeben ... ich werde unsere Brücke befreien!

 

To be continued ...






Es gibt nur einen Bridger: Frank!!

Hab die Teile 1-7 in den letzten Tage förmlich verschlungen.

Freue mich schon darauf, wie es weitergeht. :-)

@ Clanker: Schön, dich am Bord zu haben! Wie es aussieht, folgen noch zwei Episoden. Danach gibt es wahrscheinlich ein kleines Special. Ich wünsch dir viel Spaß. :)

Ich freu mich schon mega aufs Finale, Cain :D

 

An die stillen Mitleser hier (Ja genau, DU!) lasst doch mal ein Comment da! Cain schafft hier was echt cooles und ich würd mich freuen wenn das Forum das ein bisschen honoriert :)

Hass-Bro xD

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