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* * * * * 3 Stimmen

UtB: Ogress Quest III - In the Land of Brown and Stink

Geschrieben von Deck-Art Cain, 10. März 2019 · 729 Aufrufe

Bridger Under the Bridge Fiktion Roman

[Die folgende Geschichte setzt logischerweise voraus, den ersten und zweiten Teil gelesen zu haben. Danke nochmal an The Beast für seine Inspiration. Warnung: Es kommt in Episode III zu höchst emotionalen Szenen. Bitte Klopapier bereithalten!]

 

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Titelbild der Episode III: Ein Bachlauf, welcher einen ganz besonderen Teich speist. Was es mit diesen mysteriösen Plätzen auf sich hat? Findet es heraus ...

 

Die Regentschaft der Ogress ist vorbei; Koto hat sie im furiosen Finale des ersten Turniers der Bridger-Geschichte auf das breite Kreuz gelegt - seitdem wurde die feiste Dame nirgendwo mehr gesehen. Der Plan von Shitfinger ist aufgegangen. Wir feierten bis zum Morgengrauen ein feuchtfröhliches Fest und wenn ich "feucht" sage, sind dabei auch sämtliche menschliche Körperflüssigkeiten gemeint: Tränen, Erbrochenes, Kot, Schweiß, Urin, Speichel, Nasenausfluss, Männer- und Muttermilch oder Ohrenschmalz. Alle waren sich einig: Dies galt als die Party ihres traurigen Lebens. Jetzt starren wir gemeinsam mit müden, verklebten Augen in den Feuerball am Horizont und spielen vollkommen high eine Runde Common-Brawl.
»Das Format ist so herrlich unbeeindruckend«, sagt Shitfinger freudig und lässt eine Granchio dell'Obolo Fortunato auf die Matratze krabbeln. Koto legt die Karte für ihn und macht ein verdutztes Affengesicht - irgendetwas erscheint am orangefarbenen Horizont. Er hat eine junge Frau mit Dreadlocks an seiner Schulter lehnen und er stubst sie an, zeigt in den Himmel.
»Was iss denn, mein Monchhichi?«, will sie wissen.
»Uhfoh?«
Peeman aka Pizzamann studiert die komplexen Werte von Shitfingers Krabbe und schaut angestrengt auf seine eigenen Handkarten. Er verkündet grimmig: »Das wird ein überaus krasser Fight, Finger« und legt Headwater Sentries. Dann hellt sich sein Gesicht auf, welches vor lauter Olivenöl fettig glänzt. »Da fällt mir noch ein großartiger Witz ein, Jungs«, sagt er. »Welchen Tribal lieben deutsche Nationalisten am meisten?«
Keiner hat Lust, zu antworten und Koto zeigt immer noch aufgebracht in den Himmel. Peemans schweineartige Visage wackelt vor Wonne und er löst auf: »Mehr Volk! Gnhihihihi!«

 

III.I STANDARD-FEIND NR.1
Shitfinger steht mit dem Knacken dutzender Knochen auf. Er zieht sich die Kapuze tief ins "Gesicht", damit die Sonne ihn nicht blendet und dreht sich anschließend um; mustert die waldigen Hügel, welche die Brücke umringen.
»Isch nen Helikopter«, sagt Sleevefresser Murphy zu Koto und ergänzt: »Muldör kommmmt doch! Der iss schwatz wie mein Zeh, der Heli.«
Am Horizont tauchen immer mehr kleine dunkle Punkte auf und plötzlich schlägt Shitfinger mit seinen Stumpen auf uns ein, will, dass wir den Arsch hochkriegen und stammelt etwas von Scharfschützen!
Es knallt vom Hügel her und ein Schuss trifft das Hippie-Girl ... Kotos erste Freundin ist tot. Eine recht kurzweilige Beziehung.
Wir stürmen los, zerren den erschütterten Koto mit uns, schreien das ganze Lager zusammen und fliehen Richtung nördlichen Wald. Es handelt sich tatsächlich um Helikopter und sie brausen effektvoll über unsere geduckten Köpfe hinweg. Entweder ich spinne, oder in einem saß tatsächlich die Ogress und spähte mit einem Fernglas die Umgebung ab. Die Ereignisse überschlagen sich und ich weiß nur, dass wir es ohne Verluste zum Fuße des Waldes schafften, als eine Kugel Kotos Kopf durchbohrte und er leblos in meine Arme fiel. Ich zerre seine Leiche mit mir und weitere Schüsse lassen Bäume zerbersten und Laub aufwirbeln. Ich weine wie ein Baby und sämtliche Kraft verlässt meinen blutverschmierten Körper; zum Glück packt mich ein anderer Bridger, ein Barbar, den alle Golem nennen, am Kragen und wir eilen immer weiter den Hügel hoch.
»Bogardanischer Höllendrache!«, flucht Shitfinger keuchend. »Was wird hier gespielt?«
Vorher war für eine Unterhaltung oder Reflektion keine Zeit gewesen und wir bleiben zwischen dichtem Buschwerk stehen, schauen zu unserer geliebten Brücke runter. Eine Art Spezialeinheit in blauer Uniform seilt sich aus den Helikoptern ab, durchwühlt Lumpen, schnappt sich Bridger, filzt sie und beschlagnahmt sämtliche Karten, um sie auf einem großen Haufen zu sammeln.
»Koto ist tot«, sage ich bitter, doch niemand will es realisieren.
»Das ist eine Vergeltung«, beantwortet Shitfinger seine eigene Frage. Jetzt schütten die Soldaten Benzin auf den Riesenhaufen und wie in einem schlechten Film sehe ich in Zeitlupe ein brennendes Streichholz auf die Brückenschätze fallen. Tausende Karten gehen in Flammen auf. Mein Herz bleibt beinahe stehen, als die Wichser auch noch Hunde einfangen, um sie in das Feuer zu werfen. Golem identifiziert anscheinend seinen eigenen Kameraden - »ISAMARU!«, jauchzt er immer wieder und rennt Richtung Heimat. Du musst auch intervenieren, Cain! DAMIT DÜRFEN SIE NICHT DURCHKOMMEN. Golem fasst sich an den Bauch und sackt zusammen; auch ihn hat es erwischt. »Los, wir müssen zu der Autobahn!«, ruft Peeman und klatscht mir seine schmierige Kartonhand ins Gesicht. Erst jetzt merke ich, dass die anderen schon weiterrennen und er hilft mir, Koto zu tragen. Wir holen auf und ich rutschte mit meinem Brotschuh fast aus.
»Wir sinn gleich dah!«, ruft Sleevefresser Murphy und wie eine gemeine Antwort Gottes gibt der Boden unter unseren Füßen nach. Einer nach dem anderen fällt in eine riesige Grube, die meterhoch mit Laub bedeckt ist. Mit letzter Kraft versuche ich, in den Blättern herumzurudern und halte meinen Freund Koto fest dabei im Arm.
»PIZZAMANN? KOTO? MURPHY? CAIN?«, ruft Shitfinger, doch ich kann nicht antworten ... verliere das Bewusstsein.

 

III.II KOBOLDMÄßIG GUT
Ein kugelrundes, grünes Gesicht mit Knubbelnase grinst mich mit einem einzelnen Schneidezahn an. »Wach auf, großer Mann«, sagt sein Inhaber freundlich und hält eine Schale gegärte Rattenmilch vor meine benommene Fresse. Ich glaube zumindest, es ist Rattenmilch, denn sie riecht ziemlich lecker. »Trink das, mein Riese«, sagt er und kratzt sich an dem Nippel, der nicht von seiner abgedroschenen Latzhose bedeckt ist. Ich schlürfe den verführerischen Trunk und Lebensgeister werden erweckt.
»Ich bin Stink Svenson«, sagt der Zwergwüchsige und kichert. »Meine Familie nennt mich Stinky.«
Hmm, ja. Ok.
»Ihr seid in meine Wildschweinfalle geraten und du hast zwei Tage geschlafen. Deinen Freunden geht es gut; bis auf den Höhlenmenschen, er...«
Ich halte wissend die Hand nach oben und realisiere, dass das Ganze kein verfickter Alptraum war. Das ist eine Vergeltung, echoen Shittfingers Worte in meinem geschundenen Schädel umher.
»Du kannst aufstehen und zu uns in die Küche kommen, wenn du dich dazu bereit fühlst. Meine Frau hat Tuntenknödel gemacht. Die werden dir schmecken, mein Riese!«
... und dann dackelt Stink davon. Riesige Barfüße klatschen auf glatten Stein und, Mann, was hat dieser Kobold für einen prallen Hintern! Bei einem der Schritte hört es sich an, als ob er einen fahren lässt und ich schnüffel Bohnenpaste. Langsam pelle ich mich aus einer Moosdecke und begutachte die Umgebung: Eine Grotte wurde mit netten Wurzelmöbeln eingerichtet; besonders auffallend ist ein großes Poster über dem Schreibtisch in der Ecke. Ich hinke zu dem Gebilde und staune nicht schlecht:

 

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Der Kleine muss einen Turnierplan angefertigt haben! Auf dem Tisch liegen Kohlestifte und zerpresste Pflanzen. Ich streiche gedankenverloren mit der Hand über das Finale und fahre dann mit dem Finger an dem Namen "Koto" entlang. Mal sehen, wie es den anderen geht.

 

In der geräumigen Küche sitzen Sleevefresser Murphy und eine dicke Kobolddame auf dem Boden und zocken Magic. Sie sieht aus wie Stink, nur mit langen Haaren und üppigem Vorbau. Über ihnen wurde ein Loch in die Decke eingelassen und man sieht den freien Himmel - sozusagen Kitchen-Ground-Magic im "Freien", alles gemäß dem UtB-Kodex. Nice!
»Da iss ja unser alter Knabä!«, grüßt mich Murphy und winkt mit seinen abgeranzten Karten. Die Dame stellt sich vor, bietet mir merkwürdige klopsartige Gebilde an, streichelt meine Hand und ist einfach nur superfreundlich. »Der Kerl hat einen Wood Elemental draußen und heizt mir mit Chimney Imp mächtig ein«, sagt sie lachend. »Bitte entschuldige mich, Großer. Ich spiele dann mal weiter.«
»Schon gut. Danke für alles«, sage ich zu Stinks Frau, nehme mir einen Tuntenknödel und beiße gierig rein. Aus was auch immer die Teile bestehen: Es mundet vorzüglich. Mampfend bestaune ich einen steinalten Rechner, der neben einem großen Kamin platziert wurde. Stink kommt gemütlich in einem moosigen Morgenmantel angewatschelt und trägt Pantoffeln im Nullhide Ferox-Look. Wo hat er die denn her? Selbstgebastelt? In seiner Hand dampft ein Kaffee und er deutet kichernd auf den Rechner: »Altes Schätzchen, was?«
»Auf so einem Teil habe ich früher 'Prince Of Persia' und das erste 'Sim City' gesuchtet«, schwelge ich in Erinnerungen. Stink hockt sich an den PC und setzt sich eine verschmierte Lesebrille auf, die seine Augen vierfach vergrößert. Dann klickt er etwas herum und ein Modem kreischt schrill auf. Neben dem Monitor steht eine Kaffee-Maschine; er serviert mir eine Tasse und ich schlürfe mit Wohlgefühl das braune Wasser. Er lässt einen Furz auf den Holzstuhl knattern, während sich ein Browser-Fenster öffnet.
»Das ... das ist doch ...«
»Jepp, mein Riese. Das Mtg-Forum - Epizentrum jeglicher Magic-Expertise«
»Du und deine Frau interessieren sich anscheinend sehr für das Spiel.«
Stink nippt an seinem Kaffee und schaut mich über seine Lesebrille hinweg an. »Wir lieben es! Was gibt es Schöneres? Vor allen Dingen Under-the-Bridge-Magic hat es uns angetan.«
»Ich habe das Poster im Schlafzimmer gesehen«, sage ich. »Hast du das kreiert?«
»Klar! Das war ein mächtiges Turnier! Ich und Browny haben es mit Fernrohren verfolgt. Das Poster ist selbstgemalt; ich war früher freiberuflicher Künstler in Schweden. Ich und meine Frau leben erst seit drei Jahren in Deutschland.«
Was? Keine echten Kobolde?, denke ich leicht enttäuscht.
»UtB verkörpert die Essenz des ursprünglichen Spiels«, meint Stink. »Einfach spielen des Spielens wegen - ohne großen Schnick-Schnack ... das ist mein Ding!«
»Magic hat sich zu einem Snob-Spiel entwickelt«, brummt plötzlich Shitfingers Stimme und ein muffiger Stumpen liegt auf meiner Schulter.
»Meister!«, rufe ich und freue mich seines Lebens.
»Dabei ist es für Kinder des Kellers entwickelt worden«, fährt er unbeirrt fort. »Für Gestalten wie uns; für gegeißelte der Gesellschaft, die nur wenig Geld besitzen. Arme IT-Studenten zum Beispiel. Wir besitzen wenig Geld - aber viel Fantasie!«
Peeman kommt auch in die Grotte gewackelt und ich freue mich, dass er noch existiert. Shitfinger wedelt aufgebracht in seine Richtung und ruft: »Magic ist für Freaks wie ihn!«, dann zeigt er auf Stink. »Für, äh ... Künstler wie diesen!«, und der Stumpen visiert Murphy an. »Für nimmersatte Typen!«. Was ist mit der Koboldfrau? »Für nette "Menschen", die underground sind!«
Stille kommt auf.
»Was ist ...«, stocke ich. »Mit ... äh ...«
»Hm?« brummt Shitfinger. Wenn er noch eine Augenbraue hätte - er würde sie hochziehen.
»Du hast ... nichts über ... mich ...«
»Oh, ja. Moment«, sagt er und wirft den Arm über meine Schulter. »Dabei ist Magic für die wunderbaren Leute entwickelt worden, die dem aalglatten Mainstream überdrüssig sind! Die nichts Aufgeblasenes wollen, sondern etwas ECHTES! Keinen falschen Zauber, sondern waschechte Magie
Stink steht auf und rüttelt freudig an dem Karten-Cape von Shitfinger. »Deswegen liebe ich diesen Kerl so!«, quietscht er und strahlt über beide grünen Backen; wieder rutscht Darmgas in die braune Latzhose. Seine Frau erhebt sich, führt eine Hand wie ein Soldat an die Stirn und dröhnt in rasendem Tempo: »Du sollst keine Karten spielen, die andere beeindrucken. Du sollst keine Zustände oder Sprachen spielen, die andere beeindrucken. Du sollst keine Foils oder Promos spielen, außer sie sehen aus wie zerkaut und ausgespuckt. Du sollst keine Sleeves, keine Playmat, keine Deckbox, keinen Tisch benutzen. Allein die Karten sind wichtig. Du sollst draußen spielen. Und nur draußen! Du sollst Regelfragen ebenfalls draußen klären: Draußen und auf die altmodische Weise. Du sollst trinken. Viel.«
Meine Güte: Wir sind eine Armee von tapferen Kriegern.
»Jetzt, wo wir alle anwesend sind ...«, sagt Stink mit grandioser Laune. »... sollten wir Letzteres nachholen: Lasst und trinken, meine Riesen! Lasst uns trinken!«

 

III.III LLANOWAR
Wir sitzen in Wildschweinfellen eingemuckelt vor dem Kamin in der Küche und es gibt den fiesesten Kräuterschnaps, den meine Nieren je verarbeiten mussten. Wir schnacken bis in die Nacht hinein. Darüber, ob Planeswalker überkandidelte Kackklumpen sind und ob man mit all dem Kunststoff der Deckboxen, Sleeves und Lifecounter nicht die Weltbevölkerung ernähren könnte (Murphys Idee). Wir regen uns über japanisch-sprachige Karten auf und mutmaßen, dass diese nur von perversen Weeaboos präferiert werden, die Mangas lesen, in denen die Röcke von zehnjährigen Schulmädchen bei jeder Gelegenheit durch die Luft flattern. Stink holt irgendwann einen ausgedienten Nachteimer hervor, in denen zig Foils kleben und demonstriert anhand einer Avacyn, Angel of Hope, was er mit solchem Glitzerkram veranstaltet: Mit einer verrosteten Nagelpfeile kratzt er brutal die Folie ab und sammelt den funkelnden Staub. Seine Frau, Brown(y), stellt ein Tablett mit Moorratten-Muffins vor den Kamin und Stink streut rund 35 Euro teuren Deko-Glitter auf das Süßgebäck. Shitfinger bricht in ein wahnsinniges Lachen aus, was mich an die Skelettische Grimasse-Karte erinnert. Wir futtern Muffins und liegen uns volltrunken und lachend in den Armen - ein wirklich schöner Abend mit wunderbaren Menschen. Der Morgen wird desto grausiger werden.

 

Am nächsten Tag erzählt Stink, er habe vorsichtig unsere Brücke ausgekundschaftet ... mehrere Typen der Spezialeinheit hätten Pakete voll mit Magic-Kram dabeigehabt: Displays, Playmats, aktuelle Planeswalker-Decks, Würfel en masse, Kartenhüllen, Deckboxen, Sammelordner, Bücher, Spielsteine, Dice Bags, T-Shirts, Aufbewahrungs-Kartons und anderen Scheiß. Sie hätten Bridger bedroht und sie zum Kauf von Displays gezwungen; kleinen Kindern schenkten sie PW-Decks und Zubehör. Überall unter der Brücke spiele man nun Standard. Commons wurden in Kartons verstaut und nur selten in die Decks gepackt. Vereinzelt verteilten die Soldaten auch Smartphones samt Magickarten-Markt-App. Ob die "Bridger" sich nun Playsets der heißesten Rares bestellen?
»Ihr müsst fort von hier«, sagt Stink. »Da waren auch Soldaten in der Nähe dieser Höhle. Sie suchen immer noch nach euch.«
»Wir beerdigen Koto und ziehen dann gen Norden«, verkündet Shitfinger mit finsterer Miene.
Brown wirkt nachdenklich und sagt: »Ihr müsst dieses Land verlassen, denn hier seid ihr nicht mehr sicher. Wir hörten von Bridgern in Großbritannien; schroffe Kerle, aber echte Revolutionäre. Vielleicht ist das eine Adresse.«
»Vielleicht«, meint Shitfinger knapp.
»Mein Cousin, Smuggler Svenson, betreibt einen Fischkutter im Norden«, meint Stink stolz. »Sagt ihm, wir schicken euch und gebt ihm etwas Gold, dann fährt er mit Sicherheit zu den britischen Inseln.«
»Gut«, erwidert Shitfinger erneut knapp und sein Blick wandert in eine nicht sichtbare Dimension. »Lasst uns unserem Freund die letzte Ehre erweisen.«
Dutzende Minuten laufen wir durch Katakomben, die anscheinend schon vor Äonen in das Erdreich gemeißelt wurden und bald sind wir am "geheimen Ort" angelangt. »Das wirscht du lieben«, prophezeit Sleevefresser Murphy und wir schreiten mit Peeman, Shitfinger, Browny und Stinky durch ein in die Höhle eingelassenes Holztor, wobei wir Koto auf einer Bahre tragen. »Bin vorgestern den ganzn Tach in diesm Wald herumspaziert«, ergänzt Murphy.
Stink gibt mal wieder das Gekicher eines fetten Kobolds von sich und schwankt mit seinem dicken Hintern als Führer voran. »Willkommen in unserem Llanowar, Cain!«
Der Duft von Baumharzen und exotisch wirkenden Blumen haut mich fast aus dem Brotschuh. Wir wandern an üppiger Vegetation entlang; uns umringen satte Grüntöne in unendlichen Nuancen und überall leuchten die Farben verschiedenster Früchte und Blüten. Auch große Pilze begleiten den Pfad, welchen wir entlangschlurfen und sie erinnern mich extremst an das Sporenschwarm-Artwork.
»Kein Mensch hat dieses Land mit seinen schäbigen Grapschern berührt«, erklärt Browny mit bissigem Unterton. Sind die beiden etwa doch Kobolde?
»He, Cain«, sagt Murphy leise. »Iss die Kleine nich der Brenner?«
Er visiert die prall gefüllte Latzhose von Stinks Frau mit einem angesabberten Sleeve an und ich schweige irritiert.
»Mit der würd ich gern ma Under-the-Bitch-Magic betreiben«, flüstert er aufgegeilt. »Wenn du weißt, was ich meine.«
Wir beerdigen gerade Koto und er macht sich an Stinks Frau ran. An absolutes No-Go; ich ignoriere ihn komplett.
»Da ist es schon«, sagt Stink verheißungsvoll.
Umzingelt von wunderschönen alten Bäumen glitzert ein großer Teich, auf dem Schwäne und Seerosen schwimmen. Erschöpft setzen wir die Bahre am Ufer ab und ich hole Kotos Rucksack hervor, um seine Decks und den Game Boy Advance auszupacken. Wir verstreuen die Karten um seinen Körper herum und ich nehme einen Orcish Spy als Andenken mit. Ich glaube, erst jetzt realisieren wir wirklich, dass unser Freund gestorben ist. Koto - der Gewinner des ersten Trollcups - ein echter Held der Brücke. Besonders Shitfinger trifft es hart. Pizzamann zündet unter Tränen die Karten an und Kotos haariger Körper fängt sofort Feuer. Ich nehme den Game Boy, lasse 'Zelda's Lullaby' abspielen und lege ihn unter seine leblose Primatenpranke.
»Affe zu Asche«, knirscht Shitfinger mit schwerer Seele. »Und Staub zu Staub«, dann gibt er der Bahre einen Stoß und sie gleitet in die Mitte des Teiches, wo der flammende Körper langsam absinkt. Schmetterlinge umkreisen das Ritual, riskieren, ihre Flügel zu verbrennen.
... und irgendwo in der Ferne ertönen drohende Geräusche von Helikoptern.

 

III.IV SCHICKSALSSCHLÄGE
Brown und Stink geleiten uns zu einer kleinen Lichtung, auf denen Ponys stehen und schenken uns vier davon, damit wir schnell gen Norden reiten können. Auch reichen sie mir, Murphy und Peeman moosige Umhänge mit Kapuzen, damit wir im Wald gut getarnt sind. Eingehüllt und beritten ziehen wir los und winken den wunderbaren Gastgebern, verabschieden uns mit schweren Herzen. Wie sollen wir das alles wieder gutmachen?
Nun hängen schwere Wolken in der Luft und der vorher so prächtige Wald weicht einer tristen Kulisse; es scheint, als würden die Blumen und Pilze sich regelrecht zurückziehen. Stink hatte uns auf seiner Karte eine perfekte Route zur Nordsee gezeigt, die beinahe nur durch dichte Wälder führt - an diese Strecke halten wir uns und reiten immer weiter und weiter. Keiner sagt ein Wort; das nette Heim der "Kobolde" ließ unsere Sorgen vergessen, doch nun kommt alles wieder hoch. Ich und Pizzamann bilden die Nachhut und ich nutze die Gelegenheit, um das Schweigen zu brechen: »Hey«, sage ich zögernd. »Wie kam es eigentlich dazu, dass du ein Bridger geworden bist?«
Er schaut verdutzt, kratzt verlegen die Salami auf seinem Auge und sagt: »Keine Ahnung, hat sich so ergeben.«
»Was hast du vorher gemacht?«
»War berufstätig; habe Versicherungen verkauft und zwar gar nicht mal so knapp. Richtiges Wohlgefühl kam aber nie auf.«
»Hmm. Wieso nicht?«
»Weiß nicht, war nicht meine Welt, das Ganze.«
Wie ein Trauerzug tragen uns die Ponys in einen nebeligen Nadelwald und unsere Umhänge saugen sich schnell mit Feuchtigkeit voll. Ich betrachte das traurig wirkende Gesicht von Pizzamann unter der hängenden, tropfenden Kapuze.
»Habe mich immer wie ein Außerirdischer gefühlt«, meint er. »So, als ob ich nirgendwo dazugehöre.«
»Tja, wer kennt das nicht«, sage ich, weil ich glaube, irgendetwas sagen zu müssen.
»Keine Ahnung. Ich fand stets, dass der meiste Teil der Menschen sich immer zu irgendetwas zugehörig gefühlt hat. Zur Gesellschaft, zu den Medien, zu Geld, zu was auch immer.«
Es wird langsam dunkel und ein Schauer fährt über meinen nassen Rücken.
»Scheiße, es ist kalt, nicht wahr?«, frage ich Peeman.
»Genau, ich empfand eine gewisse soziale Kälte«, antwortet er. »So, als ob niemand einen versteht. Als ob keiner sich in dich hineinfühlen kann.«
Das ist ganz schön deeper Shit, den Pizzamann da ablässt und ich habe keine Ahnung, was ich antworten soll.
»Bridger sind noch Menschen«, fährt er fort. »Jeder hat zwar irgendeine gewaltige Macke, aber dafür das Herz am rechten Fleck.«
»Da ist was dran«, stimme ich zu.
»Mein Berufsleben war seelenlos. Mein Alltag langweilig. Unter der Brücke passiert immer irgendetwas Krasses und wie gesagt ... die Leute dort sind lebendig
Wir gleiten wie in einem endlosen Traum durch den Nebel, vorbei an hunderten von Tannen, die alle identisch aussehen. Neugierige Glühwürmchen trotzen der Nässe und folgen unserer Karawane.
»Eines Tages kam der Klassiker« erzählt Peeman aka Pizzamann. »Meine Frau wurde krank und starb. Da dachte ich mir: Alles oder nichts. Weißt du, ich habe viel Trauriges erlebt und die Welt ist voller Elend, aber ...«
»Ja?«
»Auf echtes Magic kannst du dich stets verlassen. Die Karten mit ihren tollen Artworks und ihrer Geschichte, die ranzige Pappe an den Fingern; das ist ein Lebensgefühl. Es ist kein Spiel mehr für mich
»Es ist ein Teil von dir«, komplettiere ich seinen Satz. Deswegen sind er und Shitfinger so eng - zwei Vollblut-Bridger mit maximaler Passion. Genau wie bei Koto.
Peeman fährt fort: »UtB bedeutet Realness. Habe mal einen Spruch gehört, der lautete: "No Money. No Sleeves. No Teeth. No Fakes". Ich brauche weder Geld, noch Zähne und überflüssige Accessoires, um glücklich zu sein oder Spaß zu haben. Und auf verfickte Faker und Lügen kann ich sowieso verzichten.«
Durch das Gespräch unter drei Augen wächst mein Respekt für Pizzamann enorm. Niemals hätte ich gedacht, dass ich in einem nebeligen Märchenwald, auf einem Pony reitend, eine Art Gleichgesinnten treffe ... einen Gleichgesinnten, welcher sich meistens in Pizzakartons hüllt, an welchen verschimmelter Käse hängt und in denen Mäuse hausen.
»Unsere Gesellschaft ist durchzogen von Fakes jeglicher Art«, sagt er und legt brüderlich seine dicke Pranke auf meinen Rücken. »Aber für Bridger lege ich meine Hand in den höllisch-heißen Pizzaofen.«
Das rührt mich unheimlich.
Nach seinem tiefgehenden Monolog kehrt wieder Stille ein und wir reiten in die endlose Nacht. Immer weiter und weiter. Weit weg von den Helikoptern, die mehr und mehr verstummen.

 

III.V WIZARD OF THE COAST
Ich bin wohl auf dem Pony eingepennt und voller Schrecken schießt mein Kopf hoch. Rhythmische Geräusche - gleich da vorne! Sie kommen näher; haben wir die Helikopter doch nicht abgehängt? Shitfinger hebt seinen Arm und wir bleiben stehen. Die Geräusche werden lauter und ich sehe vorne zwischen den Tannen ein Licht aufflackern. Es ist immer noch Nacht und der Nebel viel dichter als vorher; ich kann nur die Schemen von Murphy und Shitfinger erkennen ... zwischen ihnen kommt das blasse Licht näher. Fast hätte ich mir in die Hose geshizzelt, doch mit Erleichterung identifiziere ich die Töne als Pferdegalopp. Mit einem Mal bremst eindrucksvoll ein Reiter vor meinen Gefährten. Ein schmaler Ast, der am Sattel befestigt ist, trägt eine Laterne und ihr Schein offenbart einen stattlichen Magier. Sein Körper schmücken eine mitternachtsblaue Robe, auf denen kleine gelbe Sterne aufgestickt sind, sowie der passende Zauberer-Spitzhut mit goldener Krempe. Was zur Hölle stimmt mit diesem Wald nicht? Dann kommt die Erkenntnis, dass mir dieser Fantasy-Wahnsinn unfassbaren Spaß macht und ich korrigiere meine Gedanken: Was zur Hölle stimmt mit diesem Wald bloß?
»Rrrrruhig, Abraxas. Zügel deine Hufen!«, brummt der Magier sein schwarzes Pferd an. Daraufhin hält er sich einen weißgefiederten Flügel (der seinen linken Arm bildet) über die Augen, um uns näher zu begutachten. »Dies sind nur ein paar ...«, dann stockt er und brüllt: »SHITFINGERS!«
Dieser erwacht wie aus einer Trance und kann es kaum fassen: »Swandalf?«
»Swandalf von der grünen Küste«, bestätigt der Magier und zwei grau-blaue Augen strahlen über einem dünnen Vollbart mit roter Farbe. »Erster Ambassador der Towerbridge«, sagt er. »Bruder von Common-König Henry und führender Hofarkanist der Hammerschmied-Brücke. Welch ein Schalk das Schicksal doch ist: Ich bin auf dem Weg zu Euch, alter Bruder aus Gebein.«

 

Wir schlagen sofort ein Lager auf, binden die Tiere an, geben ihnen Trinken und Futter, suchen Holz und machen ein kleines Feuer.
»Nun sagt schon, was führt Euch hierher?«, will Swandalf wissen und streut Marihuanabrocken auf seinen gewaltigen Flügel, welchen er als Tischersatz nutzt. Ob dieses animalische Ding wirklich aus seinem Körper wächst? Dann holt er eine Langpfeife hervor, drapiert sie neben das Gras und fängt an, es zu zerbröseln. »Wieso verlasst Ihr Euer Heim, Shitfinger?«
Er ahnt, dass etwas nicht stimmt.
»Invasoren«, antwortet mein Meister mit verkrampftem Skelettkiefer.
Das Feuer wirft gelbe Lichtspiele auf die zerfurchte Visage des Magiers und er hebt beeindruckt beide Augenbrauen. »Die blaue Garde?«
»Was weißt du von diesen Leuten?«, will Pizzamann wissen und wirft ein Playset Hardened Scales auf die schwache Glut.
»Sie infiltrieren Brücken«, sagt Swandalf verbittert und nimmt einen kräftigen Zug an der edel anmutenden Pfeife. Er bläst den süßen Qualm über das Lagerfeuer und ich traue meinen Augen kaum: Aus den feinen Partikeln formt sich ein aufsteigender Arclight Phoenix und fliegt an den Tannen empor. »Sie überschwemmen Anwohner von Brücken mit seltenen und nicht ganz so häufigen Karten. Auch tauschen sie anderes Magie-Teufelswerk gegen Gold. Sie unterwandern, sie manipulieren, sie verderben.«
»Youteebee ist in Jefahr«, meint Sleevefresser Murphy und nuckelt weiter an seiner Kornflasche.
»Ja, da sagt Ihr Wahres«, flüstert Swandalf. »Die Brücken-Magie muss sich einem sinistren Feind stellen.«
»Und wer ist der Strippenzieher bei dieser Verschwörung?«, fragt Shitfinger und zieht dabei vor Unbehagen sein Cape enger. In der Ferne donnert es leise.
»Wenn ich das nur wüsste ...«, flüstert Swandalf erneut und blickt geistesabwesend in das tanzende Feuer ... ganz so, als ob er versucht, in die Zukunft zu schauen. Er nimmt nebenbei einen Zug Zauberkraut, pustet sanft den Qualm heraus und fährt mit der Hand durch den langen Bart. »Wenn ich das nur wüsste ...«, wiederholt er und ein Blitz erhellt sein Gesicht. Der Qualm verwandelt sich langsam zu einer Gestalt, die Treasure Keeper zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch wenn der Keeper keine sichtbaren Augen besitzt ... ich glaube, dass er mich anstarrt - er blickt mir tief in die Seele. Die Figur rotiert und verpufft endlich im aufkommenden Wind. Ich tue es Shitfinger gleich und greife meinen moosigen Umhang, ziehe ihn näher an meinen Körper ran ... versuche, mich irgendwie zu verkriechen ... suche Wärme und Schutz. Ein Blitz schlägt ganz in der Nähe ein und wir zucken alle zusammen - bis auf Swandalf; er starrt weiterhin in die Flammen und flüstert so leise, dass man es kaum hören kann: »Wenn ich das nur wüsste ...«
Dann fährt er seelenruhig seinen schwanenartigen Flügel aus, platziert wieder Brocken von der bewusstseinsverändernden Substanz auf ihm und fängt an, fleißig zu bröseln. »Nicht mehr lange ...«, wispert er. »... und wir werden es erfahren.«
Will ich das wirklich?

 

[Teil 4 findet ihr hier: Ogress Quest IV - Planechase of the Apes]






Eine echte Heldenreise! Dass ich das noch erleben darf... <3

1. Cain du solltest Schriftsteller werden

 

2. Das ist einfach nur episch. Hast du grad ernsthaft LotR mit UTB kombiniert? Das ist awesome. Ich finde die Story hat einfach so viel Flair, bitte bitte bitte schreib sie zu Ende und lass sie nicht vergammeln, wie Shitfingers Stumpen!

 

3. Ernsthaft, du bringst mich echt zum lachen. Ich steh auf die Story. Danke dafür!

@ Oblahue und Urathil: Danke für eure Comments! Ich bin (leider) ein Typ, dem Feedback extrem wichtig zu sein scheint. Die relativ spärliche Resonanz hatte mich eigentlich demotiviert. Unter anderem haben mich eure Kommentare dann doch dazu bewogen, den Shit weiterzuschreiben. Also: Ein erneutes Danke!

 

Konzept für Teil IV steht und ich schreibe zeitnah daran. Nr. 5 formt sich auch schon. :)

 

Wegen dem Schriftsteller-Werden: Da gehört dann doch noch eine ganze Portion mehr Können zu, glaube ich. Und mir gefällt es hier im Untergrund recht gut. Nur ein bisschen mehr Resonanz wäre geil. Trotzdem Thx für die netten Worte.

 

LotR ist eigentlich zu verdammt heilig, um es zu verwursten. Aber der Swandalf-Char war z.B. zu verlockend.

aaaah! Wie geht es nur weiter? :D

@Cain, ich glaube du solltest dem Ganzen ein wenig mehr Zeit einräumen. Das sind jetzt schon 3 recht lange Blog-Einträge in ~ einer Woche und tendenziell dauert das mit dem Feedback ja immer auch ein wenig.

Zumal du anders als andere Blogs tendenziell ja gar nicht groß Interaktion anstrebst sondern allein eine Geschichte erzählst, da gibt's halt auch nur wenig zu feedbacken.

Großes Lob noch mal an die ganzen Titelbilder, den Schriftzuges, den Spielplan, die Songverlinkungen! etc. Das alles macht die Welt von UtB so unglaublich lebendig! Lese es jetzt schon zum zweiten Mal wieder :D

@ Necronlord: Mit Elfen. Es geht weiter ... mit ... Elfen! :D

 

@ Beast: Ja, ich muss lernen, die Füße still zu halten.

 

@ Obla: Habe die Story vom Beast fünf Mal gelesen. Haha! Freut mich, dass du OQ ein zweites Mal genossen hast. Macht mir noch mehr Bock auf Teil IV. Ist einfach so. ;)

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